Spielentscheidende Szene in der 52. Minute

Duisburg: Foul von Dennis Erdmann senkt Aufstiegshoffnung des TSV 1860

Paarlauf mit fatalen Folgen: Dennis Erdmanns doppelt bestraftes Zerren an Duisburgs Stürmer Aziz Bouhaddouz veränderte die Statik des Spiels.
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Paarlauf mit fatalen Folgen: Dennis Erdmanns doppelt bestraftes Zerren an Duisburgs Stürmer Aziz Bouhaddouz veränderte die Statik des Spiels.

Bis zur 52. Minute hatte der TSV alles im Griff. Das Foul von Dennis Erdmann samt seiner roten Karte und dem Elfer ließ das Spiel der Löwen den Bach heruntergehen.

Duisburg– In der 52. Minute wurde die Aufstiegshoffnung der Löwen in den matschig-braunen Rasen der Schauinsland-Reisen-Arena gezogen. Dennis Erdmann war es, der den Arm seines Gegenspielers Aziz Bouhaddouz einklemmte und den Sturmhünen nach ein paar Metern Paarlauf endgültig zu Fall brachte. So unnötig das Foul war, weil Marco Hiller schon aus seinem Tor geeilt war, so eindeutig war das Strafmaß: Rote Karte für Erdmann und Strafstoß für den MSV Duisburg. Moritz Stoppelkamp schnappte sich den Ball und verwandelte sicher. 1:0 hieß es nun in einem Spiel, das die Löwen vor der Pause dominiert hatten. Es blieb dabei, weil Erdmanns Eselei die Statik des Spiels veränderte.

Michael Köllner: „Das war quasi ein Doppel-Handicap für uns“

Immerhin: Erdmann war anständig genug, sich nach seiner Sinnlos-Aktion zügig aus dem Staub zu machen. Er reichte Bouhaddouz die Hand – und überließ die Bewertung seinem Trainer, der mit bewundernswertem Gleichmut auf die Folgen der Notbremse hinwies. „Das war quasi ein Doppel-Handicap für uns“, sagte Michael Köllner und beließ es vor der Magenta-Kamera bei einem milden Tadel: „Dennis hat sich in dieser Szene taktisch nicht gut verhalten, das weiß er selbst. Da muss er vorher den Ball schon löschen oder wegbleiben.“ Dass Erdmann seinem Team damit einen Bärendienst erwiesen hatte, sagte Köllner zumindest indirekt: „Im Nachhinein war das spielentscheidend, obwohl wir alles versucht haben.“

Ein bisschen trauerte Köllner noch der Kopfballchance von Semi Belkahia nach, den er als Psychotrick noch vor Ausführung des Strafstoßes eingewechselt hatte. Es war die einzige Chance zum Ausgleich (59.), denn viel ging nicht mehr in Unterzahl. Und es kam sogar noch dicker für 1860, weil das Glück, das man selber nicht hatte, anderswo für späte drei Punkte sorgte. In der sechsten Minute der Nachspielzeit erzielte Rostock den 2:1-Siegtreffer gegen Kaiserslautern, der die Löwen in der Tabelle noch weiter zurückwirft. Sechs Punkte beträgt der Rückstand auf Platz drei, der heute bei einem Ingolstadt-Sieg gegen Türkgücü auf sieben anwachsen kann. Viel Holz ist das, zumal auch Köllner erkennen dürfte, dass seine Löwen schon vor Wochen die Qualität und Aura eines Spitzenteams eingebüßt haben.

Ohne Stabilisator Quirin Moll läuft es nicht

Es rächt sich jetzt, dass die Sportliche Leitung nicht oder nur unzureichend nachgelegt hat, als sich in Quirin Moll der Kopf der Mannschaft in den Krankenstand verabschiedete. Im letzten Hinrundenspiel gegen Ingolstadt zog sich Moll einen Kreuzbandriss zu. Mit Glück, Moral und einem Mölders-Tor kam 1860 damals noch zu einem 1:0-Sieg, der im Nachhinein das Ende des Jahreswechsel-Höhenflugs markiert. Mit Moll als Taktgeber im Mittelfeld hatten die Löwen bis Ende Januar einen bemerkenswerten Zwischenspurt angezogen: 17 Punkte aus sieben Spielen. Ohne Moll kamen seither nur noch acht Punkte aus sieben Spielen hinzu.

Aus der Bilanz eines Aufsteigers wurde die Quote eines Absteigers – weil die Löwen in der Winterpause am falschen Ende gespart haben? Weiter geht’s am Samstag beim Tabellenzehnten Halle – in der aktuellen Form ein Gegner auf Augenhöhe.

(Uli Kellner)

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