„Projekt Zukunft“ soll schon 2021 starten 

Neues Jugend-Konzept des DFB: TSV 1860 und Haching würden profitieren

Der TSV 1860 München könnte von der geplanten DFB-Reform im Jugendbereich profitieren. 
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Der TSV 1860 München könnte von der geplanten DFB-Reform im Jugendbereich profitieren. 

Der Deutsche Fußball-Bund will mit dem „Projekt Zukunft“ den Nachwuchsfußball grundlegend reformieren. Neben viel Ungewissheit bietet die Umstellung auch große Chancen.

• Der DFB will mit dem „Projekt Zukunft“ das Fußballnachwuchs-System in Deutschland komplett verändern.

• Die Junioren-Bundesliga soll in Zukunft abgeschafft und dafür Ligen ausschließlich für Vereine mit Leistungsnachwuchszentren geschaffen werden. 

• Die Reform soll besonders kleinen Profivereinen die Möglichkeit bieten, wieder wettbewerbsfähiger zu werden.

München - Während der  letzten Jahren gab es immer weniger Talente, die über die Nachwuchsleistungszentren (NLZ) ihrer Vereine den Weg in die jeweiligen Profikader und damit in den Profifußball geschafft haben. Woran das liegt, versucht der DFB bereits seit 2018 mit seinem „Projekt Zukunft“ zu evaluieren. Laut Kicker-Informationen hat der Verband seine konkreten Pläne des Nachwuchsfußballs bereits Vereinen und Landesverbänden vorgestellt. 

Reform der Junioren-Bundesliga: Eigene Ligen für die NLZs der Profi-Teams

Das ausgewiesene Ziel des DFB ist demnach eine individuelle und dem Alter der Spieler angepasste Ausbildung. Diese soll sich vom Ergebnis- und Erfolgsdruck der vergangenen Jahre lösen und ein Umfeld schaffen, in dem sich Spieler möglichst positiv und frei entwickeln können.

Wie diese Ziele erreicht werden können, stellt sich der DFB folgendermaßen vor. Die Bundesligen für U17 als auch U19 sollen abgeschafft und die NLZ aus dem regulären Spielbetrieb ausgegliedert werden. Die aktuell 56 Kaderschmieden der Profi-Klubs würden in diesem Szenario den Titel unter sich ausspielen, ohne einen Abstieg befürchten zu müssen.

TSV 1860 und SpVgg Unterhaching könnten von neuem Konzept profitieren

Blickt man auf die aktuelle Lage der drei großen Profiverein, zeigt sich dass aktuell nur der Nachwuchs des FC Bayern in derU17- und der U19- Bundesliga vertreten ist. Gerade für den TSV 1860 München eine unbefriedigende Situation. 

Hat ein talentierter Spieler mit Potenzial die Wahl, die entscheidenden Jahre im Jugendbereich in der Bundesliga oder der Bayernliga zu verbringen, entscheiden sich viele junge Kicker für diehöhere Spielklasse. Kann der TSV 1860 wie in den vergangenen drei Jahren die höchste Spielklasse nicht anbieten, zerschlägt sich oftmals der erhoffte Wechsel.

Leistungsdruck soll individueller Förderung weichen

Genau an diesem Punkt setzt das neue Konzept des DFB an. NLZs werden zunächst einmal auf eine Stufe gesetzt. Dadurch würden die Stars von morgen dauerhaft auf höchstem Niveau spielen und Vereine müssten sich nicht mehr mit der Gefahr eines möglichen Abstiegs auseinandersetzen. 

Für Vereine wie den TSV 1860 oder die SpVgg Unterhaching könnten das rosige Aussichten sein, denn eine erfolgreiche Jugendarbeit stärkt - so die Idee des DFB - das Fundament für spätere Erfolge im Erwachsenenbereich. Ein Konzept, dass gerade dem TSV 1860 München nicht fremd sein dürfte.

NLZ-Vereine in einer eigenen Liga: Was passiert mit Klubs wie dem FC Deisenhofen?

Namen wie  Kevin Volland, dieBender-Zwillingen oderNeu-Nationalspieler Florian Neuhaus geistern nach wie vor  durch Giesing - in München ist man stolz auf seine Junglöwen. Es scheint so, als ergäbe sich durch das Projekt sowohl für Vereine und Verband eine Win-Win-Situation.

Bei all den positiven Aspekten bleibt jedoch abzuwarten, wie sich mögliche Reformen auf Vereine ohne NLZ auswirken. Ein prominentes Beispiel aus der Region ist der FC Deisenhofen. Die U19 misst sich bereits seit Jahren in der Bayernliga erfolgreich mit den Löwen und Unterhaching

Helmut Lucksch befürchtet Zweiklassengesellschaft

Helmut Lucksch, ehemaliger U19-Trainer desFC Deisenhofen, der 2016/17 mit seiner Mannschaft kurz vor einem Aufstieg in die Junioren-Bundesliga stand, sieht eine solche Entwicklung zumindest zwiegespalten: „Mannschaften und Trainer werden in Zukunft länger Zeit haben, miteinander zu arbeiten, weil der Druck eines möglichen Auf- oder Abstiegs nicht mehr in solchem Maße gegeben ist“, glaubt der 51-Jährige, der auch für kurze Zeit die U19 des TSV 1860 betreut hat. „Dadurch kann die individuelle Förderung der Spieler durchaus in den Vordergrund rücken.“

Er mahnt gleichzeitig aber auch an, dass im Jugendfußball schnell eine Zweiklassengesellschaft entstehen könne: „Kleinen Dorfvereinen wird es in Zukunft kaum mehr möglich sein, talentierte Spieler im Verein zu behalten, weil der Run auf die Nachwuchszentren so groß sein wird, wie FB noch nie zuvor.“

Kluft zwischen Profi- und Amateurfußball so groß wie nie 

In der aktuellen Krise zeigt sich bereits eindrucksvoll, wie groß die Kluft zwischenAmateur - und Profifußball wirklich ist, zumindest was den Erwachsenenbereich angeht. Wird das Projekt Zukunft wie geplant umgesetzt, so bestehen berechtigte Zweifel, ob es wirklich notwendig ist, den Jugendfußball in eine ähnliche Zweiklassengesellschaft zu verwandeln. 

Eine eindeutige Prognose über Erfolg oder Misserfolg der Reformen ist in der aktuellen Zeit wohl ohnehin kaum zu treffen. Etliche Profivereine kämpfen durch die Corona-Pandemie ums Überleben. 

(Thomas Oesterer)

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