Wie reagieren die Gesellschafter?

Bierofkas größter Wunsch: Ein Sportchef

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Nachdenkliches am späten Montagabend: Daniel Bierofka (r.) repräsentierte 1860 in der Sky90-Fußballdebatte - und warb für seine Interessen.

Seit der Derbypleite hält Daniel Bierofka nicht mehr mit seinen Gedanken hinter dem Berg. Der Sechzig-Trainer fordert professionelle Strukturen und Unterstützung auf der sportlichen Kommandobrücke.

München - Da saß er also. Das berühmte Sky-Aquarium in seinem Rücken, eine 90-minütige Fußballdebatte vor sich. Die Expertenrunde, in die Daniel Bierofka am späten Montagabend hineingeraten ist, hatte gehobenes Bundesligaformat, doch zumindest in der ersten halben Stunde der Sendung dürfte sich der Repräsentant des TSV 1860 gefragt haben: Was soll ich hier eigentlich? Einziges Thema war der überraschende Rücktritt des Kölner Sportchefs Jörg Schmadtke, und dazu konnte und wollte der Regionalliga-Coach aus nachvollziehbaren Gründen keinen Beitrag leisten. Die meiste Zeit schwieg Bierofka in seinen Vollbart hinein und könnte sich gedacht haben: Profiklub müsste man sein – dann wäre mit Schmadtke jetzt ein hochattraktiver Sportchef auf dem Markt. Schließlich ist das Vakuum auf dem Managerposten das Thema gewesen, das Bierofka schon am Montagvormittag intensiv beschäftigt hatte.

„Grundsätzlich bräuchte ich schon jemanden“, hatte der auf allen Ebenen beanspruchte Bierofka einen vorgezogenen Weihnachtswunsch formuliert. Er selber könne seine Doppelfunktion Trainer/Sportchef „gerne“ noch ein bisschen ausüben: „Ich mach das für den Verein, ich versuche, das bestmöglich umzusetzen. Aber in Zukunft müsste man sich schon überlegen, dass man noch eine Instanz dazwischensetzt.“

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Bierofka mit Wunsch bei Fauser vorstellig geworden

Wie ernst es Bierofka ist, belegt die Tatsache, dass er mit seinem Anliegen bereits bei Geschäftsführer Markus Fauser vorstellig geworden ist. „Ich habe Herrn Fauser das vorgeschlagen“, wurde er konkret: „Momentan schaut er, dass er dafür die Strukturen schafft.“ Es sei zudem „ganz wichtig“, einen Mann zu finden, der zu 100 Prozent zum Verein passe. Und was auch nicht ganz unwichtig ist: Bierofka und Fauser müssen intern noch ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten. Auf der Gesellschafterebene, die das Geld für einen Sportchef bereitstellen müsste, scheint man die Sache nämlich ein bisschen anders zu sehen. Dietz berichtet, dem ehrgeizigen Trainer sei bereits signalisiert worden, dass sein Wunsch nicht kompatibel ist mit dem Dasein des TSV 1860 als Viertligist.

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Bierofka aber meint es ernst. Ob er bereits einen konkreten Kandidaten im Kopf hat, verriet er nicht. Dafür plauderte er aus dem Nähkästchen, um den internen Skeptikern die Augen zu öffnen. Es sei nämlich „nicht so leicht, in der Regionalliga Spieler zu bekommen“. Einige gute Leute hätte er angefragt, oft jedoch von deren Beratern den Hinweis erhalten: Netter Verein, aber 4. Liga geht gar nicht. „Das ist unser grundsätzliches Problem“, so Bierofka: „Die Jungen wollen lieber in die 3. oder 2. Liga. Und bei den Erfahrenen muss man aufpassen, dass man keinen Abzocker bekommt.“ Kurzum: Spieler, die gerne zu 1860 kommen, echte Verstärkungen wären und die unsichere sportliche Zukunft nicht scheuen, sind so selten wie eine blaue Mauritius. Transfercoups wie mit Timo Gebhart und Sascha Mölders sind schließlich nicht beliebig wiederholbar - schon gar nicht ohne einen Sportchef mit entsprechendem Telefonbuch.

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Bierofka fordert einen Chefscout

„Ich würde mir wünschen, dass man klare Strukturen schafft“, kürzte Bierofka das Thema ab. Ein gutes Beispiel sei auch die Zwitterrolle von Jürgen Jung, der offiziell als Vizechef des Nachwuchsleistungszentrums angestellt ist, nebenbei aber auch noch Chefscout für Bierofka spielt. Bierofka wünscht sich, dass „dieses Zwischending“ ein Ende hat, möglichst in seinem Sinne: „Ich brauche einfach einen Chefscout.“ Generell weiß er aber: „Bei den momentanen Strukturen das umzusetzen, was man eigentlich will, ist nicht so leicht.“

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Auch bei „Sky90“, wo er später noch ausführlicher zu Wort kam, deutete Bierofka an, wie belastend auf Dauer seine multiplen Rollen seien: „Du musst als Trainer vieles auffangen. Du musst dich viel um die Öffentlichkeit kümmern, du musst Fragen beantworten, die auch der Sportdirektor abnehmen könnte.“ Es sei schließlich so: „Wir spielen Regionalliga, haben aber eine Aufmerksamkeit wie in der Champions League.“ Gefühlt sei 1860 „der FC Bayern“ der 4. Liga. Der Satz, den man sich dazu denken musste, lautet: Fehlt nur noch, dass die Strukturen endlich dieser Tatsache angepasst werden.

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