Neue Therapie für CFS in Sicht

Ex-Löwe Bodden: Die Hoffnung ist zurück!

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OIaf Bodden – hier auf einer Trage bei einem Benefizspiel – hat neuen Mut geschöpft.

München - Möglicherweise kann dem schwerkranken Olaf Bodden eine spezielle Zelltherapie helfen: „Ich hoffe sehr darauf, dass ich bald die Chance dazu bekomme“, sagt Bodden der tz.

Manchmal ist es doppelt wichtig zu wissen, dass man nicht alleine ist. ­Eine Erkenntnis, aus der der schwer­kranke Olaf Bodden (46) gerade neuen Mut schöpft. Zum einen, weil es in Deutschland 300 000 Leidensgenossen gibt; sie können nachempfinden, wie sehr ihn sein chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS) quält. Und zum anderen, weil der frühere Publikumsliebling des TSV 1860 ­echte Freunde hat. „Die Anteilnahme an Olafs Schicksal ist sehr groß – gerade in der Löwenfamilie“, berichtet Karsten Wettberg.

Olaf Bodden mit Karsten Wettberg.

Der frühere Kulttrainer hat gemeinsam mit dem langjährigen Löwen-Fan Hans Peter Bernhard eine Spendenaktion für Bodden angestoßen. Sie soll ihm dabei helfen, weitere Behandlungen gegen seine unheimliche Krankheit bezahlen zu können. Wettberg: „Olaf darf jetzt einfach nicht aufgeben!“ Möglicherweise kann Bodden eine spezielle Zelltherapie helfen: „Ich hoffe sehr darauf, dass ich bald die Chance dazu bekomme“, sagt Bodden der tz. In unserem großen Report erfahren Sie, wie diese Behandlung wirken soll und warum der Kampf gegen CFS so kompliziert ist.

Neue Therapie in Sicht

Das Drama um den Ex-Löwen Olaf Bodden (46) und seine unheimliche Krankheit bewegt immer mehr Münchner. Auch deshalb, weil er ungeahnt vielen Leidensgenossen aus der Seele spricht – 300 000 allein in Deutschland. Wie groß ihre Verzweiflung ist, offenbart sich in zahlreichen Reaktionen auf den tz-Report zu Boddens tückischer Autoimmun­erkrankung: Als „wirklich teuflisch“ beschreibt sie ein Patient. Und eine gerade mal 28 Jahre junge Frau sagt: „Wir Betroffene haben keine Hoffnung mehr, dass sich die medizinische Situation und die Versorgungslage für uns noch jemals verbessert.“

Dass die Patienten im deutschen Gesundheitssystem keine Lobby haben, bestätigt der erfahrene Münchner Immunologe Privatdozent Dr. Wilfried P. Bieger. „Sie werden völlig vernachlässigt. Es ist gut, dass sie mit der Unterstützungsaktion von Herrn Wettberg und Herrn Bernhard eine Stimme bekommen.“

Seit etwa einem Jahr arbeitet Dr. Bieger auch mit Bodden zusammen. Er bemühte sich unter anderem darum, den schwerkranken Patienten nach einem gesundheitlichen Rückschlag durch ein Medikament namens Rituximab (wir berichteten) zu stabilisieren. Nun soll der nächste Schritt folgen: eine Zelltherapie.

Sie soll gezielt die Epstein-Barr-Viren (EBV) angreifen, die im Verdacht stehen, sehr wahrscheinlich Boddens schwere Erkrankung verursacht zu haben. Die Idee hinter der Therapie: „Gegen jede Virenart bildet der Körper sogenannte spezifische ­T-Zellen – so auch gegen EBV“, erklärt Dr. Bieger im tz-Gespräch. „Diese Zellen kann man in einem Speziallabor künstlich vermehren. Das könnte ein Schlüssel zu einer deutlichen Verbesserung von Herrn Boddens Gesundheitszustand sein.“

In der Praxis läuft das Verfahren – vereinfacht ausgedrückt – so ab: Dem Patienten wird Blut abgenommen, Spezialisten filtern die T-Zellen gegen EBV heraus und züchten in biochemischen Prozessen neue. „Ziel ist eine zehntausendfache Vermehrung“, erläutert Dr. Bieger. Anschließend wird diese XXL-Menge an T-Zellen dem Patienten verabreicht – und zwar in Form einer Infusion.

Benefizspiel: Bewegender Auftritt von Olaf Bodden

Benefizspiel: Bewegender Auftritt von Olaf Bodden

An der Berliner Universitätsklinik Charité gibt es Pläne, das neue Verfahren im Rahmen einer klinischen Studie zu erproben. Doch die Umsetzung ist bürokratisch aufwändig und vor allem teuer. Bis die ersten Patienten in Berlin behandelt werden, können noch Jahre vergehen.

Zeit, die der schwerkranke Bodden nicht hat. Deshalb sucht er intensiv nach anderen Spezialisten – mit Hilfe seines Münchner Arztes Dr. Bieger. Und der sieht eine Chance, dass er in Kürze fündig werden könnte. „Ich bin mit einem Kollegen im Gespräch und hoffe, dass er Herrn Bodden vielleicht schon im Januar mit der Zelltherapie behandeln kann“, berichtet Dr. Bieger.

Ob die Behandlung wirklich durchschlagenden Erfolg bringt, ob sie wiederholt werden muss, ob zusätzliche Therapien erforderlich sind – all dies vermag der engagierte Mediziner nicht zu sagen. Denn klar ist: Das Wissen über die noch relativ unerforschte Erkrankung ist gering – es lässt sich nicht mit dem Knowhow über typische Volkskrankheiten wie Krebs oder Herzinsuffizie Wie auch immer Boddens Kampf weitergeht – „Olaf ist nicht allein“, betonen seine Freunde Wettberg und Bernhard. Und die vielen Leidensgenossen ebensowenig: „Es wäre schön, wenn wir alle bald bessere Chancen auf Heilung bekommen würden“, sagt der Ex-Löwe der tz.

Andreas Beez

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