Drohende Geisterspiele

Keine Zuschauer, keine Einnahmen: Besonders die Löwen würden leiden

Die drohende Ausbreitung des Coronavirus greift immer mehr in das öffentliche Leben der Gesellschaft ein. Dem Fußball drohen Geisterspiele. Die Vereine zeigen Verständnis. 

  • Am Mittwoch wird die Bayerische Staatsregierung beschließen, dass bis Karfreitag Sportgroßveranstaltungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. 
  • Dem TSV 1860 würden durch drei mögliche Geisterspiele wichtige Einnahmen für die klammen Kassen entgehen. 
  • Roland Schmidt, Teamarzt des FC Bayern, spricht von einer sinnvollen Maßnahme.

MünchenAllianz Arena, Grünwalder Stadion, Olympia-Eishalle, Audi Dome: In alle Sportstätten der Münchner Erstliga-Clubs passen mehr als 1000 Personen – und sie alle werden sich bis Karfreitag in stimmungsarme „Geisterhäuser“ verwandeln. Nach der Empfehlung des Gesundheitsministeriums wird die Bayerische Staatsregierung am Dienstag beschließen, dass im Freistaat vier Wochen lang sämtliche Sportgroßveranstaltungen unter Ausschluss von Zuschauern stattfinden müssen. Das trifft die Bayern genauso wie die Drittliga-Löwen, die Basketball-Riesen des FCB und die Eishockey-Cracks des EHC. Dabei hatten alle bis zuletzt gehofft, dass ihr Sport von allzu drastischen Maßnahmen verschont bleibt.

FCB-Teamarzt Schmidt: „Eine sinnvolle Maßnahme“

Beim Fußball-Rekordmeister FC Bayern hatte Teamarzt Roland Schmidt gegenüber der Bild-Zeitung Verständnis gezeigt für die mögliche Ansetzung von Geisterspielen. „Es ist eine sinnvolle Maßnahme – vielleicht ist sie ein Muss“, sagte er. Das erste Geisterspiel in der Allianz Arena wird das Rückspiel im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Chelsea am Mittwoch in acht Tagen.

Auch beim Fußball-Drittligisten TSV 1860 hatte man bis zuletzt gehofft, dass das anstehende Spitzenspiel gegen den MSV Duisburg (Samstag, 14 Uhr) ohne Einschränkungen über die Bühne gehen kann. „Ich stehe bereits seit knapp zwei Wochen in ständigem Austausch mit den zuständigen Behörden und Verbänden“, hatte Geschäftsführer Michael Scharold am Nachmittag erklärt: „Es ist ein schwieriges Thema, das sieht man ja auch an den Reaktionen aus der Bundesliga.“ Natürlich träfe es die finanziell nicht auf Rosen gebetteten Löwen hart, wenn ihnen nun am Samstag die Einnahmen von 15 000 Zuschauern entgehen (und am 21. März gegen Würzburg und am 4. April gegen Rostock). Aber, betonte Scharold: „Es steht uns nicht zu, unsere über gesamtgesellschaftlich und gesundheitlich relevante Interessen zu stellen.“ Schon einmal gab es ein Geisterspiel im Grünwalder Stadion: Als Strafe für Zuschauerkrawalle in der Abstiegsrelegation gegen Regensburg musste das Regionalligaspiel gegen die zweite Mannschaft des 1. FC Nürnberg II (5:3) am 1. August 2017 vor leeren Rängen ausgetragen werden.

DFB prüft Spielverlegungen in der 3. Liga

Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass Spiele verlegt werden. Der DFB schrieb dazu auf seiner Homepage: „Hintergrund ist die besondere wirtschaftliche Sensibilität in der 3. Liga, in der die Erträge aus dem Spielbetrieb signifikant für die finanzielle Stabilität der Clubs sind und mehr als 21 Prozent der jährlichen Gesamteinnahmen ausmachen. Aktuell wird geprüft, inwieweit die Empfehlung des Ausschusses umgesetzt werden kann.“

Betroffen vom Zuschauer-Ausschluss sind nicht zuletzt DEL-Club EHC München und die Basketballer des FC Bayern. Glücklich ist niemand mit der Entscheidung, doch alle Münchner Vereine dürften die Notwendigkeit der Maßnahme kaum anzweifeln. 

Rubriklistenbild: © mis

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