Froh und munter ins Abstiegs-Gemetzel

Möhlmann zweifelt am 1860-Kurs: "Das fehlt mir"

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„Es werd scho glei dumpa“: Wenigstens beim Singen lieferten die Löwen am Wochenende eine brauchbare Leistung ab.

München - Der zwischenzeitliche Aufschwung ist beim TSV 1860 durch die zwei Heimpleiten in Serie bereits verpufft. Mit dem gegenwärtigen Kader wird die Klasse bei allem Mut kaum zu halten sein.

Viel klarer hätten die Worte und Taten des Cheftrainers nicht ausfallen können. „Das war katas­trophal von der ersten bis zur letzten Minute. Ich kann und werde das nicht tolerieren. Ab jetzt wird es bei uns ein bisschen anders.“ Drei Spieler suspendierte Stefan Effenberg anschließend. Die Paderborner Daniel Brückner, Mahir Saglik und Srdjan Lakic dürfen sich mit sofortiger Wirkung einen neuen Verein suchen. „Wir werden den Kader gezielt umbauen und uns in der Winterpause im Vorgriff auf die neue Spielzeit entsprechend verstärken. Es kommt darauf an, dass wir die Kräfte bündeln und den Abstiegskampf beherzt angehen“, sagte Paderborns Sport-Geschäftsführer Michael Born.

Ankündigungen, die die Anhänger des TSV 1860 von ihrem Verein bislang noch nicht vernommen haben. Zumindest nicht in dieser Beherztheit. Sportchef Oliver Kreuzer, der nach dem verdienten 1:3 (1:1) am Freitag gegen Heidenheim von einem bevorstehenden „Abstiegs-Gemetzel“ sprach, verweist bei konkreten Nachfragen ebenso auf die Geschäftsführung wie Trainer Benno Möhlmann, der am Samstag meinte: „Wenn wir Neuverpflichtungen machen, brauchen wir da einfach Erfahrung. Ich kann nicht versprechen, dass wir alles umsetzen.“

Wie groß das bisschen ausfallen wird, dürfte in erster Linie von Hauptgesellschafter Hasan Ismaik abhängen. Stellt der Jordanier im Rahmen seines angekündigten Besuchs des Pokalspiels gegen Bochum (Mittwoch, 20.30 Uhr) frisches Geld in Aussicht? Oder belässt es der Nicht(mehr)-Investor bei der turnusgemäßen Umwandlung seiner Darlehen in Genussscheine, um einer DFL-Strafe zu entgehen? Am Wochenende waren diesbezüglich keine belastbaren Aussagen zu bekommen. Stand der Dinge ist das Vorwort von Geschäftsführer Markus Rejek im jüngsten Stadionheft: „Unter unserer neuen sportlichen Führung mit Benno Möhlmann und Oliver Kreuzer spüren wir einen deutlichen Aufwind. Unser junges Team profitiert von ihrer Erfahrung sowie der sachlichen und unaufgeregten Art. Das macht Mut und Hoffnung. In diesem Sinne: Lasst uns die bevorstehenden Aufgaben mutig angehen.“

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Die Krux an der Sache: Mit dem gegenwärtigen Kader inklusive einigen Lazarett-Rückkehrern wie Valdet Rama, Dominik Stahl und Kai Bülow wird die Klasse bei allem Mut kaum zu halten sein. Diese Erkenntnis hat sich inzwischen auch bei Möhlmann verfestigt. „Ich habe gehofft, dass wir uns vielleicht in den beiden vergangenen Heimspielen von den direkten Abstiegsplätzen befreien können“, sagte der 61-Jährige nach dem technischen und taktischen Offenbarungseid gegen Heidenheim. „Wir müssen auf dem Platz enger zusammenrücken. Da muss man sehen, das ist ein Team, das mit allem, was ihm zur Verfügung steht, die Liga halten will. Und das fehlt mir.“

Einstweilen bleibt den Fans der Sechziger also nur die Hoffnung, dass sich das Punktekonto in den verbleibenden 16 Spielen auf wundersame Weise verzweieinhalbfachen möge. 36 Zähler und das bessere Torverhältnis gegenüber Erzgebirge Aue reichten den Blauen in der vergangenen Saison zur Relegations-Teilnahme. Für nächstes Jahr mehr zu erwarten wäre in der gegenwärtigen Lage anmaßend. Immerhin verlief das samstägliche Adventssingen im Grünwalder Stadion friedlich. „Lasst uns froh und munter sein“, schmetterten Fans und Spieler gemeinsam. Selbstironie hat noch niemandem geschadet.

lk

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