Lieberknecht im tz-Interview

Braunschweig-Coach: Was mich bei Sechzig wundert

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Torsten Lieberknecht stieg mit Braunschweig in die Bundesliga auf und auch wieder ab.

München - Eintracht Braunschweig kommt am Sonntag in die Allianz Arena. Wir sprachen vor dem Duell zwischen 1860 und dem Bundesliga-Absteiger mit dem Gästetrainer Torsten Lieberknecht.

Seit 2008 ist Torsten Lieberknecht Profi-Trainer bei Eintracht Braunschweig, eine Konstante, an der nach dem Abstieg aus der Bundesliga nicht gerüttelt wurde. Auch der bescheidene Start in Liga zwei versetzt niemanden in Panik. Die Braunschweiger Löwen – der Gegenentwurf zu den Münchnern.

Herr Lieberknecht, elf Punkte nach zehn Spieltagen, Platz elf – die Erwartungen bei der Eintracht sahen sicher anders aus, oder?

Lieberknecht: Das ist dieser Pawlowsche Reflex, dass man meint, ein Absteiger müsse eine Klasse tiefer sofort wieder den Aufstieg schaffen. Dagegen kannst du wenig machen. Wir waren vor einem Jahr kein Aufsteiger, der gleich alles gewinnt, und sind jetzt kein Absteiger, der sofort Favorit ist.

Aber zufrieden mit der jetzigen Situation sind Sie doch sicher nicht.

Lieberknecht: Was uns alle nervt, ist die Tatsache, dass wir auswärts erst einen Punkt geholt haben. Da muss sich wieder was tun.

Kommen da die angeschlagenen Sechziger gerade recht? Werden Sie ihnen noch mehr wehtun?

Lieberknecht: Bevor wir anderen weh tun, müssen wir erst mal danach trachten, uns selbst zu sänftigen.

Haben Sie das Spiel in Aue verfolgt?

Lieberknecht: Ja.

Und?

Lieberknecht: Mich hat am meisten gewundert, dass die Sechziger nach dem 0:1, das aus einer klaren Abseitsstellung hervorging, überhaupt nicht protestiert haben. Was danach kam, kennt man von Aue. Da geht es dann mit viel Leidenschaft zur Sache.

Wie will es Braunschweig am Sonntag angehen?

Lieberknecht: Wir werden auswärts mal was anderes versuchen als bisher. Um dadurch die vielen individuellen Fehler, die es bisher gab, zu vermeiden.

Sie gelten als großer Anhänger der Traditionsvereine, auch für die englischen haben Sie ein Faible. Da müssten Sie 1860 eigentlich auch ganz gerne mögen, oder?

Lieberknecht: Natürlich! Traditionsklubs strahlen einen ganz besonderen Reiz aus – da gehört auch 1860 dazu. Es ist ein toller Verein, dem man einfach mehr wünschen würde.

Bei Traditionsvereinen kommt traditionell schnell Unruhe auf. Bei 1860 gab es seit dem Rücktritt von Karl-Heinz Wildmoser 2004 sieben Präsidenten, Markus von Ahlen ist der 14. Trainer seit Werner Lorant. In Braunschweig herrscht in dieser Beziehung Ruhe…

Lieberknecht: Wir sind ein anderer Verein – geworden. Eben weil es auch in der Vergangenheit viele Dinge gegeben hat, die den Verein erschüttert haben. Ich kann mich erinnern, dass ich als Spieler bei der Eintracht mal in einer Saison fünf Trainer erlebt habe.

Ihr Vertrag wurde im Frühjahr verlängert, obwohl sich der Verein in Abstiegsgefahr befand.

Lieberknecht: Das lag daran, dass ich mir Vertrauen erarbeitet habe. Die drei Aufstiege unter mir sind eben nicht vergessen. Und man traut mir zu, dass ich diesen Traditionsverein gut weiterführen werde. Aber natürlich war diese Vertragsverlängerung kein normaler Vorgang in der Bundesliga.

Sie sind geblieben, wichtige Spieler wie Bellarabi, Kumbela oder Bicakcic gegangen. Auch ein Grund für die Startprobleme?

Lieberknecht: Würde ich so nicht sagen. Es waren ja Abgänge, mit denen wir gerechnet und die wir gut ersetzt haben. Wir müssen uns jetzt nach einem aufregenden Erstligajahr einfach wieder stabilisieren.

Bemerkenswert war im Abstiegsjahr die positive Begleitung der Fans. Jetzt, nach dem 2:2 gegen Fürth gab es „Trainer raus“-Rufe.

Lieberknecht: Die Tribüne ist sehr nah an der Trainerbank, und da gab es vereinzelt solche Rufe. Aber ansonsten hat sich die Stimmungslage nicht geändert. Die Fans stehen voll hinter uns, und das Stadion ist fast immer ausverkauft.

Interview: tz

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