Nächster Löwen-Gegner

Effenberg attackiert vor 1860-Spiel Medien

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Stefan Effenberg coacht seit sechs Wochen den SC Paderborn.

Paderborn - Am Samstag kämpft der TSV 1860 im Abstiegsduell gegen den SC Paderborn. Bei den Ostwestfalen sitzt der Ex-Bayern-Spieler Stefan Effenberg auf der Bank, der seine erste Trainerstation durchwachsen erlebt.

Wenn beim SC Paderborn der Medienraum voll ist, also so richtig voll, dann ist das eher ein Ausnahmezustand. Dreimal kam das bislang vor. Im Januar 2005 beim Schiedsrichterskandal um Robert Hoyzer. Im Sommer 2014 beim überraschenden Aufstieg des SCP. Und vor zirka sechs Wochen. Einige Medienvertreter reisten an jenem Mittwoch im Oktober an, weil sie an einen Werbegag des Zweitligisten glaubten. Stefan Effenberg, der neue Trainer, hatte also ein gutes Gespür, als er sein erstes Statement an neuer Wirkungsstätte mit den Worten begann: „Ich bin es wirklich!“

In den Tagen danach erlebte er Ähnliches. Beim Shampoo-Kauf im Drogeriemarkt Rossmann zum Beispiel. Auch dort klärte er mit diesem Satz Mitmenschen auf, die mit ihm in der Schlange an der Kasse standen. Paderborn war nach dem Abstieg mit einem kaum erwarteten Umbruch und einem stotternden Start in die 2. Liga plötzlich wieder in aller Munde.

In der Domstadt interessierten sich von einer Sekunde auf die andere auch diejenigen wieder für den Sport-Club, die sich nach dem Abstieg abgewandt hatten. Eigentlich aber galt deren Interesse mehr den Effenbergs. Ein Reitsportpräsident brachte das treffend zum Ausdruck: „Das Turnier ist bisher gut gelaufen. Die Tiere haben gar nicht groß gestört.“

Ergebnissen schienen zunächst zweitrangig

Claudia Effenberg.

Genau so erging es dem SC Paderborn im Oktober. Die Ergebnisse schienen plötzlich zweitrangig zu sein. Gefragt wurde: Kommt auch Claudia Effenberg nach Paderborn? Wo wird das Paar wohnen? Klatsch und Tratsch halt. Angestoßen durch Medien, die sonst eher selten über die Ostwestfalen berichten. Der SCP in der Regenbogenpresse. Das hatte es auch noch nicht gegeben. Nach den ersten Wochen fragte ein auswärtiger Journalist, wie sich die Effenbergs denn in Paderborn eingelebt hätten? „Gut“, antwortete der frühere Münchner, um eine Gegenfrage zu stellen: „Haben Sie sich etwa Sorgen gemacht, ich könnte hier nach drei Wochen wieder abhauen?“

Warum sollte er? Der einstige Nationalspieler hat beim kleinen SCP ein Umfeld gefunden, wo er „endlich wieder diesen Geruch von Fußballrasen und Kabinenmief“ genießen darf. Hier will er beweisen, dass er auch seriös als Trainer arbeiten kann.

Der Effenberg-Effekt verpufft

Nach zwei Siegen, einer Pokalniederlage in Dortmund, zwei Punkteteilungen und einer 1:4-Watschn in Freiburg ist Effenberg im Fußballalltag angekommen. Auch der SC Paderborn und die Stadt an der Pader mit ihren Menschen finden allmählich zurück in den Normalmodus. Die Effenbergs wohnen mittlerweile ländlich. Was für den 47-Jährigen ja nichts völlig Neues ist, denn zu Effenbergs Gladbacher Zeit lebte er in Niederkrüchten an der Grenze zu Holland, einem 15 000 Einwohner zählenden Ort, der wie Paderborn eher als provinziell angesehen wird.

Für das einstige Enfant terrible stellen solche Umgebungen – für viele überraschend – einen echten Wohlfühlfaktor dar. „Was denken die Leute denn, dass es hier nichts zu essen und zu trinken gibt?“ Diesen Satz richtete er an Menschen, die sich Effenberg und Paderborn weiterhin nicht vorstellen können.

Effenberg attackiert Medien

Aber es funktioniert. Mit jedem Tag wird alles normaler. Wäre da nicht das Sportliche, das zum Ende der Hinrunde doch Sorgen bereitet, denn auch mit Effenberg belegt Paderborn Tabellenplatz 15. Und am Samstag kommen die aufstrebenden Löwen.

Ex-Löwe Moritz Stoppelkampf.

Bissig wie ein Tiger präsentierte sich Effenberg am Tag vor dem Spiel. Der Bericht eines Boulevardblatts hatte ihn wütend gemacht und das bekamen alle beim Pressetermin zu spüren. Einem Stakkato aus schmallippigen Antworten ließ er eine Erklärung „in eigener Sache“ folgen. Seiner Mannschaft zu unterstellen, sie trainiere lustlos, sei „eine Frechheit“, wetterte er. „Indirekt“ gehe so etwas auch gegen ihn: „So etwas schreibt man nicht, weil es nicht der Wahrheit entspricht.“ Seinen legendären Gruß an die „Freunde der Sonne“ sparte er sich, doch die Szene zeigt: Effenberg lernt gerade die Schattenseiten seines neuen Berufs kennen. Er ist jetzt voll drin im Trainergeschäft.

von Hartmut Kleimann

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