OB spricht Klartext

Reiter: Zweitliga-Fußball im Sechzgerstadion denkbar

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Zuletzt wurde in der Saison 2004/2005 Profi-Fußball im Grünwalder Stadion gespielt.

München - Überraschend klare Worte: Oberbürgermeister Dieter Reiter hat sich zu einer Rückkehr der Löwen ins Grünwalder Stadion geäußert. Und hält sogar Zweitligafußball in Giesing für denkbar.

Auch Werner Lorant war dabei bei Dieter Reiters liebster Jugend-Erinnerung ans Grünwalder Stadion. Allerdings wird der spätere Kult-Trainer der Löwen weniger gern an den  27. November 1971 denken als der heutige OB. Abwehrspieler Lorant wurde früh ausgewechselt und verlor mit Borussia Dortmund 1:11 gegen den FC Bayern, der damals auch in Giesing spielte. Der kleine Dieter feierte mit seinem Vater und 17 000 anderen Fans den bis heute höchsten Bayern-Bundesliga-Sieg.

 Viele Münchner haben große Erinnerungen an das Grünwalder Stadion. Aber welche Zukunft hat es? Noch vor Monaten schien eine Rückkehr der Löwen-Profis unwahrscheinlich, in der Zweiten Liga sowieso undenkbar. Inzwischen laufen offenbar konkrete Gespräche. Und jetzt erklärt Reiter, dass er sich die Löwen auch dann in Giesing vorstellen kann, wenn sie Zweitligist bleiben. Am Sonntag sagte er im Gespräch mit dem Münchner Merkur: „Ich habe gehört, dass die Sechzger aus wirtschaftlichen Gründen so oder so aus der Allianz Arena rauswollen“.

OB Dieter Reiter.

Und der OB wäre dann – ganz anders als die Stadt-Spitze in den letzten Jahren – wohl offen für eine Heimkehr des TSV. „I dad mi gfrein, wenn die Sechzger wieder im Grünwalder spuin dadn“, sagte er. „Die Löwen haben meinen Segen.“ Als Hindernis gilt, dass derzeit nur 12.500 Fans ins Stadion dürfen. Wie berichtet, hat die Rathaus-SPD beantragt, eine erhöhte Kapazität zu prüfen. Der OB steht dahinter. „Aber wir reden sicher nicht von 30.000 Zuschauern“, sagte er. „Und wahrscheinlich auch nicht von 25.000.“ Auch wenn Sechzig wollte: Der OB sieht viele Fragezeichen. „Wir finanzieren keine Profifußball-Vereine mit öffentlichen Mitteln“, stellt er klar. Investitionen müssten „auf jeden Fall über die Miete refinanziert werden“. Reiter betont auch, dass er letztlich nicht entscheiden könne, wie es weitergeht. Da sei zum einen die Deutsche Fußball-Liga, deren Vorschriften das Stadion entsprechen müsse. „Und das KVR, die Polizei und die MVG. Wenn sie das abnicken, bin ich aber der Letzte, der sich in den Weg stellt.“ Besonders die Polizei hatte in der Vergangenheit immer wieder Bedenken angemeldet, weil die Sicherheitssituation um ein Stadion im Wohngebiet schwierig sei – und angrenzende Straßen gesperrt werden müssen.

 Derzeit gibt es Probleme nur bei den Duellen zwischen den beiden zweiten Mannschaften des TSV 1860 und der Bayern. Am Ostermontag etwa rechnet die Polizei mit einem Verkehrschaos. Im Liga-Alltag hingegen ist es schon viel, wenn wie am Samstag beim Spiel der 1860-U21 gegen Würzburg mal 2000 Zuschauer kommen. Die Polizei meldetete keinerlei Probleme.

Bilder: Das sind Münchens große Stadien

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Probleme mit Anwohnern würde der OB auch dann nicht erwarten, wenn die Profis heimkehren. „Ich glaube zumindest nicht, dass es so einen großen Unterschied macht, ob nun 12.500 oder vielleicht 15.000 zugelassen sind“, sagte Reiter. Er könne sich „gut vorstellen“, dass Sechzig auf Anwohner zugeht, um Lösungen zu suchen, wie man die Belastung gering halten könnte. Kürzlich wurde noch diskutiert, ob den Sechzgern – komplett oder für einzelne Spiele – das Olympiastadion zur Verfügung stehen könnte. „Aber das scheint mittlerweile obsolet zu sein“, sagte Reiter gestern.

Der TSV 1860 gibt sich in der Sache weiter schmallipig. Geschäftsführer Markus Rejek sagte: „Wir freuen uns, dass der OB am Wohle der Löwen sehr interessiert ist und er sich auch einen Spielort Giesing vorstellen kann.“ Für den TSV habe sich aber „an der Faktenlage nichts geändert“. Das soll wohl heißen, dass sich Sechzig mit einem Arena-Auszug weiter nur für den Abstiegsfall beschäftigt. Zumindest ist das die offizielle Version.

Felix Müller

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