Führungsspieler bei den Löwen

Adlung über einen neuen Vertrag: "Ich muss nicht pokern"

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Daniel ­Adlung beim tz-Termin in Bad Häring.

München - Wenn es in der vergangenen Saison einen Gewinner bei den Löwen überhaupt gegeben hat, dann ist das sicher Daniel Adlung. Der Mittelfeldspieler avancierte zur Führungsfigur. Im Gespräch mit der tz lässt der 27-Jährige die schwierige Zeit Revue passieren.

Für ein neues Tattoo blieb Daniel Adlung (27) in diesem Sommer keine Zeit. „Da müsstest du hinterher einige Zeit aufs Baden verzichten und der Sonne ausweichen, und das wollte ich nicht.“ Noch dazu, wo der Urlaub mit knapp drei Wochen recht kurz bemessen war. „Aber da kann ich nur sagen: selber schuld“, meint der Löwen-Routinier, „wir mussten ja schließlich die Relegation spielen.“

Die Rede ist von den beiden Herzkasperl-Duellen gegen Holstein Kiel, an deren Ausgang der Mittelfeldmann maßgeblich beteiligt war mit seinem Treffer zum 1:1 in der Arena (Endstand 2:1). Der Schutzengel, den sich Adlung bereits vor längerer Zeit auf den rechten Unterarm stechen ließ, hat also seine Wirkung nicht verfehlt.

„Er soll zwar in erster ­Linie mich beschützen“, sagt „Adi“, „aber am Ende ist es dann doch für uns alle gut gelaufen, auch wenn ich so was wie gegen Kiel nicht noch mal brauche.“

Das Gute im Grausamen: Anders als vor einem Jahr hat Adlung jetzt den Status des Führungsspielers bei 1860. Unter Ricardo Moniz galt der Franke noch als Streichkandidat. „Da habe ich schnell gespürt, dass ich erst mal außen vor war“, erinnert sich Adlung.

Hängenlassen habe er sich unter Moniz aber nicht, betont Adlung, auch die sogenannte Taxiaffäre habe ihn nicht aus der Spur gebracht. „Egal was war, ich habe immer Gas gegeben. Sollte ich vielleicht sagen, ich trainiere nur noch just for fun und lasse alles stehen und liegen? Nein, das bin ich nicht.“

Bilder aus Bad Häring: Löwen im Trainingslager angekommen

Und richtig wichtig wurde er ja dann schnell wieder, vor allem als die Mannschaft in der Rückrunde immer weiter abrutschte. Da tat so einer wie Adlung gut. „Gerade in dieser Situation habe ich noch mal einen Schub gemacht“, sagt er, „und bin klar im Kopf geblieben. Mit 18, 19 Jahren wäre das wohl nicht möglich gewesen.“

Wie es nach der sportlichen Nahtod-Erfahrung weitergeht? „Ich habe die Relegationsspiele schnell abgehakt, wollte im Urlaub einfach auf andere Gedanken kommen“, sagt Adlung. Was aber dann doch nicht so einfach war in Zeiten des Internets. „Natürlich habe ich mich anfangs immer noch informiert, was nach Saisonende im Verein los ist. Aber nachdem fast jede Stunde wieder was Neues verkündet wurde, habe ich es irgendwann sein lassen.“

Nach zwei Jahren als Blauer kann ihn sowieso nichts mehr groß erschüttern: „Da bist du abgehärtet, aber du weißt nie, was dich erwartet. In den zwei Jahren, in denen ich hier bin, habe ich einige Präsidenten, Sportdirektoren und Trainer erlebt. So viele, wie du woanders vielleicht in zehn Jahren hast. Aber trotzdem ist dieser Verein immer noch am Leben.“

Wie lange Adlung (Vertragsende 2016) den Löwen noch treu bleibt? „Wir sind in dieser Angelegenheit schon seit Längerem in Kontakt, ich brauche nicht zu pokern und ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt er. Ob das dramatische Saisonfinale gegen Kiel eine Art Höhepunkt seiner bisherigen Profikarriere gewesen sei? Adlung schüttelt verwundert den Kopf: „Also wenn das das Highlight gewesen sein soll, dann wäre meine Karriere bisher ziemlich scheiße gewesen…“

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