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Bierofka: „Hab mich zum ersten Mal geschämt, ein Löwe zu sein“

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Von: Uli Kellner

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Daniel Bierofka.
Daniel Bierofka. © MIS

Vier Wochen vor Saisonende stieß Daniel Bierofka zum Trainerteam – dort musste der U21-Coach und Fanliebling allerdings schnell erkennen, dass die Profis wohl nicht mehr zu retten sein würden. Warum und welche Rolle er beim Neuaufbau spielen könnte, verrät der Urlöwe im Interview.

Herr Bierofka, haben Sie den ersten Schock des Abstiegs schon verdaut?

Daniel Bierofka: Nee. Und ich fürchte, das wird sich auch noch ein paar Tage beschissen anfühlen. Ich hoffe, dass bald wenigstens feststeht, wie es weitergeht. Dann hat man wieder ein Ziel und kann aufstehen. Diese Ungewissheit ist für mich das Allerschlimmste.

Sie waren ja zuletzt hautnah dabei. War es wirklich so schlecht um Teamgeist und Zusammenhalt bestellt?

Bierofka: Ich denke, man hat einfach unterschätzt, dass eine Mannschaft wachsen muss. Es war dann ein schleichender Prozess, der nicht aufzuhalten war. Es gab keine Möglichkeit mehr, da einzugreifen.

Vermutlich war es für Sie auch schwer, Einfluss auf Coach Vitor Pereira auszuüben.

Bierofka: Das ist ja auch normal. Er war der Chef, ich offiziell dafür zuständig, meine U21-Jungs einzubinden. Für die tut es mir am meisten leid. Ein Felix Weber hat zweieinhalb Jahre darauf hingearbeitet, war dann aber mit der Drucksituation überfordert. An ihm nagt das so richtig, auch an Marin Pongracic. Das sind nämlich richtig gute Jungs.

Auch für die Zukunft? Mit dem Rest Ihrer U 21?

Bierofka: Warum nicht? Wir sind in der Regionalliga Vizemeister hinter Unterhaching geworden. Wenn man den Kern mit erfahrenen Spielern verstärkt, wäre das eine gute Basis.

Viele Fans hoffen, dass Sie wieder Cheftrainer werden. Dürften Sie?

Bierofka: In der 3. Liga faktisch nicht. Ich wollte ja meinen Fußballlehrer machen, aber mir haben zwei Monate gefehlt. Der DFB hat sich da leider strikt an die Paragrafen gehalten.

Und sehen Sie die Chance, dass die Fans Herzblutlöwen wie Stefan Aigner und Florian Neuhaus wiedersehen werden?

Bierofka: Ich kann nicht für die Jungs sprechen. Die hocken jetzt wahrscheinlich selber zu Hause und grübeln, wie es so weit kommen konnte.

Schlimm waren auch die Begleitumstände. Zu hören war, dass ein Wurfgeschoss Sie getroffen hat.

Bierofka: Das nicht, aber ich muss ehrlich sagen: Ich hab mich da zum ersten Mal geschämt, ein Löwe zu sein. Ich hab ja Verständnis, dass die Fans Frust schieben, das tue ich auch. Aber so etwas geht gar nicht.

Über alle Entwicklungen beim TSV 1860 informieren wir Sie in unserem News-Ticker.

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