Südafrikaner traut sich nicht vor Presse

Claasen, Mulic, Mvibudulu: Unerwartete 1860-Helden

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Erst ein Tor, dann ein Strip: Fejsal Mulic sah für seinen Nacktjubel Gelb, was ihn nicht groß kümmerte.

München - Mit Claasen und Mulic glänzen beim DFB-Pokal-Coup des TSV 1860 München gegen TSG 1899 Hoffenheim zwei verkannte Stürmer als Torschützen.

Auf den Mann des Abends wartete die versammelte Presse vergeblich. „Der traut sich nicht“, ließ die Pressestelle Grüße von Daylon Claasen ausrichten, dem überragenden Spieler beim Sieg des TSV 1860 München gegen TSG 1899 Hoffenheim.

Der flinke Südafrikaner zu schüchtern für einen öffentlichen Auftritt? Davon war zuvor nichts zu spüren gewesen. Claasen, das Fliegengewicht (65 Kilo bei 1,70 m Größe), war am Samstag überall auf dem Platz anzutreffen. Vorne quirlig, hinten effektiv. Keiner lief bei lähmender Hitze mehr als er, und als Krönung haute er auch noch den Ball zur 1:0-Führung ins Netz (51.). In einer Phase, in der Kapitän Christopher Schindler bereits Übles schwante: „Kurz hatte ich Angst, dass es wieder so kommt wie gegen Freiburg (beim 0:1/Red.), als wir uns nicht für unser gutes Spiel belohnt haben.“

Wer weiß, wie die Partie ohne Claasens überlegten Abschluss ausgegangen wäre? Viele hatten den 25-Jährigen bereits als Fehleinkauf abgestempelt. Der erste Feldspieler, den Ex-Sportchef Gerhard Poschner im Sommer 2014 geholt hatte, glänzte ein Jahr lang vor allem durch seinen extravaganten Kleidungsstil. Sportlich schien er durchgefallen, nachdem er unter drei Trainern nur zu Kurzeinsätzen ohne Erinnerungswert gekommen war.

TSV 1860 München gegen TSG 1899 Hoffenheim: Diese Spieler glänzten noch auf dem Platz

Doch der Mann aus der Jugendakademie von Ajax Cape Town war am Samstag nicht der einzige, der quasi aus dem Nichts in eine tragende Rolle schlüpfte. Fejsal Mulic, der Claasen um 33 cm überragt, war in der umkämpften Schlussphase der auffälligste Spieler. Zunächst sorgte er für Raunen auf den Rängen, weil er beste Konterchancen zunichte machte. Dann jedoch, in der dritten Minute der Nachspielzeit, stand der Hüne aus dem letztjährigen U 21-Sturm goldrichtig. Beim klugen Abspiel von Daniel Adlung hielt Mulic gekonnt den Fuß hin – und entblößte im Überschwang der Gefühle seinen beeindruckenden Muskelbauch, was nur Schiedrichter Harm Osmers missfiel. Er zeigte dem jungen Serben gemäß dem Regelwerk die Gelbe Karte.

Als dritter Spieler, den wohl keiner auf dem Zettel gehabt haben dürfte, mischte gegen Ende ein Stürmer mit, dessen Name dem weißblauen Anhang noch etwas holprig über die Lippen kam. „Sté-phane . . .“, rief Stadionsprecher Stefan Schneider erwartungsfroh bei der Einwechslung des Deutschkongolesen. Als Antwort kam aus dem Fanblock ein unverständliches Gemurmel. Mvibudulu sollte das heißen. Der 22-Jährige, geboren in Leipzig, 2013 aus Halle gekommen, war zu seiner eigenen Überraschung im Profikader aufgetaucht. Da Valdet Rama und Krisztian Simon kurzfristig ausfielen, erinnerte sich Ex-U-21-Coach Fröhling an den Mann mit dem Zungenbrechernamen, der die Außenbahnen mit beeindruckendem Tempo zu beackern weiß.

„Er ist der schnellste Spieler, mit dem ich je zusammengespielt habe“, sagte Korbinian Vollmann, Ex-Kapitän der U 21: „Wenn er seine Stärke ausspielt, ist er brandgefährlich. Dazu hat er einen super Körper und ist privat ein richtig lustiger Kerl. Er hat sich’s auf jeden Fall verdient, dass er mal seine Chance bekommen hat.“ Auch für Mulic, „der immer hart arbeitet“, freut sich Vollmann „dass er mal zugestochen hat“. Wohl wissend, dass der Nacktjubel ein teures Nachspiel haben kann: „Ich weiß den Strafenkatalog nicht auswendig, aber der Trainer wird dazu sicher noch was sagen.“

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Von Uli Kellner

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