Er spielte für Sechzig und den Club

Ex-Löwe Ziemer: "Dritte Liga ist unwürdig für 1860"

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Thomas Ziemer (l.) mit Ex-Löwe Horst Heldt beim Bodden-Benefizspiel.

München - Am Sonntag sitzt Thomas Ziemer in der Allianz Arena und drückt den Löwen die Daumen, obwohl er 15 Jahre für den Club gespielt hat und lediglich drei für den TSV 1860. Die tz sprach mit ihm.

Sechzig gegen den Club. Für die einen geht’s ums Überleben, für die anderen um nichts mehr. Thomas Ziemer hat für beide Vereine gespielt. Und das sehr erfolgreich. Mit den Löwen hat er von 1993 bis 1994 den Durchmarsch aus der Bayernliga in die erste Liga geschafft, mit dem 1. FC Nürnberg ist er 1998 in die höchste Spielklasse aufgestiegen. Am Sonntag sitzt der 45-Jährige in der Allianz Arena und drückt den Löwen die Daumen, obwohl er 15 Jahre für den Club gespielt hat und lediglich drei für den TSV 1860. Die tz sprach mit ihm.

Herr Ziemer, Sie haben damals mitgeholfen, 1860 aus der Drittklassigkeit nach oben zu hieven, jetzt, nach 22 Jahren droht die Rückkehr dorthin. Sind Sie sauer, dass das damals Erreichte jetzt womöglich wieder kaputt gemacht wird?

Thomas Ziemer: Sauer nicht. Ich verfolge das mit großer Angst, was da passiert. Die Dritte Liga ist einfach unwürdig für einen Verein wie 1860, die Löwen gehören eigentlich in die Erste Liga. Aber es ist kurz vor zwölf und die Lage einfach traurig.

Wie konnte es so weit kommen? 

Thomas Ziemer: Es ist eigentlich das Gleiche wie in Nürnberg, obwohl der Club mittlerweile ja gerettet ist. Bei beiden Vereinen waren die Ansprüche vor der Saison viel zu groß. Da wurden Neuzugänge hochgejubelt, als seien sie alle Weltmeister, und dann, oh Wunder, waren sie doch nicht so gut. Außerdem: Es ist was anderes, in Sandhausen, Aalen oder Ingolstadt zu spielen als beim Club oder bei Sechzig. Da stehst du ganz anders in der Öffentlichkeit. Dabei kann 1860 noch froh sein, dass man den Rubin Okotie aus der Versenkung geholt und der so gut eingeschlagen hat.

Insgesamt hat 1860 33 Spieler eingesetzt. Was sagt Ihnen das?

Thomas Ziemer: Das sagt mir, dass im Kader keine große Qualität vorhanden ist. Da hat die sportliche Leitung nicht gut gearbeitet. Die ist für mich verantwortlich. Nicht immer die Trainer, die mit dem vorhandenen Material zurechtkommen müssen. Die sollen dann mit Leuten was reißen, die vor drei Jahren mal acht Tore geschossen haben und deshalb als Verstärkung betrachtet werden…

1860 hat in elf Jahren das nicht gepackt, was Sie damals nach nur einem Jahr in der Zweiten Liga geschafft hat. Den Aufstieg in die Erste Liga. Wie war das möglich?

Thomas Ziemer: Bei uns waren Typen in der Mannschaft, wir haben alle Gas gegeben, und es waren richtig gute Fußballer dabei. Außerdem hatten wir den verrücktesten Trainer, den es damals gab: Werner Lorant. Und dann diese Fans – die waren unglaublich.

Was fehlt dem 1860 von heute am meisten im Vergleich zu damals?

Thomas Ziemer: Ich glaube, Spieler wie Thomas Miller und Bernhard Trares. Solche Kämpfer würden 1860 in der jetzigen Situation sehr gut zu Gesicht stehen.

Apropos Lorant. Sie haben ja auch unter Felix Magath in Nürnberg trainiert. Wer war härter?

Thomas Ziemer: Hmmm. Ich glaube doch Magath. Aber ich habe unter beiden gern trainiert. Weil du am Wochenende meistens den Lohn dafür geerntet hast.

Sie sind gebürtiger Nürnberger, spielen in der Traditionself des Club, waren viele Jahre als Aktiver dort tätig, halten am Samstag aber dennoch zu 1860…

Thomas Ziemer: Klar, Nürnberg und 1860 liegen mir zwar beide sehr am Herzen, aber für die Löwen geht es jetzt um alles. Da drücke ich ihnen die Daumen. Vielleicht bin ich ja auch ein Glücksbringer. Beim 2:0 gegen Fürth war ich ebenfalls in der Arena. Und es soll das beste Heimspiel gewesen sein. Aber ich habe noch einen Klub, den ich sehr mag.

Ja?

Thomas Ziemer: Mainz 05. Dort habe ich auch einige Jahre gespielt. Und zwei Jahre lag ich mit Jürgen Klopp auf einem Zimmer.

Wie kam’s?

Thomas Ziemer: Wir waren beide Raucher, da hat sich das angeboten. Aber auch ansonsten haben wir uns super verstanden. Vor einiger Zeit war ja das 20. Jubiläum von Mainz-Manager Christian Heidel. Bei dieser Feier haben wir uns wieder mal gesehen und bis drei Uhr in der Früh gequatscht und gelacht. Kloppo ist genau der Gleiche geblieben, der er früher war.

Interview: tz

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