Fünf Maßnahmen gegen den Liga-Frust

So will Fröhling die Löwen wieder flottmachen

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Beschwört er jetzt den Fußball-Gott? Löwen-Trainer Torsten Fröhling ist um seinen Job derzeit nicht zu beneiden.

München – Dem TSV 1860 München droht eine Saison im Abstiegskampf. Mit diesen fünf Mitteln kämpft Trainer Torsten Fröhling gegen einen Misere bei den Löwen an.

Zwei Punkte aus den ersten fünf Spielen sind die schlechteste Ausbeute des TSV 1860 München in der 2. Liga seit 1974. Bei der Giesinger Premiere im Unterhaus stand zum gleichen Zeitpunkt sogar nur ein Zähler auf der Habenseite. Der Saisonstart der Elf von Trainer Torsten Fröhling geriet also zum Rohrkrepierer. Sechzig braucht dringend einen Turnaround, um sich nicht erstmals seit 1994 in die Drittklassigkeit zu verabschieden.

Der Coach weiß, dass seine Spieler - gerade nach der nervenaufreibenden Saison 2014/2015 - nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzen. Deshalb greift er zu fünf Maßnahmen, um die zahmen Löwen schnell wieder auf Kurs zu bringen.

Fröhlings Maßnahme Nummer 1 für den TSV 1860 München: Flügelflitzer öffentlich anzählen

Krisztian Simon

Was in dieser Saison auf den Flügeln abgeht, missfällt Fröhling. Deshalb weicht er von seinem Credo ab, niemals einzelne Profis öffentlich zu kritisieren. Mit Valdet Rama und Krisztian Simon erwischt es nicht zufällig zwei Außenbahnspieler. Über den Albaner sagt der Trainer: "Er spielt zwei, drei, vier Spieler aus. Die Zuschauer freuen sich, aber es kommt nichts dabei rüber." Und Simon wirft der 49-Jährige vor: "Er ist mir zu ruhig."

Nach Rüffel: Rama gelobt Besserung

Keine Frage: Mit diesen Aussagen will Fröhling die beiden Flügelflitzer anstacheln, damit sie noch ein paar zusätzliche Prozentpunkte aus sich herausquetschen. Denn die Kritik ummantelt der Trainer mit lobenden Worten. Rama sei "ein außergewöhnlicher und unberechenbarer Spieler", Simon habe "sehr gute Voraussetzungen". Das muss das Duo nun aber auch zu beweisen.

Fröhlings Maßnahme Nummer 2 für den TSV 1860 München: Angreifer bauchpinseln

Rubin Okotie

Bei Stürmer-Toren steht noch eine fette Null. Doch hier greift Fröhling zum Bauchpinsel. Obwohl Rubin Okotie mittlerweile seit 973 Zweitliga-Minuten keinen Ball mehr versenkt hat, spricht er dem Österreicher das Vertrauen aus: "Wir glauben alle an Rubin, er ist unser Topstürmer. Wenn er wieder trifft, dann kann er in einen Lauf reinkommen wie letztes Jahr." Zugleich stärkt er aber auch einen der stürmenden Konkurrenten. "Er bringt alles mit, um Profi zu werden", schmiert Fröhling dem zuletzt drei Mal in den Kader berufenen Stephane Mvibudulu Honig um den Mund.

Der Coach weiß: Stürmer müssen Vertrauen spüren – dann kullert die Murmel irgendwann auch wieder in den Kasten. Letztlich sind die Torjäger die Lebensversicherung eines Trainers. Zugleich schürt Fröhling den Konkurrenzkampf, indem er jungen Löwen aus der Reserve kleine Fleisch-Happen in Form von Joker-Minuten schenkt.

Fröhlings Maßnahme Nummer 3 für den TSV 1860 München: Youngster vorm Abheben bewahren

Marius Wolf

Marius Wolf erlebt in Giesing einen kometenhaften Aufstieg. Binnen zehn Minuten stürmte der 20-Jährige von der Regionalliga in die U21-Nationalelf. Doch bei den Löwen musste der Youngster, der mit seiner Vertragsverlängerung über 2016 hinaus zögert, jüngst einen Dämpfer schlucken. Die Reise zum Gastspiel in Bochum durfte Wolf gar nicht erst mit antreten. "Er hat den Kopf nicht frei", monierte Fröhling den für die Öffentlichkeit drastischen Schritt. Dabei unterstrich er zugleich, dass das Talent in seinen Gedankenspielen zu einem Führungsspieler heranreifen soll.

Fröhling äußert sich zu Wolf

Es würde wohl niemanden überraschen, sollte Wolf nach seinem Jahr auf der Überholspur den Bodenkontakt verlieren – eine allzu menschliche Reaktion. Doch Fröhling will jegliche Höhenflüge im Ansatz unterbinden und demonstrieren: Niemand ist größer als das Team. Die schmeichelnden Aussagen hinsichtlich Wolfs Rolle im Löwen-Revier sollten dem Ex-Nürnberger darüber hinaus verdeutlichen, dass er seine vielversprechende Karriere in Giesing richtig ankurbeln kann.

Fröhlings Maßnahme Nummer 4 für den TSV 1860 München: Reservisten bei Laune halten

Löwen-Test gegen Wacker Innsbruck

Einige Sechz'ger hatten in dieser Saison bislang nur einen gut bezahlten Bankjob. Gerade wenn es für die Mannschaft nicht läuft, könnte da schnell Mal das große Murren beginnen. So nutzte Fröhling den Test am Donnerstag gegen den österreichischen Zweitliga-Spitzenreiter Wacker Innsbruck, um die Reservisten loszulassen. Ersatz-Keeper Stefan Ortega, der neue Abwehr-Routinier Rodnei oder Eigengewächs Korbinian Vollmann durften sich austoben – leider ohne zählbaren Erfolg.

Natürlich musste Fröhling gegen Innsbruck auch sieben Nationalspieler ersetzen – darunter die gesetzten Daylon Claasen oder Okotie. Doch mit der Entscheidung, anderen Stammkräften eine Auszeit zu gönnen und Akteure aus der zweiten Reihe zu testen, zeigt er Rodnei und Co.: Das ist eure Chance, euch in den Fokus zu spielen! Nach dem Auftritt in Heimstetten sollte aber wohl kein Reservist auf einen Stammplatz im nächsten Ligaspiel pochen.

Fröhlings Maßnahme Nummer 5 für den TSV 1860 München: Zeit für Familie schenken

Koan Spieler an der Grünwalder.

Freie Wochenenden sind für Fußball-Profis Fremdwörter. Da sind die kommenden zwei Tage eine willkommene Abwechslung. Denn Fröhling schickt Kapitän Chris Schindler und Co. in den Kurzurlaub. Der Trainer selbst hatte sich schon Donnerstagabend nach Hamburg verabschiedet. Samstag und Sonntag dürfen auch die Spieler bei ihren Familien Kraft tanken für die kommenden Aufgaben. "Die Jungs stehen vor einer schweren Woche und vor dem extrem wichtigen Auswärtsspiel gegen Düsseldorf - so gesehen wird das freie Wochenende uns allen gut tun", freut sich auch Co-Trainer Collin Benjamin auf die Auszeit.

Diese Zeit zum Durchschnaufen kann noch Gold wert sein. Gerade der erneut drohende Abstiegskampf in den kommenden Monaten wird viel Kraft und Nerven kosten. Da ist jede Abwechslung willkommen - zumal die Spieler in den freien Stunden endlich mal wieder abschalten und auf positivere Gedanken kommen können. Mit voll aufgeladenem Akku lässt es sich ohnehin effektiver trainieren - nicht die schlechtesten Aussichten für die nächste Aufgabe am kommenden Sonntag in Düsseldorf.

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