Er ist Heidenheims erfolgreichster Fußballer

"Für 1860 wird’s schwer"

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Horst Blankenburg im März 1970 beim 2:1-Sieg gegen Bayern. Es war das letzte Bundesliga-Derby im „Sechzger“.

München - Horst Blankenburg (67) ist der ideale Gesprächspartner vor dem Duell am Montag zwischen den Löwen und dem 1. FC Heidenheim. Warum? Das erfahren Sie hier.

Er ist in Heidenheim geboren, hat eineinhalb Jahre (1969 bis 1970) für den TSV 1860 in der ersten bzw. zweiten Bundesliga gespielt und später drei mal den Europapokal der Landesmeister (Vorgänger der Champions League) gewonnen. Horst Blankenburg (67) ist also der ideale Gesprächspartner vor dem Duell am Montag zwischen den Löwen und dem FC Heidenheim. Von den Europacupsiegen natürlich mal abgesehen. Der berühmteste und mit Abstand erfolgreichste Fußballer, den die Stadt Heidenheim hervorgebracht hat, liefert auch Stoff für unnützes Wissen: Blankenburg schoss nämlich das erste Bundesligator für den TSV 1860 nach der allerersten bemannten Mondlandung im Juli 1969.

Herr Blankenburg, 1860 gegen Heidenheim, wie sehr interessiert sie das?

Horst Blankenburg: Schon. Das sind zwei meiner Ex-Vereine, die verfolgt man natürlich.

Die Löwen stehen im Abstiegskampf. Glauben Sie, dass der Klassenerhalt geschafft wird?

Horst Blankenburg: Das wird schwer. Es ist das alte Lied: Bei 1860 findet man nie die richtigen Leute in der Führung. Und das bei diesem Umfeld. Die Fans wären ja immer noch da.

Sie sprechen aus Erfahrung. In Ihrer ersten Saison 1969/70 ist der TSV 1860 aus der ersten Liga abgestiegen. 

Horst Blankenburg: Ja. Obwohl wir einen guten Kader hatten. Mit Stürmern wie Klaus Fischer und Ferdl Keller, die später Nationalspieler wurden. Dann wurden noch Fredi Heiß und Wilfried Kohlars, die im Sommer schon aufgehört hatten, reaktiviert. Aber leider zu spät.

Viele sind nach dem Abstieg gegangen. Sie blieben auch in der Zweitklassigkeit. Warum?

Horst Blankenburg: Ich hatte ein Angebot vom 1. FC Köln, aber 1860 hat mir viel versprochen, u. a., dass ich ein Geschäft übernehmen kann. Aber die Versprechungen wurden nicht eingehalten, und als Ende 1970 das Angebot von Ajax Amsterdam kam, war der Verein froh, dass er mich für 320 000 Mark Ablöse verkaufen könnte. Sonst wäre 1860 pleite gewesen.

Und Ajax war der absolute Glücksfall für Sie…

Horst Blankenburg: Das kann man wohl sagen. Mit Johan Cruyff in einer Mannschaft zu spielen – ein Traum. Er war der Allergrößte. Wir haben von 1971 bis 1973 dreimal hintereinander den Europacup der Landesmeister gewonnen. Wir waren die beste Mannschaft der Welt. Unter anderem haben wir die Bayern damals mit 4:0 weggehauen. Die hatten keine Chance.

In Amsterdam wurde eine Brücke nach Ihnen benannt. Eine große Ehre?

Horst Blankenburg: Natürlich. Aber diese Ehre wurde jedem Spieler zuteil. Es gibt ja auch genug Brücken in Amsterdam…

Trotz all der großen Erfolge haben Sie kein einziges Länderspiel bestritten. Woran lag’s? 

Horst Blankenburg: Mein Pech war, dass es damals einen Franz Beckenbauer gab. Ich war ja auch Libero. Allerdings hätte ich auch andere Positionen in der Defensive spielen können. Mit dem Franz habe ich übrigens mal zusammengespielt, 1972 in der Europaauswahl. Als einziger Nicht-Nationalspieler bin ich dafür nominiert gewesen. Nach diesem Spiel hat mir Bundestrainer Helmut Schön zu verstehen gegeben, dass er auf mich bald zurückgreifen würde. Ich habe aber nie mehr was von ihm gehört. Oder doch. Nach unserem dritten Europacupsieg 1973 gegen Juventus Turin hat er nicht gut über mich gesprochen. Daraufhin habe ich einem Journalisten gesagt – ich hatte schon ein paar Bier intus – dass mich der Schön am A... lecken könne. Das war’s dann.

Später waren Sie beim Hamburger SV, da gab’s auch Probleme, oder?

Horst Blankenburg: Vor dem Europacup-Finale 1977 gegen Anderlecht habe ich gesagt, dass Peter Krohn, damals der starke Mann beim HSV, zwar ein Riesenmanager sei, aber vom Fußball keine Ahnung habe. Prompt saß ich im Finale auf der Bank.

Was machen Sie heute?

Horst Blankenburg: Ich bin Rentner, lebe mit meiner Frau Marisa in Spanien, in Fuengirola, das ist an der Südküste. Hin und wieder bin ich in Amsterdam, schaue mir Champions-League-Spiele an und treffe mich mit den alten Kumpels.

Und was ist mit München und Heidenheim?

Horst Blankenburg: In beiden Städten war ich schon lang nicht mehr. Es wird eigentlich wieder mal Zeit. Vor allem, weil ich noch nie ein Spiel in der Allianz Arena erlebt habe.

tz

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