Extralanger Pokal-Krimi gegen Darmstadt

Der Hexer im Löwen-Trikot: 1860 feiert Elferkiller Hiller - und schreibt Pokal-Geschichte

Riesen-Jubel beim TSV 1860 München: Erstmals als Drittligist geht es in die zweite Runde des DFB-Pokals - Marco Hiller sei Dank.
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Riesen-Jubel beim TSV 1860 München: Erstmals als Drittligist geht es in die zweite Runde des DFB-Pokals - Marco Hiller sei Dank.

Was ein Abend im Grünwalder Stadion? Der TSV 1860 München müht sich im DFB-Pokal gegen Darmstadt 98. Und gewinnt am Ende dank Keeper Hiller im Elfmeterschießen.

München – Es kam, wie es kommen musste. Die Geisterstunde war nur noch 40 Minuten entfernt, als sich abgekämpfte Löwen und Lilien im Mittelkreis wiedertrafen. „Marco Hiller“, riefen die von 120 Pokalminuten gefesselten 1860-Fans – und ihr Liebling enttäuschte sie nicht. Die zurückgekehrte Nummer 1 krallte sich direkt den ersten Elfmeter. Sämtliche Schützen danach verwandelten sicher (für 1860: Steinhart, Tallig, Dressel, Staude, Salger), und um 23.25 Uhr stand die erste kleine Sensation dieser Auftaktrunde im DFB-Pokal fest: Mit einem 6:5-Sieg nach Elfmeterschießen warfen die Löwen den Zweitligisten Darmstadt 98 raus. Die Fans sangen: „Oh, wie ist das schön.“ Erstmals als Drittligist steht der TSV 1860 in der Runde der „letzten 32“.

DFB-Pokal: 1860 startet gegen Darmstadt mit Überraschung - Köllner lässt Dressel gegen 98 spielen

„Ein Wahnsinns-Spiel, ein perfekter Abend – Emotion pur. Hut ab vor der gesamten Mannschaft. Am Ende haben wir verdient gewonnen“, freute sich der „Killer-Hiller“. Das freudige Fazit von Trainer Michael Köllner: „Das war ein Pokalfight, wie ihn sich die Fans wünschen. Hiller hatte eine Wahnsinns-Parade kurz vor Schluss, dann hält er den Elfmeter. Das wird eine lange Nacht in Giesing!“

Köllner hatte sich getraut: Er berief tatsächlich Dennis Dressel in die Startelf, den nach wie vor vom Gegner umworbenen ... ja was eigentlich? Sechser? Achter? In unserem Interview zum Spiel hatte Lilien-Coach Torsten Lieberknecht die Nummer 14 der Löwen als spannenden, „polyvalenten Spieler“ bezeichnet. Elegant umkurvt, die nerdige Taktikfrage, und zumindest die 1860-Fans interessierte am Freitag eh nur dieser Aspekt: Würde sich Dressel so richtig reinhauen gegen den Gegner, zu dem er wechseln wollte?

Schnell zeigte sich: Dressel wollte – aber auch die zehn anderen Löwen, die von Beginn an versuchten, die coronageschwächten Darmstädter (sechs Absenzen) unter Druck zu setzen. Das gelang imponierend. 4158 Fans im Giesinger Flutlicht kamen in den Genuss eines packenden Pokalspiels – mit einem leichten Übergewicht für 1860 nach 45 Minuten. Stefan Lex, wie Dressel und Hiller neu im Team, hatte die erste Chance, bei der er aussichtsreich freigespielt mit einem Lupfer scheiterte (6.). Gefährlich hätte es auch werden können, wenn Biankadi beim Abschluss entschlossener gewesen wäre (23., 40.) oder Steinhart bei einem schönen Flankenlauf einen Abnehmer gefunden hätte (43.). 

Latte, Abseits - 1860 gegen Darmstadt im Glück

Was aber auch kein Tiefblauer in Abrede stellen würde: Die bessere Qualität der Chancen bot sich den zumindest sporadisch angreifenden Gästen. Nach einem wuchtigen Kopfball von Bader durfte Hiller zeigen, dass er während seiner Zwangspause nichts an Souveränität eingebüßt hat (17.). Fünf Minuten später wäre dann vielleicht auch er machtlos gewesen: Luca Pfeifer zog ab, traf die Unterkante der Latte, den Abpraller setzte Phillip Tietz ins Tor, doch Referee Reichel hatte aufgepasst: Abseits! Torlos ging es in die erste Pause.

TSV 1860 gegen SV Darmstadt: Mölders glücklos - Pokalfight geht in die Verlängerung

Und entschlossen kamen die Löwen aus der Kabine. Noch mehr Wille, noch mehr Dominanz, doch es ist wohl kein Zufall, dass 1860 in den ersten beiden Ligaspielen nur einmal ins Schwarze getroffen hatte. Mölders scheiterte per Kopf (53.), Lex per Freistoß (69.) – und dann ging es plötzlich Schlag auf Schlag. Steinhart brachte das Stadion zum Beben (75.). 1:0 im Nachfassen, das nicht hätte zählen dürfen, weil Biankadi bei Steinharts erstem Versuch im Abseits stand und 98-Keeper Schuhen die Sicht versperrte. Aber: Anstatt zu hadern, sorgte Darmstadt für sportliche Gerechtigkeit: 1:1 durch Luca Pfeifer (80.), der Dressel coronamäßig korrekt auf Abstand hielt. Weil’s so schön war, ging der Giesinger Pokalfight in die Verlängerung.

DFB-Pokal: Hiller rettet Löwen ins Elfmeterschießen - der Rest ist Paradedisziplin

Dort ging den Löwen nach etlichen Wechseln und Umstellungen die Linie abhanden. Nur Neudecker bot sich eine gute Chance (111.). Ansonsten schleppte sich 1860 in den 30 Minuten ohne nominelle Stürmer (Mölders, Bär und Lex platt runter) ins Ziel, das da hieß: Elfmeterschießen, die Paradedisziplin von Hiller, der sich mit einem Last-Minute-Reflex gegen Sesay (119.) auf Betriebstemperatur gebracht hatte ...

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