1860-Trainer kündigt "direktere Worte" an

Möhlmann tobt: "Das ist keine hundertprozentige Mannschaft"

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Erklärungsversuche am Fanzaun: Gary Kagelmacher, Sascha Mölders, Sertan Yegenoglu und Christopher Schindler (v.l.).

München - 1860-Trainer Benno Möhlmann kann die Leistung seiner Löwen in Karlsruhe nicht verstehen. Er bemängelt vor allem die mangelnde Kampf- und Laufbereitschaft.

Das hatte sich Hasan Ismaik so einfach vorgestellt: Mit der Mannschaft lecker essen gehen beim Japaner, und zum Dank gibt’s ein paar Tage später einen Sieg. War aber nix, für den Auftritt, den die Löwen am Sonntag beim 1:3 in Karlsruhe hinlegten, hätte vorher auch ein Besuch am Würstlstand gereicht. Ismaik zeigte sich dementsprechend enttäuscht, als er schon während des Spiels mit Präsident Peter Cassalette telefonierte, der im Wildparkstadion saß. „What happens?“ fragte der Investor den Löwenboss. Eine Frage, die sich die rund 3000 mitgereisten Löwenfans oder alle blauen Beobachter am Fernseher ebenfalls gestellt haben. Und natürlich auch Benno Möhlmann.

1:0 geführt nach einer Viertelstunde und danach noch in der ersten Halbzeit innerhalb von nur sechs Minuten drei Tore kassiert. Das verstehe, wer will. Möhlmann tut’s nicht. „Eine Führung müsste nach meinem Verständnis normalerweise Sicherheit geben“, sagte der Löwencoach, „ebenso wie die Tatsache, dass uns unsere Konkurrenten am Freitag und Samstag mit ihren Ergebnissen eine Vorlage geliefert haben. Aber auch die haben wir nicht genutzt.“

Sechs Spieltage vor Schluss präsentieren sich die Löwen in einer Verfassung, die für den Kampf um den Klassenerhalt im Leben nie ausreichen wird. Dabei reden wir erstmal nur von Engagement und Einsatz. Möhlmann: „Wenn es für den KSC sportlich um weniger geht, dann müsste er auch weniger laufen. Es war aber ungekehrt: Wir sind weniger gelaufen.“ Sechs Kilometer – das Endergebnis lautete hier 118:112 für die Karlsruher. „Das ist nicht zu erklären“, sagte Möhlmann.

Was der Trainer außerdem noch feststellte: „Das ist im Moment keine hundertprozentige Mannschaft, die sich gegenseitig hilft oder auch mal ein paar Worte sagt. Und es muss zu erkennen sein, dass die Spieler mehr laufen und mehr kämpfen. Das habe ich nicht gesehen. Ebenso kriegen wir es auch nicht hin, dass alle ihr Bestes zeigen.“

Dass Möhlmann selbst in der zweiten Halbzeit nicht mehr sehr viel Wert auf Bewegung legte und lieber auf der Bank saß – wer will’s ihm verdenken? Den Vorwurf, zu wenig gecoacht zu haben, lässt er nicht gelten: „Die Jungs müssen mal begreifen, dass sie in allererster Linie in der Verantwortung stehen.“ Was der 61-Jährige ihnen vor dem Heimspiel am Freitag gegen die SpVgg Greuther Fürth auch nochmal unter die Nase reiben wird: „Im ein oder anderen Fall wird es jetzt auch direktere Worte geben.“

Denn eins ist auch klar: Auftritte wie beim glücklichen 1:1 gegen Bielefeld oder jetzt in Karlsruhe darf es auf keinen Fall mehr geben. „Unser Glück ist ja, dass die Situation durch die Ergebnisse der anderen Mannschaften nicht schlechter geworden ist“, sagte Möhlmann.

Löwen grottenschlecht! Neun Mal Note 5!

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Was bleibt genau zu tun? Möhlmann: „Erstens reden, zweitens trainieren und drittens, die richtigen Leute aufstellen.“

Maxi Wittek fällt erstmal aus. Er hat sich in Karlsruhe einen Kapseleinriss im linken Knie zugezogen. Degenek und Lacazette (beide beim KSC gesperrt) stehen wieder zur Verfügung. Sukalo, Adlung und Bandowski dagegen noch nicht. Aber es ist ja wohl ohnehin eher eine Ein- als Aufstellungssache bei den Löwen. Möhlmann glaubt jedenfalls noch an ein gutes Ende. Auf die Frage, wie groß er die Chancen auf den Klassenerhalt einschätze, antwortete er am Montag: „Zu hundert Prozent nicht. Aber zu 99 Prozent bin ich mir sicher.“

Viele solcher Optimisten gibt es nicht mehr.

Claudius Mayer

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