Das müssen Sie über ihn wissen

Benno Möhlmann: So tickt der neue Trainer des TSV 1860 München

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Benno Möhlmann (60) ist neuer Trainer des TSV 1860 München.

München - Benno Möhlmann (60) ist neuer Trainer des TSV 1860 München. Das müssen Sie über den neuen Löwen-Coach wissen. So tickt Möhlmann auf und neben dem Platz.

"Benno Möhlmann ist so etwas wie der Jupp Heynckes der 2. Liga", schrieb das Sport-Portal "Spox.com" einmal über den neuen Trainer des TSV 1860 München. Und machte diesen Vergleich an seiner enormen Erfahrung fest (was die Erfolge angeht, kann man Benno Möhlmann auch eher schlecht mit dem Triple-Erfolgstrainer des FCB vergleichen): "Seit mehr als 20 Jahren ist er im Trainergeschäft tätig und feierte kürzlich wie der Coach des FC Bayern München sein 1000-Spiele-Jubiläum." Ein weiterer Titel, der Benno Möhlmann von den Medien gerne angeheftet wird: Feuerwehrmann für die 2. Liga. Was natürlich im Hinblick auf den TSV 1860 München absolut zutrifft. Ein Blick in die Trainerlaufbahn von Benno Möhlmann zeigt, dass er schon öfter einen Krisenverein ganz nach vorne brachte.

Benno Möhlmann: Seine Laufbahn als Trainer vor dem TSV 1860 München

Seine Coaching-Karriere begann der Niedersachse Benno Möhlmann 1988 beim Hamburger SV als Nachwuchs- und Co-Trainer. 1992 wurde er Nachfolger von Egon Coordes als Cheftrainer. In seinen drei Trainerjahren an der Alster führte er den HSV auf die Tabellenplätze elf, zwölf und 13. Doch 1995 wurde er vom damaligen HSV-Präsidenten Uwe Seeler entlassen (übrigens dessen erste Amtshandlung). Er selbst machte für seinen Rausschmiss gegenüber dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vor allem "Fehler im Umgang mit der Presse" verantwortlich. Ein groben Schnitzer leistete er sich, als er vor Beginn  der Saisonvorbereitung einen Zaun um das HSV-Trainingsgelände bauen ließ, "damit wir mal ungestört Sachen einstudieren konnten". Die Reporter der "Bild"-Zeitung empfanden das als Unverschämtheit. Umgehend folgte die Schlagzeile: "Jetzt dreht Benno ganz durch - Möhlmann sperrt HSV-Fans aus". Diese negative Erfahrung dürfte Benno Möhlmann als Trainer des TSV 1860 München durchaus helfen. In München ist bekanntlich das Medieninteresse an den beiden Fußballvereinen sehr hoch. Wer sich vor den Löwen-Reportern abschottet, hat in der Regel einen schweren Stand. Allerdings gilt Benno Möhlmann heute als sehr auskunftsfreudiger Interviewpartner, der gerne mal druckreife Sprüche raushaut.   

Nach seiner Zeit beim HSV war Benno Möhlmann von 1995 bis 1997 bei den Löwen tätig. Aber nicht beim TSV 1860 München sondern bei den Löwen aus Niedersachsen, wie Eintracht Braunschweig auch bezeichnet wird. Unter seiner Ägide erreichte der Regionalligist zwei Mal hintereinander den zweiten Tabellenplatz. Im Jahr 2000 wechselte Benno Möhlmann zum abstiegesbedrohten Zweitligisten Arminia Bielefeld. In seiner ersten Saison rettete er den Verein, landete auf dem 13. Tabellenplatz. Während seiner vier Trainerjahre bei der Arminia führte er die Ostwestfalen sogar in die Bundesliga. Die Fans des TSV 1860 München würden sich wünschen, dass Benno Möhlmann dieses Kunststück mit den Löwen auch gelingt: Zunächst den Nichtabstieg verhindern, dann rauf in die Bundesliga.

Im Februar 2004 wechselte Benno Möhlmann zum zweiten Mal nach Fürth. Er setzte den Verein im ersten Tabellendrittel der 2. Liga fest. Dreimal hintereinander erreichte Greuther Fürth den fünften Tabellenplatz. Nicht ganz so erfolgreich war Benno Möhlmann bei seiner Rückkehr im Jahr 2007 zu Eintracht Braunschweig. Als der Verein in Abstiegsgefahr geriet, trat Benno Möhlmann zurück. Einen ähnlichen Absturz legte er in der Saison 2008/09 mit Greuther Fürth hin. Dort war für Benno Möhlmann zur Winterpause Endstation. Auch beim FC Ingolstadt hielt er es von 2010 bis 2011 nur gut ein Jahr aus. Erst sicherte er dem Verein den Klassenerhalt, dann ging es bergab. In seiner Zeit als Ingolstadt-Trainer holte Benno Möhlmann übrigens in zwei Spielen gegen den TSV 1860 München jeweils ein 1:1. 

Von 2011 bis 2015 wirkte Benno Möhlmann als Trainer beim FSV Frankfurt. Seine Bilanz dort fällt durchwachsen aus. Einmal holte er mit dem FSV den vierten Tabellenplatz, dreimal den 13. Platz. Einen Spieltag vor Saisonende 14/15 wurde er nach einer Niederlage gegen Union Berlin rausgeworfen.

Benno Möhlmann: Die Fußball-Philosophie des neuen Trainers des TSV 1860 München

Benno Möhlmann steht für konsequenten Offensivfußball. Im Interview mit der tz erklärte er im vergangenen Herbst: "Ich hätte auch nicht die Nerven dafür, dass wir die Bälle nur hinten wegkloppen und jede Woche eine Abwehrschlacht liefern. Der Spaß beginnt doch erst mit Ballbesitz und offensiven Angriffsvarianten." In einem Spiegel"-Gespräch beschrieb Benno Möhmann abermals seine Affinität zum Spiel nach vorne: "Heute stecke ich mehr Arbeit in die Offensivabläufe. Defensive Ordnung ist die Basis, aber der Fußballspaß beginnt mit dem Ballbesitz und offensiven Angriffsvariationen." Man darf gespannt sein, ob das mit dem aktuellen Kader des TSV 1860 München machbar ist. In der Offensive der Löwen hakte es in den vergangenen Spielen gewaltig. Könnte sein, dass Benno Möhlmann diese Baustelle bei Sechzig vorrangig angeht. 

Die "Spiegel"-Leser erfuhren außerdem, dass der Trainer-Routinier im Laufe der Jahre im Umgang mit den Spielern dazulernte: "Zu meiner Zeit als Spieler waren die Trainer Götter, da wurde nicht viel hinterfragt. Das lässt sich mit heute nicht mehr vergleichen." Mittlerweile komme man mit Autorität allein nicht weit: "Du musst mehr erklären und argumentieren als früher. Die Mehrheit der Spieler heutzutage will detaillierte Hintergrundinfos haben, Spieldaten, Zeiten, Videomaterial."

Auf eines können sich die Fans des TSV 1860 München schon mal einstellen: Benno Möhlmann gibt nicht das Geringste auf ihre Meinung. Im Interview mit dem Spiegel betonte er: "Ich habe mir angewöhnt, nicht auf die Anhänger hinter der Bank zu hören. Stellen Sie sich vor, ich würde jedem Wechselwunsch nachkommen - dann denkt das Publikum doch, es kann mir in Zukunft immer reinreden. Auf diese Weise gewinnst du kein Spiel."

Ein Kumpeltyp wie sein Vorgänger Torsten Fröhling ist Benno Möhlmann definitiv nicht. Die Spieler des TSV 1860 München werden sich daran gewöhnen müssen, vom neuen Trainer konsequent mit "Sie" angeredet zu werden. "Das habe ich von Otto Rehhagel übernommen" , erklärte er gegenüber der "Frankfurter Rundschau". "Ich will den Spielern damit auch Anerkennung geben, ihnen signalisieren, dass ich sie als Persönlichkeiten respektiere. Zum anderen ist es für mich auch ein Schutz, dass ich in der direkten Auseinandersetzung nicht beleidigend werde oder in Ausnahmesituationen ausraste." Allerdings räumte er auch ein, dass er zu Ungeduld neige und deswegen auch mal auf den Tisch haue: "Wenn andere Menschen lernunfähig oder resistent sind. Wenn man zu oft dieselben Sachen erklären muss." 

Benno Möhlmann: Nach Sieg über TSV 1860 München wurde er zum Spottobjekt von Stefan Raab

Ausgerechnet nach einem Sieg gegen den TSV 1860 München fing sich Benno Möhlmann den Spott von ProSieben-Star Stefan Raab ein. Nach einem 2:1-Sieg des FSV bei 1860 München ließ Raab bei "TV Total" ein Interview einspielen, in dem Möhlmann erklärte: "Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass wir im Falle eines Aufstiegs im nächsten Jahr wieder absteigen werden." Raab kommentierte giftig: "So motiviert man Spieler!"

Beim TSV 1860 München würden sie allerdings jubeln, wenn Benno Möhlmann überhaupt mal einen möglichen Aufstieg erwähnen würde.

 

fro

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