1860- und Bayern-Fans

Derby-Randale: Stadionverbot und Bewährungsstrafe

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Vor dem Grünwalder Stadion beim kleinen Derby am Ostermontag 2015.

München - Im November 2013 trafen Löwen- und Bayern-Fans an der Fraunhoferstraße aufeinander. Jetzt verurteilte das Amtsgericht einen Löwen-Fan hart - und stellt den Tathergang ganz anders dar als die Polizei es 2013 getan hatte.

Am und im Stadion passiert bei Fußball-Spielen viel weniger als vor 20 oder 30 Jahren. Die Polizei hat die Lage dort meist sehr gut im Griff – so sehen es fast alle Beobachter. Größere Auseinandersetzungen finden zunehmend andernorts statt. Zum Beispiel auf den Abreisewegen wie im November 2013, als kurz vor Mitternacht an der Fraunhoferstraße 1860- und Bayern-Fans aufeinandertrafen. Jetzt wurde ein 25-jähriger Löwen-Fan zu einer Bewährungsstrafe verurteilt – und zu einem bundesweiten Stadionverbot.

An jenem Novemberabend waren die zweiten Mannschaften des TSV 1860 und der Bayern im Grünwalder Stadion aufeinandergetroffen. Derbysieger: der TSV 1860. Kurz vor Mitternacht kam es auf der Fraunhoferstraße zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Fangruppen. Am Tag darauf beschrieb die Polizei, dass 50 FC-Bayern-Fans beim Eintreffen der Tram an der Haltestelle Fraunhoferstraße angefangen hätten, gegen die Tram zu treten. In der Bahn hätte sich eine Gruppe von 30 Löwen-Anhängern befunden. An der Haltestelle hätten die Fans sich geprügelt. Acht Löwen- und sieben Bayern-Fans seien festgenommen worden.

Jetzt verurteilte das Amtsgericht einen beteiligten 1860-Fan zu einer Haftstrafe von fünf Monaten auf Bewährung, 1700 Euro Geldstrafe – und einem bundesweiten Stadionverbot von drei Jahren. Den Ablauf der Auseinandersetzung beschreibt das Gericht heute allerdings anders als die Polizei 2013. Laut Gericht ging die Aggression von den Löwen in der Trambahn aus. Ein Sechzger habe auf der Kreuzung Erhard-/Fraunhoferstraße die Notbremse gezogen, als er Bayern-Fans gesichtet habe. Die Tram sei mitten auf der Kreuzung zum Stehen gekommen. „Nach längerem Zögern“ habe der Fahrer die Bahn aufgrund „des Geschreis und der drohenden Rufe aus der Gruppe der 1860-Fans“ entriegelt. „Es kam sogleich zu Schlägen und Tritten der in der ersten Reihe am Trambahnausstieg befindlichen TSV 1860-Anhänger, die aus der Trambahn heraus zuschlugen und zutraten, wobei sie auch Gegenstände wie Gürtel verwendeten“, heißt es in einer Mitteilung des Amtsgerichts. Der jetzt Verurteilte habe aus der Tram heraus „mindestens einmal mit seinem Fuß nach draußen“ getreten um einen FC-Bayern-Anhänger zu verletzen. Es sei zu „erheblichen Sachschänden an der Trambahn sowie der Gefahr von Verletzungen unbeteiligter Trambahn-Fahrgäste und anderer Personen“ gekommen. Weil die Trambahn mitten auf der Kreuzung stand, habe sich ein Stau gebildet. Von anderen Fahrgästen sei die Auseinandersetzung als „bürgerkriegsähnlich“ wahrgenommen worden.

Bundesweite Stadionverbote werden vom Deutschen Fußball-Bund, den einzelnen Vereinen oder auch von Gerichten als Bewährungsauflage verhängt. Von der aktiven Fanszene und ihren Anwälten werden sie schon lange als häufig unfair und unsinnig kritisiert. Oft reicht es für ein Stadionverbot demnach aus, in der Nähe von Auseinandersetzungen gewesen zu sein. Vereine behalten Stadionverbote auch dann aufrecht, wenn Ermittlungsverfahren ergebnislos eingestellt wurden. Im vorliegenden Fall sah das Gericht hingegen als erwiesen an, dass der Mann aktiv beteiligt war und verurteilte ihn auch zu einer Bewährungsstrafe. Beim Fanprojekt München, das Sozialarbeit mit den Anhängern macht, sieht man das Instrument der Stadionverbote aber generell kritisch. „Sie sind grundsätzlich nicht zielführend“, sagte der Fanprojekt-Mitarbeiter Thomas Emmes im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die Leute fahren ja auch trotzdem zu den Spielen und halten sich an den Tagen in ihrer Gruppe auf. Es entstehen nur neue Problemfelder.“ Am Sonntag, 26. Juli, steht das nächste Derby an. Polizei, Vereine und Stadt haben sich geeinigt, es wieder im Grünwalder Stadion stattfinden zu lassen.

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