"Mehr Bangen als Hoffen"

Drei Fragen zu den Krisen-Löwen

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Um den TSV 1860 muss man sich viele Sorgen machen.

München - Die tz hat neun Experten, die sich bei den Löwen auskennen, zur aktuellen Lage an der Grünwalder Straße befragt. Lesen Sie hier, was Lorant und Co. zu sagen haben.

Frage 1: Wer ist schuld an dem Desaster?

Frage 2: Wie sind die Löwen noch zu retten?

Frage 3: Wie bewerten Sie den aktuellen Ärger um Noor Basha?

Fredi Heiß, Meisterlöwe:

➊ Wenn ich einen Kader von 30 Spielern habe, wo jeder austauschbar ist, dann muss ich mich nicht wundern, wenn keine Stabilität reinkommt. Mehr will ich dazu jetzt gar nicht sagen.

➋ Ich hoffe, dass der Trainer seine Begeisterung noch mehr auf die Spieler übertragen kann. Sie müssen sich trauen, Fußball zu spielen. Bei noch zehn ausstehenden Spielen sollte das möglich sein.

➌ Das ist mir zu blöd, um es zu kommentieren. Es darf jetzt nur ein Thema geben: den Klassenerhalt.

Michael Hofmann, Ex-Keeper:

➊ Vom Präsidenten über den Sport-Geschäftsführer bis zum sogenannten Kaderplaner lässt sich niemand ausnehmen. Du hast einen Haufen Spieler, aber nach 24 Spieltagen immer noch keine Mannschaft und keinen Leader.

➋ Du brauchst meiner Meinung nach noch 15 Punkte. Mit blutleeren Auftritten wie gegen Sandhausen werden die schwer zu holen sein, auch wenn ich die Hoffnung nicht aufgebe.

➌ Die Außenwirkung ist fatal. Markus Rejeks Appell sagt alles.

Thomas Miller, Aufstiegsheld 1994:

➊ Ich halte es für nicht angebracht, dazu öffentlich jetzt was zu sagen, das bringt nur Unruhe. Nach der Saison muss natürlich Tacheles geredet werden.

➋ Ich gehe nach wie vor davon aus, dass wir drinbleiben. Das Sandhausen-Spiel musst du schnell abhaken, am Freitag geht’s schon weiter in Fürth. Wer es schafft, jedes Spiel für sich zu betrachten, die Nerven zu bewahren und alles andere auszublenden, der packt’s. Es gibt doch nichts Schöneres als die anstehenden direkten Duelle. Da kannst du Zeichen setzen!

➌ Wer Sportmanager werden will, der sollte Ahnung vom Sport haben, mehr will ich dazu nicht sagen.

Franz Hell, Allesfahrer:

➊ Zusammengestellt hat den Kader Gerhard Poschner. Für mich ist das der schwächste 1860-Kader seit 20 Jahren. Es war schon sehr blauäugig, mit Poschner jemanden zum Sportchef zu machen, der diese Position in Deutschland noch nie hatte.

➋ Ich will die Mannschaft noch nicht abschreiben, auch wenn mich die letzten Spiele inklusive des Dreiers gegen Pauli sehr nachdenklich gemacht haben. Meine Hoffnung ruht auf einer schnellen Genesung von Rubin Okotie und auf Rodri, der hoffentlich bald eine Alternative im Sturm ist.

➌ Ich wünsche mir mal eine klare Aussage des Investors. Dieses Rätselraten ist eine Katastrophe – auch für die Mannschaft.

Karl Auer, Ex-Präsident:

➊ Da bin ich zu weit weg, um das wirklich beurteilen zu können. Fakt ist, dass zu viele neue Spieler da sind.

➋ Der neue Trainer macht wirklich keinen schlechten Eindruck auf mich. Die Mannschaft ist verunsichert, das ist ganz schwer rauszubekommen. Du musst auf Biegen und Brechen die beiden Heimspiele gegen Aalen und Aue gewinnen, dann stehen die Chancen auf den Klassenerhalt gut.

➌ Es ist ganz schlecht, wenn in dieser Situation noch solche Unstimmigkeiten hinzukommen. Damit schaffst du Alibis, gibst ein zerrissenes Bild ab. Letztlich werden diese Querelen auf dem Rücken der Fans und Mitglieder ausgetragen, das tut mir im Innersten weh.

Hans Rebele, Meisterlöwe 1966:

➊ Die gesamte Führung mit dem Manager ist schuld. Das Präsidium hat einen Manager geholt, der nicht passt, dieser einen Trainer, der nicht passte. Für mich sind das alles Leute, die kein Gespür dafür haben, worauf es bei 1860 ankommt.

➋ Wir alten Löwen aus der Meistermannschaft sagen ja schon seit Langem, dass diese Mannschaft gegen den Abstieg spielt. Gegen St. Pauli und Ingolstadt hatten wir noch Glück, gegen Sandhausen nicht mehr. Es ist ein Bangen und Hoffen. Allerdings mehr Bangen als Hoffen.

➌ Ich weiß nicht, welchen Job Basha machen sollte. Geld haben wir auch keines. Ich würde es ohne Geld machen, wenn ich den Job könnte. Aber ich kann ihn nicht…

Erich Beer, Löwenlegende:

➊ Das Präsidium und der Sportchef. Es war nie eine klare Linie zu erkennen, und man hat sich nicht darauf konzentriert, was in der 2. Liga wichtig ist. So viele Ausländer auf einmal zu holen, war nicht ideal.

➋ Ich hoffe, dass 1860 mit Ach und Krach Platz 15 schafft. Allerdings befürchte ich auch, dass sich manche Spieler schon gar nicht mehr auf 1860 richtig konzentrieren.

➌ Das bringt jetzt noch mehr Unruhe rein. Der Mann hat kein Recht, einen Job zu beanspruchen, es sei denn, sein Cousin zahlt ihn.

Karsten Wettberg, ehemaliger Erfolgstrainer:

➊ Diejenigen, die den Kader zusammengestellt haben. Ob es Gerhard Poschner allein war, weiß ich nicht. Allerdings ist in keinem Gremium sportliche Kompetenz zu erkennen.

➋ Nach den zuletzt gebotenen Leistungen wäre man schon ein großer Optimist, wenn man noch an den Klassenerhalt glaubt. Also sage ich mal, dass die Chance, drin zu bleiben, bei fünfzig, sechzig Prozent liegt.

➌ Dazu fällt mir eigentlich gar nichts ein. Da fehlen einem die Worte. Das ist ein Nebenkriegsschauplatz, den man zurzeit überhaupt nicht braucht im Verein. Aber bei dieser ganzen Nummer mit Hasan Ismaik blicke ich schon lange nicht mehr durch.

Werner Lorant, Ex-Trainer:

➊ Wer ist Sportvorstand? Wer ist verantwortlich für die Kaderzusammenstellung? Der Sportvorstand, Gerhard Poschner. Es wurden Spieler geholt, die dir nicht weiterhelfen, aber das Geld ist weg. Der Trainer, der absolute Wunschkandidat, nämlich Moniz, wurde nach sieben Spielen entlassen. Noch Fragen?

➋ Ich hoffe sehr, dass 1860 drin bleibt, aber es wird schwer. Die werden nicht mehr stärker. Das ist keine Art, Fußball zu spielen. Jetzt musst du auf die erfahrenen Leute bauen. Mit jungen Spielern hast du keine Chance.

➌ Das mit der Drohung von Basha geht gar nicht. Außerdem: Wofür brauche ich einen stellvertretenden Sportdirektor? 1860 hat schon einen Kaderplaner, den brauche ich aber auch nicht.

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