Jugendcup mit TSV 1860 in Kitzbühel

Cordinal Cup mit Spitzenteams entstand aus Idee an der Hotelbar

Spielt hier der nächste Messi? Die U11 des FC Barcelona begeisterte beim Cordial Cup Zuschauer und Experten. FOTO: HÜBNER „Die wahren VIPssind für michdie Kids“Auch Alaba und Müller habenhier gespielt

Wie alles angefangen hat? Natürlich an der Theke. Dort entstehen die verrücktesten Ideen, selten aber so gute wie die des Hans Grübler.

Als der Franke, der ein paar entspannte Tage in Tirol verbringen wollte, den Direktor seines Hotels klagen hörte, wie schwierig es sei, das Haus auch außerhalb der Skisaison voll zu bekommen, brachte er ein Fußballturnier ins Spiel. „Jugend geht immer“, weiß der Mann, der, wie er sagt, „Fußball lebt“. Manager ist er gewesen bei Quelle Fürth und in Feucht, große Namen einst in Bayerns Amateurfußball. Im Laufe der Nacht wurde aus der Schnapsidee mehr und mehr ein konkreter Plan, um drei Uhr morgens war man sich einig, auch ein Name war schnell gefunden: Cordial Cup, schließlich war Grübler Gast in einem Cordial Hotel.

An Pfingsten wurde nun das Turnier zum 22. Mal ausgetragen, die 166 Mannschaften und ihr Anhang füllten 95 Hotels der Region um Kitzbühel, fast 650 Spiele wurden an den beiden Turniertagen an zwölf verschiedenen Spielorten absolviert, schon das eine logistische Meisterleistung. Davor gab es bereits 35 Qualifikations-Turniere in acht Ländern, insgesamt wollten diesmal 759 Mannschaften aus aller Welt zu diesem Mega-Event des Jugendfußballs nach Tirol. Sogar aus Hongkong sind sie gekommen, aus Japan, den USA und dem Iran. Und, darauf ist Grübler besonders stolz, zum zweiten Mal war auch der FC Barcelona dabei.

Das zeigt, welche Entwicklung das Turnier genommen hat. „Das war so nie und nimmer abzusehen“, erinnert sich Grübler an die einst bescheidenen Anfänge mit 16 Mannschaften im Jahr 1998 in Kirchberg. Heute ist der Sportpromoter das ganze Jahr über hauptberuflich für den Cordial Cup im Einsatz, „anders ginge es nicht mehr“.

Schon im Spätsommer beginnen die ersten Quali-Turniere, die 2007 wegen der großen Nachfrage eingeführt werden mussten, dann ist Grübler unterwegs, von einem Hotel zum anderen, um die besten Voraussetzungen für die nächste Auflage zu schaffen. Die Mannschaften aus Hongkong oder Japan kommen meist schon eine Woche vorher, absolvieren ein Trainingslager in Tirol, genießen ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm und machen Testspiele gegen deutsche und österreichische Teams wie die SpVgg Unterhaching, 1860 oder Red Bull Salzburg. „Es ist schon verrückt, welche Strapazen manche Clubs auf sich nehmen, um bei uns dabei sein zu können.“

Das Schönste am Cordial Cup ist für Grübler Jahr für Jahr die feierliche Eröffnung in Kirchberg, der Geburtsstätte des Turniers. Vom Dorfplatz ziehen die Teilnehmer ins Stadion, „das ist eine so schöne Stimmung, da gibt es keine Ressentiments, keine Unterschiede zwischen Buben und Mädels, zwischen Nationalitäten, Kulturen, Religionen, das sind einfach nur wunderbare junge Menschen“. Schon viele Promis hat Grübler beim Cordial Cup begrüßt, Matthias Sammer, Andy Köpke, Roy Makaay, der frühere HSV-Profi Mehdi Mahdavikia kommt jedes Jahr mit der KIA Football Academy aus dem Iran, doch „die wahren VIPs“, sagt Grübler, „sind für mich die Kids.“

Seine Augen leuchten, als er beim Finale der U11 die Buben des FC Barcelona zaubern sieht, 4:0 schlagen sie ihre Altersgenossen aus Salzburg und bei dem einen oder anderen im rot-blau gestreiften Trikot kann man sich mit etwas Fantasie schon vorstellen, dass das mal ein Nachfolger werden könnte für Lionel Messi. „Sensationell was die spielen“, findet auch Michi Baur, ein früherer österreichischer Nationalspieler. Die Überlegenheit der Katalanen musste beim 0:3 auch die SpVgg Unterhaching anerkennen, seit Jahren Stammgast in Tirol. „Für meine Jungs war das Spiel gegen Barcelona das absolute Highlight“, so Trainer Jonas Schreiber, der mit Platz elf unter 48 Teams am Ende sehr zufrieden sein konnte.

Dass der FC Barcelona zwei Jahre nach seinem Premiere-Auftritt in Tirol diesmal wieder dabei war, macht Grübler stolz: „Das zeigt, welche Wertschätzung das Turnier genießt.“ Und welch gute Kontakte Grübler hat, selbst in die Akademie des FC Barcelona. Im letzten Jahr halfen auch die nichts, Pfingsten war zu früh, da mussten die Kids noch in die Schule. „Aber sie haben ihr Versprechen gehalten, dass sie wiederkommen, wenn es schulisch in den Plan passt.“

Ganz unwahrscheinlich ist es nicht, dass man in ein paar Jahren viel von David Juan Gonzalez hören wird, der zum besten Spieler des Turniers bei der U11 gewählt wurde. Schon so mancher spätere Star ist als Jugendlicher beim Cordial Cup aufgefallen, David Alaba zum Beispiel, damals mit Austria Wien in Tirol. Sami Khedira hat hier mit dem VfB Stuttgart gespielt, Thomas Müller mit den Bayern, die diesmal fehlten, „aber bestimmt bald wieder dabei sind“, da ist sich Grübler sicher. Wer sich mit Top-Teams messen will, der muss halt zum Cordial Cup.

Die Münchner Löwen waren mit ihrer U11 dabei, scheiterten im Halbfinale erst im Achtmeterschießen an Barcelona. Die SpVgg Unterhaching kam wie immer mit drei Mannschaften, der U11, der U13 und U15, die U15 war sogar als Titelverteidiger angereist, hatte diesmal aber das Pech, im Achtelfinale im Elfmeterschießen gegen Astoria Walldorf auszuscheiden. Im Finale in Hopfgarten aber war man dann doch vertreten, Manni Schwabl, Präsident und guter Freund Grüblers, führte den Ehrenanstoß aus, Marc Unterberger, Trainer des letztjährigen Siegers, überreichte den neuen Pokal an Grass-hoppers Zürich. Der alte bleibt in Unterhaching, den gibt man nicht mehr her.

Stolz waren sie am Ende alle nach dem großen Finale. Und zufrieden. Vor allem die Vertreter der Tiroler Tourismusbehörden. „Für uns ist der Cordial Cup immer der Start in den Bergsommer“, Florian Phleps, Geschäftsführer der Tirol Werbung, ist sich sicher, dass viele der Besucher, die ihre Kinder hierher begleitet haben, wiederkommen werden. Zum Urlaub in den Kitzbüheler Alpen. Und dankbar sind sie vor allem dem Hans Grübler, dass der damals an der Hotelbar in Kirchberg diese grandiose Idee mit dem Jugendturnier hatte. Als der Franke, der längst Tiroler h.c. sein dürfte, am Ende die Sieger nennt, vergisst er natürlich auch die „Hotellerie und die Tourismusregion Kitzbühel“ nicht. Eine Wertschöpfung von 1,5 Millionen Euro habe das Turnier, „das sind Zahlen, die sich belegen lassen.“ Nur am traditionsreichen Hahnenkammwochenende werde mehr generiert.

Auch darum geht es. Aber in erster Linie freut sich der Hans Grübler, dass er jedes Jahr an Pfingsten rund 3000 junge Fußballer zusammenführt, die hier tolle Wettkämpfe austragen, Spaß am Fußball haben und viele Freundschaften schließen.

Es gibt nur ein Turnier, an das sich Grübler nicht ganz so gerne erinnert. Das war 1999, die zweite Auflage des Cordial Cups. Mit großem Aufwand hatte er ein Team aus Brasilien nach Tirol gelotst, dann aber hat das Wetter verrücktgespielt: „Es hat dermaßen geschüttet, dass wir alle Partien bis zum Finale nur im Elfmeterschießen entscheiden konnten. Das war dann reine Glückssache und die Brasilianer, die wirklich gut waren, konnten ihr Können nicht zeigen.“ Doch Grübler wäre nicht Grübler, hätte er nicht doch noch ein positives Ende gefunden: „Wir haben dann eine richtig tolle Poolparty mit allen Mannschaften gemacht.“

„Die wahren VIPs
sind für mich
die Kids“

Auch Alaba und Müller haben
hier gespielt

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