Das blaue Bollwerk der Münchner Löwen

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Das Abwehr-Bollwerk der Löwen hielt auch auf dem Betzenberg dicht.

Als die Löwen im Sommer mit drei Niederlagen in die neue Saison starteten, glaubte jeder, die sind nicht ganz dicht.

Aber der hundsmiserable Auftakt ist mittlerweile vergessen, und die blaue Anhängerschar stellt mittlerweile erfreut fest: Diese Löwen halten dicht. 0 – 1 – 0 – 0 – 0 heißt die Zauberformel. Es ist die Zahl der Gegentore, die der TSV 1860 in den vergangenen fünf Spielen kassiert hat: ein einziges! Beim 3:1 gegen Greuther Fürth. Und das ist auch bereits 357 Minuten her. Also fast vier Spiele. Das blaue Bollwerk hält und hält. Tat es auch beim schwer erkämpften 0:0 am Montag auf dem Lauterer Betzenberg. Und Trainer Marco Kurz zollte Anerkennung und Respekt: „Es ist schwierig, in Lautern 90 Minuten lang sattelfest zu stehen. Aber es ist uns gelungen.“

1. FCK - TSV 1860 München: Die Spieler in der Einzelkritik und weitere Bilder der Partie

1. FCK - TSV 1860 München: Die Spieler in der Einzelkritik und weitere Bilder der Partie © 
Tschauner: Stark gerettet gegen Dzaka in der 21., Riesenglück beim Lattenschuss von Dick in der 73. Minute. Stark dann auch in der Nachspielzeit gegen Amedicks Kopfball. Das Glück hatte er sich an seinem 23. Geburtstag aber auch verdient. Note: 2 © fishing4
Thorandt: Verhinderte reaktionsschnell das 0:1 in der 29. Minute, hatte zehn Minuten später Pech. als sein Kopfball von Robles toll abgewehrt wurde. Note: 3 © fishing4
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Ghvinianidze: Brachte wie immer vollen Einsatz, seine rustikale Spielweise passte selten so gut wie an diesem Abend. Note: 3 © Sampics
Berhalter: War mit seiner Routine in der Abwehr oft im richtigen Moment zur Stelle und organisierte seine Nebenleute gut. Note: 3 © dpa
Johnson: War fast nur in der Defensive gebunden, ließ auf seiner linken Seite allerdings fast nichts anbrennen. Note: 3 © Sampics
Sven Bender: Konnte diesmal nicht, wie in den vergangenen Spielen, für Akzente im Offensivspiel sorgen und Gebhart unterstützen. Löste wenig mit spielerischen, viel mit kämpferischen Mitteln. Note: 4 © 
Beda: An alter Wirkungsstätte nicht immer souverän. Verzettelte sich manchmal in Einzelaktionen, wenn es besser gewesen wäre, den Nebenmann einzusetzen. Note: 4 © fishing4
Gebhart: Hatte gegen Demai einen schweren Stand, ihm fehlte diesmal allerdings auch die Unterstützung seiner Nebenleute. Probierte deshalb viel auf eigene Faust, was wenig einbrachte. Und wenn er sich mal durchgesetzt hatte, wurde er immer per Foul gestoppt. Note: 4 © fishing4
Ab 84. Kucukovic: ohne Bewertung. © Sampics
Ledgerwood: Mit einigen technischen Schwächen im Spiel nach vorn, mit dem er allerdings nur selten was zu tun hatte. Musste sich zwangsläufig auf die Defensivarbeit konzentrieren. Note: 4 © fishing4
Schäffler: Ohne zwingende Aktion, weil er auch keine Anspiele aus dem Mittelfeld bekam. Der erst 19-jährige Stürmer wirkte nach den vielen Einsätzen in den letzten Woche auch etwas müde und ausgelaugt. Musste zur Pause raus. Note: 5 © Sampics
ab 46. Holebas: Begann gleich sehr engagiert und mutig, passte sich dann aber schnell dem harmlosen Offensivspiel der Löwen an. Note: 4 © Sampics
Lauth: Etwas unkonzentriert in seinen Aktionen. Bekam aber auch nie die Anspiele in die Tiefe, die er für sein Spiel braucht. Arbeitete in der zweiten Halbzeit viel mit nach hinten und zeigte sich dabei sehr laufstark. Note: 4 © fishing4
ab 90. Baumgartlinger: ohne Bewertung © Sampics
Lauterns Keeper Rogles ganz elegant. © fishing4
Benny Lauth und Sven Bender nehmen Axel Bellinghausen in die Zange. © fishing4
Timo Gebhardt konnte dem Spiel dieses Mal nicht so seinen Stempel aufdrücken, seine Gegenspieler wussten sich dennoch mehrmals nur mit Fouls zu helfen. © fishing4
Benny Lauth im Zweikampf mit Axel Bellinghausen. © fishing4
Schiri Gagelmann ließ Timo Gebhart nach einer verletzungsbedingten Behandlung zunächst nicht wieder zurück aufs Feld und sorgte damit bei den Löwen für Unmut. © fishing4
Philipp Tschauner war jederzeit Herr der Lage. © fishing4
Markus Thorandt versucht, Erik Jendrissek zu stoppen. © dpa
Srdjan Lakic und Mathieu Beda beim Kopfballduell. © dpa
Marco Kurz war mit dem Punktgewinn zufrieden, auch wenn das hier nicht ganz so danach aussieht. © fishing4

Und da wollte der Löwen-Coach auch mal drüber hinwegsehen, dass in der blauen Offensive diesmal fast permanent tote Hose herrschte. Und somit auch die Serie von vier Siegen in Folge leider nicht ausgebaut werden konnte. Kurz: „Aber wir wollten in Lautern was Zählbares holen, und dafür haben alle aufopferungsvoll gekämpft.“

Was so leicht auch nicht gewesen sei, „weil uns“, so der Löwen-Coach, „Kaiserslautern auf jeder Fläche des Spielfelds sofort mit ein, zwei Mann attackiert hat.“

Aber diese Löwen verstehen es jetzt, sich zu verteidigen. Im Gegensatz zum Saisonbeginn. „Diese kapitalen Fehler, die wir damals hinten fabriziert haben, vermeiden wir jetzt“, erklärte Kurz. Ein Blick auf die Tabelle beweist es: Mit nur neun Gegentreffern ist der TSV 1860 inzwischen die abwehrstärkste Mannschaft der 2. Liga.

Logisch, dass da auch der Torhüter in den Blickpunkt rückt. Sekunden vor Schluss bewahrte der an diesem Tag 23 Jahre alt gewordene Philipp Tschauner mit einem tollen Reflex seine Mannschaft vor einer Niederlage und einer traurigen Heimreise.

Löwen sechs Spiele ungeschlagen - Die Super-Serie in Bildern

Löwen sechs Spiele ungeschlagen - Die Super-Serie in Bildern © 
Eine Tabelle zum Abgewöhnen! So sah die Zweitliga-Rangliste am Tag vor dem Ingolstadt-Spiel aus. Was dann folgte, hätten nicht mal die größten Optimisten zu hoffen gewagt. Lassen Sie hier noch einmal die grandiosen Jubelwochen des TSV 1860 Revue passieren. © tz
6. SPIELTAG (28.9.): 1:1 gegen den FC Ingolstadt - die Wende! © Fishing4
Punktgleich mit dem Tabellenletzten empfängt der TSV 1860 den FC Ingolstadt zum Bayern-Derby. Auch wenn die Verantwortlichen ihm den Rücken stärken: Marco Kurz kann sich nicht sicher sein, nach dem Spiel noch Trainer zu sein. © sampics
Daniel Bierofka erzielt das 1:0 - doch die Freude hält nicht lange. © Fishing4
"Zecke" Neuendorf gleicht in der 82. Minute für die Ingolstädter aus. 1:1 zum Schlusspfiff, wieder nicht gewonnen. Vier Zähler aus sechs Spielen - miserabel! © sampics
Dass das 1:1-Unentschieden der Auftakt zu einer grandiosen Serie ist, kann zu dem Zeitpunkt noch keiner ahnen. Und das sieht man in den Gesichtern. © sampics
Die Strafe: Am 30.9. gibt's für die Löwen beim Wiesn-Ausflug nur schales alkoholfreies Bier oder langweilige Blubberbrause - zum Feiern gibt's nun wirklich keinen Anlass. © sampics
7. SPIELTAG (3.10.): 3:0 beim FSV Frankfurt - die Befreiung! © Fishing4
Den "Tag der Arbeit" am 3. Oktober nehmen die Löwen wörtlich. © sampics
Ein wenig scheinen den Sechzgern im Frankfurter Stadion die Knie zu schlottern. 0:0 steht's zur Halbzeit. Doch sie kämpfen sich ins Spiel und schaffen, was zu dem Zeitpunkt keiner für möglich gehalten hätte: einen richtig überzeugenden Sieg! © dpa
Das 2:0 durch Timo Gebhart. © Fishing4
Fabian Johnson und Lars Bender besorgen die weiteren Tore. © Fishing4
Jubel ohne Ende! Da freut sich das Löwenherz - und ist erleichtert. © Fishing4
8. SPIELTAG (19.10.): 3:1 über die SpVgg Greuther Fürth - die Bestätigung! © Fishing4
16 Tage lagen zwischen den Spielen - und mit ihnen die Unsicherheit, ob der Sieg über Frankfurt nur eine Eintagsfliege war oder der Anfang vom Ende der Krise. © dpa
Schock! Schon in der 3. Minute trift Fürth. Zur Pause liegen die Sechzger mit 0:1 zurück. © dpa
Durchatmen: Timo Gebhart gleicht in der 56. Minute per Kopf aus. © Fishing4
Dann beginnt die große Benny-Lauth-Show. 2:1! © sampics
Und das 3:1 in drei Minuten später! © dpa
So ausgelassen hat man die Löwen in dieser Saison zuvor noch nicht jubeln sehen! © Fishing4
Und auch Marco Kurz sitzt wieder fester im Trainerstuhl © sampics
Zwei Tage nach dem Sieg der große Skandal: Berkant Göktan wird des Kokainkonsums überführt. Auch die Verletzungsmisere wird immer größer. Binnen einer Woche erreichen die Löwen die Hiobsbotschaften, dass Daniel Bierofka, Danny Schwarz und Lars Bender unters Messer müssen und für den Rest der Hinrunde ausfallen. © sampics
9. SPIELTAG (26.10.): 2:0 beim VfL Osnabrück - die Trotzreaktion! © Fishing4
Zeigen sich die Löwen geschockt über den Göktan-Skandal und die Verletztenmisere? © Fishing4
Nö! © Fishing4
Nikolas Ledgerwood erzielt das 1:0 © Fishing4
Diese beiden besorgen das 2:0. Traumflanke Sven Bender - und Interimskapitän Benny Lauth netzt zum 2:0 ein. Der dritte Löwen-Sieg in Folge ist perfekt! © Fishing4
10. SPIELTAG (29.10.): 1:0 gegen TuS Koblenz - die Vergoldung! © sampics
Vierter Sieg in Folge - der "goldene Oktober" mit zwölf von zwölf möglichen Zählern ist perfekt. © sampics
Mann des Tages ist Timo Gebhart, der mit einem Kracher das einzige Tor besorgt © sampics
Das Ergebnis von 1:0 trügt: Es ist keineswegs ein knapper Sieg, sondern ein hochverdienter. Und vor allem - das kann man gar nicht oft genug betonen - der vierte Triumph in Folge. © sampics
"Wir wollen hüpfen hüpfen hüpfen, wollen hüpfen hüpfen hüpfen, wollen hüpfen hüpfen hüpfen, wollen hüpfen." Es läuft einfach rund bei den Löwen. © sampics
11. SPIELTAG (3.11.): 0:0 beim 1. FC Kaiserslautern - das Schweinespiel © Fishing4
Jetzt klappt sogar das! Aus Spielen, die die Löwen früher verloren hätten, retten sie mit viel Kampf und Moral wenigstens noch einen Punkt ins Ziel. "Schweinespiel" nennt man so was in der Fußballersprache. © Fishing4
Der FCK erweist sich als starker Gegner, aber nicht stark genug, um das Löwen-Tor zu erschüttern. Das liegt auch an ihm, dem Mann des Tages: Keeper Philipp Tschauner, der die "Null" festhält. © Fishing4
Aber auch als Kollektiv funktionieren die Löwen auf dem Betzenberg. Sie glänzen nicht etwa mit Spielwitz, aber doch zumindest mit Leidenschaft - bis sogar Blut fließt. © Fishing4
Schlusspfiff, 0:0, Punkt gewonnen! © Fishing4
Sechs Spiele in Folge ungeschlagen - die Löwen haben sich aus dem absoluten Tabellenkeller bis auf Platz 6 hervorgearbeitet. Die Aufstiegsplätze sind in Reichweite. Greifen die Löwen schon Sonntag gegen Rot-Weiß Oberhausen zu? © tz

1860 zwischen Lust und Last

Es war irgendwie auch das Glück der Tüchtigen. Außerdem, so Tschauner: „Die vier Siege im Oktober, als wir wie im Rausch gespielt haben, die haben uns auch eine breite Brust verliehen. Wir besitzen schon ein enormes Potential, das wir am Anfang der Saison nur nicht so rausgeholt haben.“

Aber es ist auch ein Ritt auf der Rasierklinge. Das weiß Marco Kurz nur zu gut. Die Personaldecke ist sehr dünn nach all den Verletzungsausfällen. „Jeder muss deshalb darauf achten, dass er sich nicht verletzt“, sagte der Löwen-Coach, „und sich gut ernähren und viel schlafen. Schließlich haben wir uns jetzt eine gute Position erarbeitet, und die wollen wir weiter untermauern.“

Zwei Heimspiele am Stück (gegen Oberhausen am Sonntag und am darauffolgenden Freitag gegen Augsburg) kommen da für dieses Vorhaben gerade recht.

Quelle: tz

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