"Junge Männer aus dem Fanumfeld"

Randalieren Löwen-Hools beim EHC Klostersee?

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Zuletzt waren 50 Polizisten in Grafing im Einsatz.

Grafing - Eine Gruppe von Randalieren macht dem EHC Klostersee das Leben schwer. Bislang wissen weder Verein noch Polizei, mit wem sie es zu tun haben. Der Vorsitzende vermutet, dass es "junge Männer aus dem Fanumfeld des TSV 1860" sind.

Alexander Stolberg ist wütend. Denn statt sich auf die am Freitag beginnenden Pre-Playoffs gegen ­Deggendorf zu konzen­trieren, muss sich der erste Vorsitzende des EHC Klostersee aus Grafing mit Polizei, Sicherheitsdiensten und Stadionverboten herumschlagen.

Seit der vergangenen Saison macht eine Gruppe von Randalierern dem Eishockeyklub aus der Oberliga das Leben schwer. In mehreren Spielen kam es zu Ausschreitungen auf den Rängen und vor dem Stadion. Für Stolberg, der den Grafinger Verein zehn Jahre lang mit aufgebaut hat, eine Katastrophe. „Der ganze Verein leidet darunter“, sagt Stolberg. Bislang wissen weder Verein noch Polizei, mit wem sie es zu tun haben. Stolberg vermutet, dass es „junge Männer aus dem Fanumfeld des TSV 1860“ sind. Diese Löwen-Hooligans hätten in der Allianz Arena Hausverbot und suchten sich nun einen anderen Platz. Aber warum hat es Grafing (12.700 Einwohner) getroffen? „Da kann man schön mit der S-Bahn hinfahren“, sagt Stolberg. „Das Ziel muss in erster Linie sein, dass diese Idioten nicht mehr ins Stadion kommen.“

Beim vorletzten Heimspiel gegen Weiden rückten 50 Polizeibeamte an, um mit dem vom Verein organisierten Sicherheitsdienst weitere Ausschreitungen zu verhindern. „Was mich am meisten stört, ist, dass der Verein vor diesen Vorfällen einen vorzüglichen Ruf genossen hat“, sagt Stolberg.

Nur noch 550 Fans: Seit sich die Schlägereien häufen, bleiben die Zuschauer weg

Doch seitdem sich Schlägereien häufen, bleiben die Zuschauer weg. Während in der vergangenen Saison noch 550 Fans Spiele des EHC besuchten, sind es dieses Jahr 100 weniger. Für den Verein bedeutet dies sinkende Einnahmen, denn auch der Sicherheitsdienst will bezahlt werden. Und diese Kosten würden inzwischen enorme Ausmaße annehmen, sagt Stolberg. Beim Spiel gegen Weiden musste der kleine Verein 1700 Euro an die Ordner abtreten: „Ein großes Problem für das chronisch arme Klostersee.“

Seit zweieinhalb Jahren landen Vorfälle wie jene aus Grafing bei Oliver Seeliger vom DEB. Denn die Vereine der Oberliga Süd haben sich entschieden, ihr Hausrecht und damit das Recht, Stadionverbote zu verhängen, an den Verband abzutreten. „Früher gab es das Pro­blem nicht“, sagt der Spielleiter, inzwischen aber werden ihm bis zu 50 Vorfälle pro Saison gemeldet – darunter viele vom EHC Klostersee. Seeliger: „In Grafing gibt es signifikant mehr Ausschreitungen als in anderen Städten.“

Damit das nicht so bleibt, will der EHC durch konsequentere Einlasskontrollen das Dutzend gewaltbereiter Männer ausfindig machen. Auch die Stadt Grafing, die das Stadion mit jährlich 90 000 Euro bezuschusst, hofft auf eine schnelle Lösung. „Wir werden den Verein aber nicht bestrafen, indem wir ihm seine Zuschüsse entziehen“, sagt Grafings Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne). Klostersee sei seit Jahrzehnten „eine feste Größe“ in Grafing und leiste vorbildliche Jugendarbeit – und das soll auch so bleiben.

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