Wann kriegt 1860 einen Hoffenheimer, Herr Tanner?

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Hoffenheim-Manager Ernst Tanner

Sinsheim/München - Mit Hoffenheim kehrt Manager Ernst Tanner am Samstag nach München zurück. Vor dem Spiel beim FC Bayern spricht er über seinen Ex-Klub TSV 1860 und die Aufstiegschancen der Blauen.

Hallo Herr Tanner, schön wieder nach München zu kommen?

Tanner: Ja, immer wieder. Für mich gibt es da ja verschiedene Anlässe, ich habe noch viele Freunde dort.

Und sportlich? Freut man sich als ehemaliger Sechzger darauf, die Bayern zu ärgern?

Tanner: Nein, da will ich gar nicht mehr zurückblicken. Wir spielen da mit Hoffenheim!

Wären Sie denn froh, wenn Sie endlich mal nicht unentschieden spielen würden (nach sechs Remis in den letzten acht Spielen, d. Red.)?

Tanner: Dieses Mal wäre ich ausnahmsweise mit einem Unentschieden zufrieden (lacht). Ansonsten sieht man im Moment einfach unsere fehlende Kaltschnäuzigkeit, wenn wir eben nicht das zweite Tor machen.

Starke Sprüche: Wie sich die Bayern einst mit Hoffenheim fetzten

Als sich 1899 Hoffenheim und der FC Bayern in der Saison 2008/2009 an der Bundesliga-Spitze duellierten, flog so mancher verbaler Giftpfeil zwischen der bayerischen Landeshauptstadt und dem Kraichgau. Der "Kicker" hat die besten Sprüche aus beiden Lagern zusammengestellt. Lesen Sie hier nach, was sich Rummenigge, Hoeneß, Rangnick & Co. alles zu sagen hatten. © Getty
Karl-Heinz Rummenigge: "1899? Ich frage mich: Wo haben die sich über 100 Jahre lang versteckt?" © Getty
Uli Hoeneß: "In Hoffenheim wird professionell gearbeitet - und mehr bezahlt, als sie überall rumerzählen." © Getty
Ex-Trainer Ralf Rangnick: "Was Ribéry an Ablöse gekostet hat und an Gehalt kostet - das würde bei uns für zwei, drei Jahre für den ganzen Kader reichen." © Getty
Uli Hoeneß: "Trotz der Finanzkrise hat der Herr Hopp schon noch ein paar Euro übrig, deshalb muss man sie ernst nehmen in den nächsten Jahren. Bayern spielt gegen einen Milliardär." © Getty
Philipp Lahm: "Hoffenheim ist kein Dorfverein, genausowenig wie SAP keine Garagenfirma ist." © Getty
Ralf Rangnick: "Wenn Sie flotte Sprüche hören wollen, müssen Sie nach München fahren. Für flotten Fußball müssen Sie nach Hoffenheim kommen." © Getty
Rangnick: "Wenn es darum geht, das Trikot zu tauschen, ist es okay. Aber um im Western-Bild zu bleiben: Es geht eher darum, uns den Skalp zu sichern." © Getty
Uli Hoeneß soll damals beim 2:1-Sieg der Bayern in der Halbzeit Schiedsrichter Florian Meyer angebrüllt haben: "Die fallen nur um, und Sie fallen auch noch darauf rein. Wenn man so etwas durchgehen lässt, ist das der Tod des Fußballs." © Getty
Dazu Tobias Weis: "Diese Vorwürfe sind doch absoluter Blödsinn! Ich fürchte, wenn wir weiter so spielen, werden wir am Ende der Saison mehr Feinde als Freunde haben." © Getty
Hoffenheims Direktor für Nachwuchsförderung Bernhard Peters wollte Bayern-Manager Uli Hoeneß damals angeblich in der Kabine zum Sieg gratulieren. Doch Hoeneß soll unwirsch reagiert haben: "Das ist eine unglaubliche Sauerei, was ihr da macht! Rangnicks linke Schauspieltruppe!" © Getty
Uli Hoeneß im DSF-Doppelpass: "Ich schätze das Modell Hoffenheim. Das Einzige, was mir Sorge bereitet, ist die Besserwisserei von Ralf Rangnick. Ich habe eine große Sorge: Bisher war er überall im ersten Jahr super, ein Jahr später wurde er entlassen. Die Höhenluft ist sehr dünn. Rangnick versteht es seit sechs Monaten nicht, mit ihr umzugehen." © Getty
Jan Schindelmeiser (damals 1899-Manager): "Die Bemerkungen gegen Ralf Rangnick gingen zu weit. Das war persönlich verletzend." © Getty
Bundestrainer Joachim Löw: "Hoffenheim wird bis zum Schluss oben dabeibleiben. 2009/2010 kann ich mir 1899 sehr gut in der Champions League vorstellen." © Getty
Jan Schindelmeiser, als 1899 Hoffenheim zum besten Team 2008 gekürt wurde: "Ich weiß, dass die Bayern gerne Herbstmeister geworden wären. Wir widmen ihnen diesen Titel. Für uns ist er nicht so wichtig." © Getty
Tom Starke sagte vor dem Duell im Februar 2011, als die Bayern auf Position 5 und Hoffenheim auf Rang 7 standen: "Bei den Bayern läuft es gerade richtig schlecht, das müssen wir ausnutzen. Ich glaube, diesmal sind sie reif!" © Getty

Im Hinspiel haben Sie mit einem 0:0 immerhin die Bayern-Serie gestoppt.

Tanner: Absolut, das war ein sehr ansehnliches 0:0. Wir waren dem Sieg näher als die Bayern.

Was hat sich in der Zwischenzeit, auch mit Markus Babbel, geändert?

Tanner: Wir attackieren weiter vorne, spielen schneller in die Spitze. Es gibt Anzeichen, dass wir wieder attraktiver spielen. Aber der Markus ist ja auch erst ein paar Tage da…

Guter Punkt: Hat man bei 1899 eigentlich noch Zeit, eine eigene Spiel­idee zu entwickeln?

Tanner: Wir haben eine Spielidee! Die haben wir in der Vergangenheit nur nicht ganz so konsequent verfolgt. Aber da kommen wir wieder hin!

Die Frage zielte mehr auf die letzten beiden Trainer bzw. ihre kurze Amtszeit ab.

Tanner: Die Frage ist berechtigt. Aber es ist doch so: Bei Marco Pezzaiuoli war nicht erkennbar, dass er die Philosophie weiter führt. Bei Holger Stanislawski haben wir anfangs wirklich gut gespielt, aber nach und nach hat die Mannschaft den Faden verloren. Und der Trainer hatte enorme Probleme, dagegenzusteuern. Also haben wir uns zusammengesetzt – der Glaube war letztlich nicht mehr da.

Bei Ihnen im Kraichgau ist es ein wenig wie beim FC Bayern: Es meldet sich immer mal wieder jemand von oben.

Tanner: Wissen Sie, ob das jetzt Dietmar Hopp ist, Uli Hoeneß oder früher Wolfgang Overrath – das gibt es in jedem Verein. Und in jedem Verein ist irgendwo immer eine Problematik damit verbunden. Doch damit müssen wir leben.

Heißt im Umkehrschluss: Es wäre einfacher, wenn man Ruhe hätte?

Tanner: Ich denke, da wird immer wieder und auch zu Unrecht einiges hochstilisiert. Es ist doch so, dass wir und auch ich freie Hand bei Entscheidungen haben. Aber klar ist auch: Die Meinung von Dietmar Hopp hat Gewicht in diesem Verein. Und das ist auch absolut in Ordnung so.

Hoffenheim: Der etwas andere Bundesligist

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Wie ist denn derzeit Ihre Meinung zum TSV 1860?

Tanner: Das verfolge ich natürlich schon, insbesondere wegen Kevin Volland. Ansonsten habe ich aus der Distanz nicht mehr so einen intensiven Draht dazu. Das hat sich reduziert.

Wünschen Sie sich den Aufstieg der Löwen? Dann sieht man sich nächstes Jahr zumindest sportlich zweimal.

Tanner: Ich gönne es den Löwen, klar. Was zählt, ist die Frage, ob es noch realisierbar ist. Ich glaube nicht, dass die ersten beiden Plätze noch angegriffen werden können. Und auf Rang drei darf man zwar noch berechtigte Hoffnungen haben – zuletzt hat es aber nicht gereicht, den Drittletzten der Bundesliga zu schlagen.

Planen Sie derweil, weitere 1860-Talente nach Hoffenheim zu locken (zuletzt Peniel Mlapa, Tobias Strobl und über Umwege Fabian Johnson; Kevin Volland folgt im Sommer, Anm. d. Red.)?

Tanner: Wir werfen unseren Blick nicht ausschließlich auf Sechzig-Talente, das dürfen Sie glauben (lacht).

Aber Sie haben doch sicher noch guten Kontakt zur Jugendabteilung der Löwen.

Tanner: Na ja, auch diese Leute gehen ja langsam alle weg!

Sie meinen Jürgen Jung, Ihren ehemaligen Kollegen. Der ist nun bald ein Roter.

Tanner: Ja, wir haben darüber gesprochen. Ich habe ihm meine Gratulation ausgedrückt. Allerdings mehr zum beruflichen Sprung als zu den Bayern. Ich kann den Schritt verstehen, auch wenn es eine heikle Sache ist, zum Rivalen zu gehen.

Können Sie denn noch was für die Löwen tun? Wann gibt Hoffenheim mal jemanden ab an Sechzig?

Tanner: Grundsätzlich ist das immer möglich! Aber wir spielen natürlich in einer anderen Liga, damit meine ich auch die Gehälter. Es gab ja auch Verhandlungen, zuletzt über einen Wechsel von Andreas Ibertsberger. Da war man ja schon relativ weit, es hätte funktionieren können. Von daher: Wir werden sehen, ob sich in der Zukunft etwas ergibt.

Interview: Michael Knippenkötter

Diese Talente verließen die Löwen in jungen Jahren

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