Zusammenprall mit Claasen

Stahl-Verletzung: Kreuzbandriss oder doch harmlos?

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Zwischenfall mit Folgen: Löwen-Kämpfer Dominik Stahl (Mitte) musste das Vereinsgelände auf Krücken, nachdem er im Training mit Neuzugang Daylon Claasen zusammengerasselt ist. Eine Kernspin-Untersuchung sollte bis zum Abend Aufschluss darüber geben, wie schwer die Verletzung ist.

München – Den Körper auf Krücken gestützt, den linken Knöchel bandagiert – es tat schon beim Zuschauen weh, wie Dominik Stahl am Donnerstag das Trainingsgelände in Richtung Pasing verließ.

Dort, in der Pippinger Straße, werden seit jeher die akuten Sorgenkinder des TSV 1860 in die Kernspin-Röhre geschoben. Bei Stahl, dem zähen Kämpfer, war das nötig geworden, weil er im Training zuvor mit Neuzugang Daylon Claasen zusammengerasselt war. Zunächst schien das rechte Knie betroffen zu sein, Betreuer Tony Adams machte den sogenannten Schubladentest, der Aufschluss über den Zustand der Kreuzbänder gibt. „Warten wir mal ab“, murmelte Stahl im Davonhumpeln, den Blick gesenkt. Eine genaue Diagnose soll folgen.

Auch Daylon Claasen, Stahls Widersacher, wirkte angeschlagen, als Ricardo Moniz nach zwei Stunden das Training beendet hatte. Claasen eierte mehr, als dass er lief. „Oh-oh, die Adduktoren“, rief ein Beobachter, doch nach dem Duschen, bei seinem ersten Presseauftritt, gab Claasen Entwarnung. „Das ist mein Stil zu laufen“, sagte er und fügte hinzu: „Ich bin extra vorsichtig gelaufen, um die Stollen zu schonen.“ Man ahnt, wie sehr ihm die Sache mit Stahl leid tut, wenn er sich schon um unnötigen Stollenabrieb auf Asphaltboden sorgt. In jedem Fall ein denkwürdiger Einstand.

Auch auf dem Platz hatte der flinke Claasen zuvor die Blicke auf sich gezogen. Seine 100-Meter-Zeit kennt der Sprinter aus Südafrika nicht, doch es war ihm ein Anliegen, eine Darstellung zu korrigieren, die Moniz tags zuvor von sich gegeben hatte. Nämlich die, dass der 24-Jährige aus Verhältnissen stamme, wo es ums Überleben gegangen sei. Claasen schaute ein wenig irritiert, als er diese Version hörte. „Ich komme aus einer kleinen Stadt mit begrenzten Möglichkeiten“, relativierte er, „aber mein Leben war ganz normal.“ Später, als die Jugendakademie von Ajax Cape Town rief, zog die Familie sogar mit ihm in die teure Großstadt, um dem begabten Sohn die zwölfstündige Autofahrt zu ersparen.

Löwen-Training: Stahl muss verletzt abbrechen

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Inzwischen ist Claasen das Reisen gewohnt. Amsterdam, Lierse, Posen waren seine drei Profistationen. Dazu kamen diverse Probetrainings, unter anderem in Ewerthon, Hull, Braunschweig. „Brownetown“, wie Claasen sagt. „Ich bin viel herumgekommen“, sagt er verlegen, fast schon entschuldigend. Es wirkt schließlich so, als habe er sich nirgends durchgesetzt. Sein Entdecker Moniz drückt es etwas freundlicher aus. „Er ist ein Entwicklungsspieler“, sagte der Coach, fußballerisch aber „top ausgebildet“.

24 ist Claasen inzwischen (obwohl er älter aussieht), und 1860 will ihm nun ein Umfeld bieten, um endlich durchzustarten. Lernfähig scheint er ja zu sein, der Mann mit den Tattoos, den Thomas-Müller-Wadeln und den roten Turnschuhen. „Ich hab schon gehört, dass diese Farbe hier verboten ist“, sagte er und versprach: „Das nächste Mal komme ich in blau.“

von Uli Kellner

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