Daniel Baier: Endlich ein echter Zehner!

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Augsburg - Schon als Teenager beim TSV 1860 hat Daniel Baier frech Ansprüche auf die Spielmacher-Position angemeldet. Beim FC Augsburg darf der gereifte Zehner endlich er selbst sein.

Daniel Baier wusste schon immer, wohin er gehört. Als Löwen-Regisseur Markus Weissenberger den damaligen Youngster bei einer von dessen ersten Trainingseinheiten bei den Profis frage, auf welcher Position er denn spielen wollte, entgegnete dieser rotzfrech: „Auf deiner!“

Seinen Spitznamen „Baby-Icke“, der auf den letzten großen Löwen-Spielmacher Thomas Häßler verwies, hatte der Teenager da schon verinnerlicht. Seine Qualitäten als Ballverteiler und grandioser Techniker hatten ihm das Prädikat eingebracht.

Am 18. Oktober 2003, in seinem erst dritten Bundesliga-Einsatz gegen Eintracht Frankfurt, war es dann tatsächlich so weit. Kurz vor der Pause kam der 19-Jährige für den verletzten Marcus Pürk auf den Platz – und verdrängte Weissenberger für eine Halbzeit auf den linken Flügel. Baier erledigte seine Aufgabe mit Bravour, die Löwen siegten mit 1:0.

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"Es kam eine gewaltige Bewegung ins Spiel durch seine Einwechslung. Da hat man gesehen, welch großes Talent dort heranwächst", adelte Löwen-Boss Karl Heinz Wildmoser sein neuestes Stück Tafelsilber. „Wahnsinn, wie unbekümmert und rotzfrech dieser Bengel gespielt hat", sagte 1860-Urgestein Torben Hoffmann. Und Baier erklärte Weissenberger die neue Rollenverteilung mit den Worten: "Wir sind da recht flexibel."

Nur Trainer Falko Götz blieb am Anfang der Abstiegssaison zurückhaltend: "Wir wollen ihn nicht verheizen. Wir werden ihn langsam aufbauen." So blieb Baier zunächst beim Status des Teilzeitspielers. In den kommenden drei Zweitligajahren war die Löwen-Taktik eine andere, einen klassischen Spielmacher gab es dort nicht. Baier musste auf den Flügel ausweichen. Diese ungeliebte Position wurde er in den kommenden Jahren nicht mehr los. Beim VfL Wolfsburg hatte er Superstars wie Marcelinho und später Zvjezdan Misimovic vor der Nase, beim FCA spielte Zauberfuß Elton da Costa im offensiven Mittelfeld.

Doch sein Drang in die Mitte war immer noch unübersehbar. In den Kritiken nach dem Spiel stand dann oft: „Ihn zog es wie immer in die Mitte. Vernachlässigte seine Position auf dem Flügel.“ Baier hörte das nicht gern, schließlich verlange Trainer Holger Fach genau das von ihm, argumentierte er. Ein weiteres Manko blieb Baiers fehlender Torriecher. „Ich bin kein Vollstrecker, sondern lege Tore lieber auf“, erklärte er dazu. Aus der jugendlichen Keckheit wurde in den Augen vieler Beobachter eine Spur von Arroganz.

Zur Aufstiegssaison 2010/11 hat sich Baier beim FCA die Rückennummer 10 geschnappt - die des Spielmachers. Doch das Spiel machte er nur selten, beobachtete die Partie stattdessen oft nur von der Bank. Mit einem unüberlegten Rot-Fehltritt im Finale der Hinrunde gegen den späteren Mitaufsteiger Hertha BSC stellte er sich bei Disziplinfanatiker Jos Luhukay ins Abseits.

Doch der Trainer ist alles andere als nachtragend und stellt nach dem Aufstieg seine Taktik um. Statt einem flachen 4-4-2-System mit einer Doppelsechs plus zwei Flügelspielern lässt er ab sofort in einer 4-2-3-1-Formation spielen, also mit einer Doppelsechs, zwei Flügelspielen, einem Spielmacher und einem Stoßstürmer. Die Zehnerposition ist reserviert für: die 10, Daniel Baier.

"Ich weiß, dass Daniel die speziellen Fähigkeiten hat, um auf der Zehnerposition gut zu spielen. Er kann das sehr gut“, sagt Luhukay der tz: „Jetzt haben wir mit einem offensiven Mittelfeldspieler in Daniel einen Spieler, der in der Zentrale mit seiner Kreativität und seiner Technik seine individuelle Qualität einbringen und zeigen kann. Das kommt uns als Mannschaft sehr gelegen."

Auch Baier sagt nicht nein. Der 27-Jährige erklärt, fast zehn Jahre nach seiner Kampfansage, ganz brav: „Es stimmt. Die Position hinter den Spitzen liegt mir.“

Tobias Kimmel

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