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Winkler und Miller: Klartext reden mit Ismaik - Grünwalder als Vorzeigeprojekt?

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Von: Uli Kellner

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Steht für 1. Liga: Bernhard Winkler, einst Torjäger vom Dienst bei 1860.
Steht für 1. Liga: Bernhard Winkler, einst Torjäger vom Dienst bei 1860. © MIS / Renate Feil/M.i.S.

Die Ex-Löwen Bernahrd Winkler und Thomas Miller engagieren sich für das Team Profifußball – als Opposition zum Präsidium um Präsident Reisinger. Das Doppel-Interview.

München – Die schönsten Tore aus Erstligazeiten flimmerten in der Isarpost über die Leinwand, aus den Boxen dröhnte „Stark wie noch nie“ – und Thomas Miller, 55, sagte mit leicht nostalgischem Unterton: „Das war unser Lied damals.“ Richtig. Es war der Ohrwurm der letzten erfolgreichen Dekade des TSV 1860, die noch einer der Helden von einst zurücksehnt: Bernhard Winkler, 52. Weil er mit dem Ist-Zustand unzufrieden ist, hat sich der frühere Torjäger auf die Liste einer Gruppierung setzen lassen, die sich „Team Profifußball“ nennt, am Dienstag am Sendlinger Tor jede Menge weißblaue Prominenz einlud und bei der Mitgliederversammlung am Sonntag (10 Uhr, Zenith) möglichst viele Kandidaten in den Verwaltungsrat bringen möchte. Auch Miller hat sich deshalb Zeit genommen, wenngleich er sagt: „Ich stehe für gar niemanden, nur für mich selbst.“

Unser Doppelinterview mit dem Stürmerstar und dem Abwehrrecken („Tho-mas Mil-ler Fußballgott!“) der 90er-Jahre.

Winkler: „Fanspaltung ist ein wichtiges Thema, dagegen muss man was tun“

Herr Winkler, was erwarten oder erhoffen Sie sich von der Mitgliederversammlung am Sonntag?

Winkler: Ich erwarte eigentlich nur, dass es eine faire Versammlung wird – weil ich vom Hörensagen mitbekommen habe, dass das letztes Jahr nicht unbedingt der Fall war. Da wurde angeblich Rednern der Saft abgedreht, andere kamen gar nicht zu Wort. Ich hoffe, dass alle Kandidaten gleich behandelt werden und die Möglichkeit bekommen, sich vorzustellen.

Sie selber kandidieren ja auch für den neuen Verwaltungsrat. Was ist der Grund? Was schreibt sich Ihr Team auf die Fahne?

Winkler: Wir stehen für ein Miteinander zwischen den beiden Gesellschaftern. Dass gemeinsame Ziele verfolgt werden. Das ist mal das Wichtigste. Und was mich persönlich betrifft: Ich kenne Sechzig eigentlich nur in der Ersten Liga. Mein Ansporn ist mitzuhelfen, vielleicht wieder dorthin zu gelangen. Mein Gott, ich komme aus dem Sport, habe 15 Jahre beim Verein verbracht, neun davon als Spieler. Ich kenne 1860 von innen – und von außen. Mir liegt die Jugendarbeit am Herzen. Auch die Fanspaltung ist ein wichtiges Thema. Dagegen muss man was tun.

Und Sie, Herr Miller, was ist Ihre Rolle?

Miller: Mein Hauptanliegen ist, dass endlich wieder alle an einem Strang ziehen. Nur dann sind wir stark. Wenn permanent gegeneinander gearbeitet wird, dann wirst du nie erfolgreich sein.

Miller: „Mir geht es nur um den Verein“

Sie beraten das Team Profifußball sozusagen.

Miller: Das nicht, aber es weiß ja jeder, dass ich eigentlich mit allen gut auskomme – ob das jetzt der Präsident ist (Robert Reisinger) oder Bernhards Team. Mir geht’s nur um den Verein. Dass wir erfolgreich sind – und eine gute Außendarstellung haben. Bei jedem guten Verein dringt nichts nach außen – so wie letzte Saison. Da war weitgehend Ruhe, prompt warst du erfolgreich. Ganz anderes die Jahre davor, wo ja von jeder Brücke quergeschossen wurde. Das geht einfach nicht.

Vermutlich hat man Sie auch gefragt, ob Sie sich als Verwaltungsrat aufstellen würden ...

Miller: Seit 20 Jahren werde ich gefragt! Aber ich brauche keinen Posten. Wenn mich jemand anspricht, dann sage ich meine Meinung. Ein guter Austausch ist zum Beispiel ganz wichtig, der muss aber intern stattfinden – auch wenn’s der Presse vielleicht nicht schmeckt. Aber nur so wirst du erfolgreich. Und eine gesunde Mischung im Verwaltungsrat, die schadet da auch ganz sicher nicht.

Beliebt wie eh und je: Thomas Miller, von den Fans Fußballgott getauft.
Beliebt wie eh und je: Thomas Miller, von den Fans Fußballgott getauft. © imago/Bernd Müller

Winkler: „Für meinen Geschmack ist Hasan Ismaik zu stark attackiert worden“

Wo sich eine Opposition formiert, regt sich meist Kritik an den Regierenden, das ist in diesem Fall das Präsidium Reisinger. Was sind Ihre Kritikpunkte, Herr Winkler?

Winkler: Es geht doch alles in eine Richtung. Für meinen Geschmack ist Hasan Ismaik zu stark attackiert worden. Wir sind uns alle einig, dass er viele Fehler gemacht hat, aber einer alleine ist nie verantwortlich. Von zehn Entscheidungen in diesem Verein waren neun falsch – da sollte man unbedingt schauen, dass man die Trefferquote erhöht. Ich sehe es auch so wie Thomas: Es darf nicht sein, dass in so einem wichtigen Gremium alle die gleiche Meinung vertreten. Sie haben alles versucht, damit Ismaik das Handtuch wirft. Das ist nicht geschehen. Unsere Meinung ist, dass man mit dem Mann vernünftig reden muss.

Das haben schon viele bei 1860 versucht – mit unterschiedlichsten Methoden. Was spricht dafür, dass das Team Profifußball das besser hinkriegt?

Winkler: Das sind alles erfolgreiche Unternehmer, die sich da zur Wahl stellen – von denen will keiner das Amt benutzen, um bekannt zu werden, wie wir das häufig bei 1860 hatten. Ich denke, dass Leute wie Klaus Ruhdorfer auf Augenhöhe mit Ismaik sprechen können, weil sie auch alle erfolgreich im Ausland tätig sind.

Miller: Es stimmt schon. An Ismaik sind alle gescheitert, es hat nichts funktioniert. Ich frage mich aber auch, was der für Berater gehabt hat. Ich denke, du musst Klartext mit ihm reden, ihm klarmachen, dass man im Dezember schon das Team für die neue Saison planen und finanzieren muss. Das ist Profifußball!

Miller: „Momentan würde ich auch eher kein Darlehen von Ismaik nehmen, aber ...“

Der größte Pflock, den das Präsidium Reisinger reingehauen hat, ist: Keine neuen Darlehen bei Ismaik. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Winkler: Meine Meinung ist, dass jetzt doch wieder Gelder von Ismaik genommen wurden – auch wenn es offiziell auf Genussrecht-Basis war.

Miller: Momentan würde ich auch eher kein Darlehen von Ismaik nehmen, aber er kann ja als Sponsor einsteigen. Es geht doch darum, dass man sich Schritt für Schritt weiterentwickelt. Ich bin für einen selbstbewussten Verein, aber nicht für 100 Prozent strikt gegen Ismaik.

Das Grünwalder Stadion bietet in der 3. Liga Platz für 15.000 Fans.
Das Grünwalder Stadion bietet in der 3. Liga Platz für 15.000 Fans. © Sigi Jantz

Nächstes Thema: die Stadionfrage.

Winkler: Wenn wir das Okay bekommen, dass man das Stadion für 30.000 ausbauen darf, dann ist da absolut jeder dafür! Fakt ist aber: Es ist ein Städtisches Stadion, und ich weiß nicht, ob die noch mal mit sich reden lassen. Langer Atem schön und gut, aber du musst die 3. Liga auch finanzieren, und das geht momentan schwer in diesem Stadion. Am Ende brauchst du dann wieder den Ismaik. Das ist für mich alles ein bisschen zu kurzfristig gedacht.

Miller: Am Montag ist ja der freie Kartenverkauf gestartet – da sind die Leute angeblich ab 3 Uhr vor der Tür gelegen. Wir brauchen definitiv mehr Plätze. Ich frage mich, warum man sich nicht zu einem Vorzeigeprojekt durchringt? Schlagwort: „Öko-Stadion“. Öko ist in, damit erreichst du hierzulande alles. Das wäre doch eine super Sache: 1860 und die Stadt München schaffen das erste Ökostadion Deutschlands. Und ein paar Solarzellen sind schnell aufs Dach montiert. London, Madrid – da stehen viel größere Stadion mitten in der Stadt. Die öffentliche Anbindung ist ja schon da. In Fröttmaning hast du Parkplätze für 10.000 Leute und die stehen an 13 von 14 Tagen leer. So ein Vorzeigestadion würde das ganze Viertel aufwerten.

Veränderungen im 1860-Stadion: So sieht das Grünwalder Stadion nach dem Umbau aus

Winkler: „Was mir fehlt, ist ein Plan für die nächsten Jahre“

Im Grunde ist die Rückkehr nach Giesing ja ein Verdienst des aktuellen Präsidiums, das auch sonst ein paar Erfolge vorzuweisen hat: Vor einem Jahr lag der Verein am Boden – jetzt ist man in der 3. Liga und hat zum ersten Mal seit Jahren rechtzeitig Transfers hinbekommen.

Winker: Das muss man differenzieren. Den Aufstieg hat Daniel Bierofka geschafft – niemand sonst. Eine Mannschaft war auch da, ebenso Sponsoren. Und es war auch Glück dabei: Saarbrücken war zweimal die bessere Mannschaft. Dazu kommt: 18 Heimspiele, 18 Mal Sonne. Ich kann mich noch an Spiele auf Schnee und Matsch erinnern – da war lange nicht so eine gute Stimmung im Grünwalder. Was mir fehlt, ist ein Plan für die nächsten Jahre. Die 3. Liga ist kein Selbstläufer, gerade finanziell. Das hat mir auch Manni Schwabl versichert (der Präsident der SpVgg Unterhaching). Ich weiß nicht, ob wir die Zeit bekommen, drei, vier Jahre in der 3. Liga zu spielen und dann mal eben aufzusteigen.

Abschließende Frage, Herr Winkler: Für was steht das Team Profifußball in zwei, drei Schlagworten?

Winkler: Wir stehen für ein Miteinander, für eine erfolgreiche, dauerhafte Zukunft im Profifußball. Es braucht auch keiner was zu befürchten. Das Präsidium ist ja bis 2019 gewählt. Wir würden mit ihm zusammenarbeiten – egal, wer da reinkommt.

Interview: Uli Kellner

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