tz-Interview über die Probleme bei 1860 und Club

Beer: Kein Geld, keine Fachleute, keine Geduld ...

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Erich Beer.

München - Seine beiden Ex-Vereine treffen am Montag in Nürnberg aufeinander. Die tz sprach mit Erich Beer über den Club und 1860, über Tradition, Hoffnungen, Enttäuschungen und Fehler.

Beim 1. FC Nürnberg startete er 1968 seine beeindruckende Bundesligakarriere (342 Spiele/97 Tore), beim TSV 1860 beendete Erich Beer 16 Jahre später seine Laufbahn, zu der als größtes Highlight die WM-Teilnahme 1978 in Argentinien gehörte. Jetzt ist aber 2. Liga angesagt. Seine beiden Ex-Vereine treffen am Montag in Nürnberg aufeinander, logisch, dass der 68-Jährige diesem Traditionsderby entgegenfiebert. Die tz sprach mit Beer über beide Vereine. Über Tradition, Hoffnungen, Enttäuschungen und Fehler.

Herr Beer, 1860 und der Club haben schon seit längerem viel gemeinsam: Chaos in der Führung, ausbleibender sportlicher Erfolg, aber trotzdem immer auch die Hoffnung, dass man irgendwann mal wieder ganz groß rauskommt.Was läuft schief in Nürnberg und an der Grünwalder Straße? 

Erich Beer: Beim TSV 1860 ist es ja seit dem Rücktritt des Präsidiums und diesem Theater um Gerhard Poschner Gott sei Dank etwas ruhiger geworden, wobei die derzeitige Situation mit Interimslösungen, sowohl beim Präsidium wie beim Sportchef, natürlich auch nicht das Wahre ist. Was mir auffällt, ist, dass in beiden Vereinen sowohl im Präsidium wie im Aufsichtsrat keine Fachleute sind, was den Fußball betrifft. Wenn der Trainer oder Sportchef was vorhaben, dann wird das einfach abgenickt. Es gibt keine zwei Meinungen. Und dann passiert eben so etwas wie mit den drei Spaniern bei 1860. Oder nehmen Sie Nürnberg. Da wird der Sportdirektor Martin Bader entlassen, soll aber noch bis Oktober weitermachen. Das ist einfach eine ungute Sache. Mal ganz abgesehen davon, dass gegen Bader schon seit Langem aus dem Aufsichtsrat, vor allem vom ehemaligen Rundfunkreporter Günther Koch, geschossen wird.

Warum geht es eigentlich immer bei diesen Traditionsvereinen so drunter und drüber?

Erich Beer: Weil dort die Geduld fehlt und die vielen treuen Anhänger einfach Erfolge fordern. Bei Nürnberg und Sechzig fehlt aber auch immer wieder das nötige Geld, um Spieler zu holen, die diese Erwartungen erfüllen können. Schalke ist doch ein ähnlicher Fall.

Trotzdem wurden bei beiden Vereinen die Kader oft schlecht zusammengestellt, oder? 

Erich Beer: Es ist sicher bei beiden Klubs schwer, was aufzubauen. Kaum werden neue Spieler geholt, sind diese dazu auserkoren, den Aufstieg schaffen zu müssen. Da wird mir manches zu leicht genommen. Es wird auch jedes Jahr viel zu viel das Personal gewechselt. Warum lässt 1860 einen Halfar oder Aigner ziehen und holt an deren Stelle schlechtere Spieler?

Es gibt auch ein anderes Phänomen. Wie jetzt bei Julian Weigl. Bei den Löwen war er quasi ein Mitläufer, bei Dortmund gehört er wahrscheinlich zur Stammelf.

Erich Beer: Darüber habe ich mich kürzlich erst mit Herbert Waas (ehemaliger Löwen-Spieler, d. Red.) unterhalten. Der sagte auch: Die, die bei uns nix sind, schlagen woanders ein, und wenn wir gute Spieler holen, dann bringen die bei uns nix.

Erinnern Sie sich eigentlich noch an Ihr allererstes Derby als Spieler?

Erich Beer: Das müsste die Partie in München gewesen sein, als wir 1968 in der Vorrunde 0:2 oder 0:3 verloren haben. Wir waren sehr schlecht, die Löwen sehr gut.

0:2 ging’s aus.

Erich Beer: Gut. Aber das Rückspiel haben wir 3:0 gewonnen. Ex-Löwe Hennes Küppers hat zwei Tore geschossen.

Als Sie in Nürnberg anfingen, war Max Merkel Ihr Trainer, bei 1860 hieß Ihr erster Coach Wenzel Halama, ein ehemaliger Assistent von Merkel. Wie war’s?

Erich Beer: Bei beiden brutal hart. Merkel hat uns in der Vorbereitung vom ehemaligen deutschen Ski-Star Luggi Leitner auf die Berge im Kleinwalsertal hochjagen lassen. Der ist gelaufen wie eine Gemse, und bei uns haben sich viele Spieler übergeben. Merkel hat von unten mit dem Fernglas raufgeschaut. Und bei Halama waren wir in der Saisonvorbereitung in der Bundeswehrkaserne in Sonthofen untergebracht. Vier mal Training am Tag. Vier oder sechs Spieler in einem Zimmer mit Stockbetten, absoluter Drill und Bundeswehrkost. Das war ebenfalls brutal.

Der beste Spieler in der Geschichte des TSV 1860 bzw. des 1. FC Nürnberg?

Erich Beer: Man könnte einige Meisterlöwen nennen, aber für mich ist es mein damaliger Mitspieler Rudi Völler. Und beim Club natürlich Max Morlock. Ich habe ihn im WM-Finale 1954 auf den Schultern meines Opas im Fernsehen gesehen.

Und das Spiel am Montag. Sind Sie in Nürnberg?

Erich Beer: Nein. Ich spiele in Riemerling Tennis mit Hansi Rebele und Herbert Waas und danach schauen wir uns dort das Spiel im Fernsehen an.

Als Junger beim Club, als „Alter“ bei 1860

Dreizehn Jahre liegen zwischen diesen ­beiden Bildern. 1968 stieß Erich Beer (Mannschaftsfoto, unten 2. von links) zum 1. FC Nürnberg, der von Max ­Merkel (links oben) trainiert wurde und gerade Deutscher Meister geworden war. Ein Jahr später stieg der Club als Titelverteidiger ab, Merkel hatte die Nürnberger allerdings schon im Frühjahr verlassen. Beer erinnert sich an die Verabschiedung in der Sportschule Grünwald: „Man möchte es nicht glauben, aber dieser harte Hund hatte damals wirklich Tränen in den Augen.“

Auf diesem Bild sieht man Beer mit dem jungen Rudi Völler, als beide einen ­Treffer in der Zweitligasaison 1981/82 für den TSV 1860 bejubeln.

Interview: Claudius Mayer

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