Radenkovic, Hofmann und Berg

Ex-Löwen-Keeper: "Ortega-Urteil? Erst im Winter"

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Gaaanz breit machen: Ortega gegen St. Paulis Budimir.

München - Stefan Ortega hielt mit seinen Paraden den Sieg in Berlin fest. Drei gestandene Ex-Löwen-Torhüter nehmen die Leistungen des 1860-Schlussmannes unter die Lupe.

Eines muss man den Löwen bei allen Irrungen und Wirrungen der vergangenen Jahr(zehnt)e lassen: Auf der Torhüterposition war die Mannschaft zumeist exzellent besetzt. Von Klub-Ikone Petar Radenkovic über Rainer Berg, Bernd Meier, Michael Hofmann bis hin zu Simon Jentzsch und Gabor Király standen Könner ihres Fachs zwischen den Pfosten. Jetzt schickt sich mit Stefan Ortega (22) ein junger, selbstbewusster Typ an, seine eigenen Spuren bei Sechzig zu hinterlassen. Schon beim 2:1 in St. Pauli hielt Ortega die drei Punkte fest, gegen Fürth rettete er beim Stand von 1:0 (Endergebnis 2:0) gegen den durchgebrochenen Pledl. Der bisherige Höhepunkt war freilich das Spiel am Samstag bei Union Berlin. Elf Chancen der Eisernen machte Ortega in der Alten Försterei zunichte, parierte dabei auch einen Elfmeter. Der Durchbruch für den 1,86 Meter großen Keeper aus Calden bei Kassel?

Michael Hofmann.

Vorsicht!, warnen Michael Hofmann und Rainer Berg. Zu viel Lob habe bei 1860 noch selten gutgetan, zu groß sei die Hypegefahr am hysterieträchtigen Standort Giesing. „Auch wenn das jetzt vielleicht langweilig klingt“, sagt Hofmann (42). „Aber wirklich beurteilen kann man Stefan Ortega bei 1860 eigentlich erst im Winter. Ich habe mitbekommen, wie nach dem Düsseldorf-Spiel zum Teil über ihn geredet wurde. Jetzt schlägt’s – zum Teil bei den selben Leuten – plötzlich ins Gegenteil um. Das geht mir zu schnell. Ein Torwart lebt noch mehr als ein Feldspieler vom Vertrauen, von der Sicherheit. Und die kriegst du nur über eine längere Strecke mit sehr guten Leistungen in dein Spiel.“

Rainer Berg.

Berg (49) kann da nur beipflichten. „Der Reiz, für einen Traditionsverein wie 1860 zu spielen, ist nach wie vor außergewöhnlich groß“, sagt der gebürtige Münchner. „Aber du musst bei 1860 auch mit dem Drumherum umgehen können, mit den vielen öffentlich geäußerten Meinungen über dich. Da darfst du dich weder in die eine noch in die andere Richtung verrückt machen lassen.“ Bei Ortega haben Berg und Hofmann ein gutes Gefühl. „Der Junge hat in Bielefeld schon einiges erlebt“, sagt Hofmann, das kommt ihm bei 1860 zugute.“ Über die torwartspezifischen Fertigkeiten brauche man nicht zu diskutieren. Hofmann: „Er ist praktisch beidfüßig, hat eine brutal schnelle Spieleröffnung und dazu die nötige Stärke auf der Linie. Die fünf Superparaden in Berlin waren kein Zufall.“ Auch Berg hebt die fußballerischen Stärken hervor. „Die moderne Torwartschule ist in Ortegas Spiel unverkennbar.“ Und was sagt der „Radi“, die Löwen-Legende schlechthin? „Ich bin in Belgrad und habe das Berlin-Spiel leider nicht sehen können. Es wäre unseriös, jetzt was über Ortega zu sagen.“ Ein Bild vom neuen Keeper will sich der Altmeister im Dezember bei den Heimspielen gegen den KSC und Kaiserslautern machen: „Da bin ich sicher einmal im Stadion.“

Ortega hat’s vernommen.

lk

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