Geht 1860 jetzt unter?

München - Was bedeutet das Catering-Urteil für den TSV 1860 München? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Das sagen die Löwen

1860 verliert Catering-Prozess

Die Verträge seien von Geschäftsleuten geschlossen worden, und der TSV 1860 habe sich „freiwillig in die Abhängigkeit begeben“. Die Quintessenz der dreiminütigen mündlichen Urteilsverkündung, so die Richterin: „Der TSV 1860 ist selbst schuld.“ Doch was bedeutet dieses Urteil für die Löwen, die Bayern, die Arena und eine Rückkehr ins Olympiastadion? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Ist das Urteil endgültig? Nein. Löwen-Anwalt Dr. Marc Weßling sagte zur tz: „Wir werden das Urteil genau prüfen. Berufung muss erwogen werden.“ Zudem läuft noch die Klage des TSV 1860 gegen den Vertrag, mit dem 2006 die Gesellschaftsanteile der Löwen an die Bayern übergingen. Die Löwen halten die Verkaufssumme von rund elf Millionen für nicht angemessen.

Welche Alternativen hätte 1860 gehabt? Dazu liefert die schriftliche Urteilsbegründung Klartext. „Als sich der TSV in den Jahren 2005 und 2006 durch den Stadionüberlassungsvertrag an die Klägerin gebunden habe, standen mit dem Olympiastadion und dem Stadion in Unterhaching mindestens zwei weitere bundesligataugliche Stadien im Großraum München zur Verfügung. Dass sich die beiden Vereine in freier unternehmerischer Entscheidung schon im Zuge der Planungen der Arena gegenüber der Stadt München verpflichtet hatten, im Olympiastadion keine Spiele mehr auszutragen, ändere an der Bundesligatauglichkeit des Olympiastadions aus kartellrechtlicher Sicht nichts.“ Ferner: „Die tatsächlichen Machtverhältnisse bei der Klägerin – hier der klamme TSV, dort der geldige FC Bayern – seien gesellschafts­immanent, kartellrechtlich aber ohne Bedeutung.“

Geht 1860 in der Arena unter? Als mittelmäßiger Zweitligist bei bestehenden Konditionen (der Catering-Vertrag läuft bis 2025) hat 1860 in der Arena eher keine Zukunft. Stand jetzt fahren die Löwen pro laufender Saison durch das Stadion drei Millionen Euro minus ein. Aufstieg oder Insolvenz – das sind die Alternativen in der Arena.

Zu welchen Konditionen würde der FC Bayern die Löwen aus der Arena lassen? „Wenn uns der TSV 1860 bitten sollte, aus dem jetzigen Vertrag auszusteigen, dann werde ich die Kapelle, die die Sechziger aus dem Stadion begleitet, persönlich mit dem Defiliermarsch anführen“, so Uli Hoeneß im Februar. Allerdings hatte Karl-Heinz Rummenigge Ende 2008 von einem „zweistelligen Millionenbetrag“ gesprochen, der im Auszugsfall von den Löwen gezahlt werden müsse. Am MIttwoch deutete der Bayern-Boss Gesprächsbereitschaft an, Summen nannte er nicht.

Wer hat auf Löwen-Seite die Verträge ausgehandelt? Dass der als Partner abgeschlossene Catering-Vertrag als Mieter weiterlief, dafür zeichnete Ex-Geschäftsführer Stefan Ziffzer verantwortlich.

Ist die laufende Löwen-Saison von diesem Urteil betroffen? Bedingt. Die Lizenz hat der TSV 1860 erhalten, allerdings sagte Reiner Maurer, dass ein positives Urteil „mehr Planungssicherheit“ bringen würde. Hätte im Klartext bedeutet: Geld für Verstärkungen. So fließt die Ablöse für José Holebas (550 000 Euro) direkt weiter an die Stadiongesellschaft.

Rückkehr ins Olympiastadion oder Rückkehr ins Grünwalder – was ist realistischer? Die Rückkehr ins Olympiastadion! Laut bestehender Verträge darf dort bis 2090 kein Profifußball gespielt werden. Im Gegenzug dürfen in der Allianz Arena keine Konzerte stattfinden. So wird eine Konkurrenzsituation verhindert. „Es ist möglich, dass man neu verhandelt“, sagte Richterin Waitzinger. Das Thema Grünwalder dagegen ist wohl für immer durch. Aber: Es wird noch viel geredet in Sachen 1860 und Stadion…

 

bb., cm.

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