Nur einer von fünf erfüllte die Erwartungen

Die bittere Bilanz der Löwen-Trainer-Nobodys

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Von unten nach oben geholt – und rausgeschmissen: So ging es beim TSV 1860 Reiner Maurer (Foto, 2x),­ Marco Kurz, Uwe Wolf,  Alexander Schmidt und Markus von Ahlen´.

München - Respekt! Den Glauben verliert man beim TSV 1860 nicht. Den Glauben daran nämlich, dass man mit einem im Profibereich unerfahrenen Nobody als Trainer seine Ziele erreicht.

Fünfmal hat man es in den vergangenen zehn Jahren mit einer Lösung aus dem eigenen Stall – Co-Trainer oder Coach der zweiten Mannschaft – versucht, nur einer erfüllte annähernd die Erwartungen, die damals noch Aufstieg in die Erste Liga hießen: Reiner Maurer: Er übernahm im Dezember 2004 die Mannschaft von Rudi Bommer als Tabellenachter und führte sie am Saisonende noch bis auf Rang vier. Im Januar 2006 wurde Maurer ebenfalls auf Platz vier liegend entlassen. Sein Punkteschnitt damals 1,75 in 39 Spielen.

Die Ansprüche an Torsten Fröhling sind jetzt weitaus niedriger, was den Tabellenplatz betrifft, aber wahrscheinlich um einiges schwerer. Fünfzehnter soll er werden, den Abstieg vermeiden. Und das ohne Erfahrung im Profibereich, in einem Umfeld, in dem es an allen Ecken und Enden kracht dank einer ein erbärmliches Bild abgebenden Vereinsführung und mit einer Mannschaft, die – wen wundert’s? – kein Selbstvertrauen besitzt und seit sieben Spielen sieglos ist. Und das alles im Wissen, dass er nur ins Amt gehievt wurde, weil Investor Hasan Ismaik einen erfahrenen Trainer offenbar nicht mehr finanzieren wollte.

Dass Sportchef Gerhard Poschner nach Fröhlings Installation wieder blumige Worte fand („Wir sind davon überzeugt, dass wir mit ihm diese Situation bis zum Saisonende meistern werden“) – was soll’s? Das klang vor ein paar Monaten in Sachen von Ahlen nicht anders.

Schon einmal ging es übrigens schief, als ein unerfahrener Coach die Löwen vor dem Abstieg retten sollte: 2003/04 in der Ersten Liga. Fünf Spieltage vor Schluss übernahm Gerald Vanenburg die Löwen auf Tabellenplatz fünfzehn, holte aber nur noch zwei Punkte aus den restlichen fünf Spielen und stieg ab. Dem Holländer nützte es nichts, dass er als Spieler grandiose Leistungen im Dress der Löwen gebracht hatte und als absoluter Publikumsliebling galt. Als Cheftrainer war er überfordert damit, eine Mannschaft, die mit den Nerven am Ende war, nochmal auf Vordermann zu bringen.

Alle Löwen-Trainer seit Werner Lorant

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Fröhling hat noch acht Spiele mehr, um zu retten, was zu retten ist. „Die Qualität ist da“, sagt er über den Spielerkader. Ob er sie jetzt wieder zum Vorschein bringen kann – abwarten.

Seine Vorgänger, die aus der vereinseigenen zweiten Reihe an die Profifront durften, spielen derzeit im Profifußball keine Rolle mehr. Hier nur zur Erinnerung nochmal ihre Bilanzen.

Reiner Maurer (5.12.2004 – 22.1.2006): Punkteschnitt: 1,75. Als Tabellenvierter entlassen.

Uwe Wolf (25.2. – 13.6. 2009): Zwei Siege aus elf Spielen, Punkteschnitt: 1,09. Als Tabellenzwölfter entlassen.

Marco Kurz (19.3. 2007 – 24.2.2009): Punkteschnitt: 1,36. Als Tabellenzwölfter entlassen.

Alexander Schmidt (18.11.2012 – 7.9.2013): Punkteschnitt: 1,46. Als Tabellensechster entlassen.

Markus von Ahlen (24.9.2014 – 17.2.2015): Punkteschnitt: 0,86. Als Tabellensechzehnter entlassen.

tz

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