Wie er die Löwen-Krise sieht

Adlung: "Das sind Extrembedingungen"

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Daniel Adlung im Kreise der Kollegen.

Marbella - Daniel Adlung (27) ist die zentrale Figur bei 1860. Im Trainingslager sprach er nun über die Löwen-Krise, das Kapitänsamt und seinen christlichen Glauben.

Unter Ricardo Moniz war er noch außen vor, inzwischen ist Daniel Adlung (27) die zentrale Figur bei 1860. Egal, wem man bei den Löwen im Marbella-Trainingslager die leidige Führungsspieler-Frage stellt, stets fällt der Name „Adi“ als erster. Speziell die junge Garde um Julian Weigl und Marius Wolf hängt dem ehemaligen Fürther und Wolfsburger förmlich an den Füßen und Lippen.

„Das freut mich, wenn die Jungs das so sehen“, sagt Adlung mit wissendem Grinsen inmitten seines stattlichen Bartes. „Ich weiß, wie es ist, ins kalte Wasser geworfen zu werden. Unter Extrembedingungen lernst du am besten. Und das bei 1860 sind in dieser Saison Extrembedingungen.“ Kann man so sehen. „Die Situation ist brandgefährlich“, sagt Adlung. „Der Trainer hat völlig recht, wenn er uns sagt, dass du einen Abstieg für ewig als Stempel auf der Stirn hast.“ Die Konsequenz: „Wir müssen vom ersten Spiel an gegen Heidenheim voll da sein, sonst schaltet sich irgendwann der Kopf ein und das Grübeln beginnt. Wenn es erst mal heißt, wir haben noch x Spiele und brauchen soundsoviele Siege, dann haben die anderen Mannschaften da unten vielleicht einen Vorteil. Denn die meisten sind Abstiegskampf gewöhnt.“ Den meisten Löwen indes fehlt diese spezielle Erfahrung, Adlung nicht. Er hat sein fußballerisches Nahtod­erlebnis bereits gehabt. 2012 half er mit einem Tor am letzten Spieltag gegen Union Berlin mit, dass sich Cottbus vor der Drittklassigkeit retten konnte. „So viel Zittern muss ich nicht nochmal erleben“, sagt Adlung heute.

Sein psychisches und körperliches Rüstzeug hat sich Adlung in Fürth und Wolfsburg geholt. „Ich hatte als junger Spieler in Fürth erfahrene Leute wie Ali Albertz, Markus Feinbier oder Daniel Felgenhauer, die vorangegangen sind. Wenn du bei Feini als 17-, 18-Jähriger vor ihm am Buffet gestanden bist, dann hast du eine auf den Deckel bekommen. So lief das damals.“

In Wolfsburg prägte Adlung dann vor allem Felix Magath. Auch wenn ihm der Trainer keinen Bundesliga-Einsatz gönnte – als verlorenes Jahr will Adlung die Saison beim VW-Klub keinesfalls bezeichnen. „Alleine, dass ich bei Magath trainieren konnte und mit Spielern wie Misimovic oder Marcelinho zusammen gespielt habe, hat mich extrem weitergebracht“, sagt er. „Unter Magath herrschte eine beeindruckende Disziplin. Und im Training hat jeder seine körperlichen Grenzen kennengelernt. Davor dachte ich, okay, so weit kann ich gehen, das halte ich aus. Magath hat mir gezeigt, dass man seine Grenzen auch verschieben kann.“

Ganz so grenzwertig geht’s bei Markus von Ahlen nicht zu. Bei 1860 sei das Training sehr gut dosiert, sagt Adlung. Jeder Spieler wisse, worauf es in den verbleibenden 15 Spielen ankomme. „Es geht vor allem darum, hinten nichts zuzulassen und nach vorne konsequent durchzuspielen. Wie wir gegen Kaiserslautern und Leipzig aufgetreten sind, das ist der Weg. Mit ein bisschen mehr Glück gewinnen wir beide Spiele.“ Mit ein bisschen Pech hätten beide freilich auch verloren gehen können. Doch daran will Adlung nicht denken. Auch die Frage nach der Kapitänsbinde interessiert ihn nicht. „Ob ich jetzt die Binde habe oder nicht, ist mir nicht so wichtig“, sagt er. „Wenn der Schinds (Chris Schindler) spielt, dann hat er die Binde, er macht das sehr gut.“

Und Adlung gibt den Rudelführer. An wem oder was er sich selbst festhält? „Meine Erfahrung zeigt, dass es im Fußball immer weitergeht, dass sich die Dinge schneller ändern können, als man glaubt. Dazu bauen mich meine Familie und meine Freunde auf.“ Nicht zu vergessen: der christliche Glaube. „Der gibt mir Halt und Kraft, das ist schon von klein auf so. Ich denke, dass jeder Mensch etwas braucht, an das er sich halten kann. Für mich ist das mein Glaube. Andere wechseln ständig die Philosophie oder sind ewig auf der Suche. Es ist ein Glück, wenn man etwas Festes für sich gefunden hat.“

lk

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