Achtung, Sechzig!

Ex-Löwen erklären: So schwer ist Abstiegskampf

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Am Boden zerstört: Michael Hofmann.

München - Wie schwer ist Abstiegskampf? Wie sehr geht er an die Nerven? Wo lauern die Gefahren? Die tz sprach mit ehemaligen Löwen-Spielern, die Abstiege miterleiden mussten.

Platz 15 zur Winterpause, nur ein Punkt Vorsprung auf einen Abstiegsrang – die Situation beim TSV 1860 (kein Sieg in den letzten fünf Spielen des Jahres 2014) ist brenzlig. Der Absturz in die 3. Liga droht. Seit Gründung der Bundesliga im Jahr 1963 mussten die Löwen schon sechsmal den bitteren Gang in die nächsttiefere Klasse antreten. Viermal (1970, 1978, 1981 und 2004) stiegen die Blauen aus der ersten Bundesliga ab, zweimal aus der zweiten: 1992 und zehn Jahre vorher, als man vom DFB als Tabellenvierter die Lizenz entzogen bekam und runter in die Bayernliga musste. Wie schwer ist Abstiegskampf? Wie sehr geht er an die Nerven? Wo lauern die Gefahren? Die tz sprach mit ehemaligen Löwen-Spielern, die Abstiege miterleiden mussten.

„Neun Pleiten in Serie – das war’s!“

Nach dem Abstieg in Duisburg: Wagner, Ferdl Keller und Klaus Fischer (v. l.).

Manfred Wagner (76), Abstieg 1970: Der Hauptgrund für unseren Abstieg war für mich, dass unser neuer Trainer Fritz Langner viel zu hart trainiert hatte. Dreimal am Tag, das haben vor allem die jungen Spieler nicht verkraftet. Wir waren alle ziemlich platt und haben neun Spiele hintereinander in der Vorrunde verloren. Das Glück fehlte auch: Beim 0:2 gegen Schalke verschossen wir gleich drei Elfer, und beim 3:4 in Frankfurt haben wir kurz vor Schluss noch 3:2 geführt. Alle drei Tore schoss übrigens Klaus Fischer. Mit ihm, Ferdl Keller, Horst Blankenburg, dem „Radi“, Perusic und den später reaktivierten Heiß und Kohlars hatten wir ja eigentlich auch eine ganz gute Truppe, aber die Erfolge kamen erst, als „Bimbo“ Binder das Traineramt übernahm. Anfang 1970 haben wir etliche Spiele gewonnen, auch das Derby gegen die Bayern mit 2:1, und wir alle glaubten wieder an den Klassenerhalt. Der Knackpunkt war dann die Heimniederlage gegen Bremen im April, eine Woche später verloren wir das letzte Auswärtsspiel in Duisburg, der Abstieg war besiegelt. Mir als eingefleischtem Löwen hat das sehr wehgetan, wobei man in der Vorstandschaft offenbar gar nicht so traurig war. Dort war schon seit Längerem vom „Gesundschrumpfen in der 2. Liga“ die Rede. Ein absoluter Schmarrn. Merkwürdig war auch, dass unser Abstiegskonkurrent Rot-Weiß Essen viele Nachholspiele hatte und fast alle gewann. Vor allem gegen Westvereine. In diesem Jahr befürchte ich keinen Abstieg. Das Spielermaterial ist zwar nicht gut, aber gut genug, um drin zu bleiben. Die Mannschaft hat begriffen, dass man rennen und fighten muss. Wer sich auf die Technik verlässt, gewinnt keinen Blumentopf.

„Waren nicht gut genug“

Traurig: Jimmy Hartwig (r.) und Kapitän Kohlhäufl.

Jimmy Hartwig (60), Abstieg 1978: Wir sind damals gleich wieder abgestiegen, weil die Mannschaft nicht gut genug war. Der Verein war zu blauäugig, auch bei den Neuverpflichtungen. Das waren lauter nette Kerle, aber bis auf Beppo Hofeditz haben die uns nicht weitergeholfen. Wir hätten einfach noch ein paar Spieler vom Kaliber Alfred Kohlhäufl gebraucht. Aber wir hatten einige, die sich schon vor den Spielen in die Hose gemacht haben vor Angst. Glück hatten wir auch nicht, wir verschossen etliche Elfmeter, und in der Rückrunde, als der Rückstand immer größer wurde, waren die meisten Spieler auch im Kopf leer. Dabei gab es zwischendrin durchaus Hoffnung. Wie nach unserem ersten Saisonsieg am 15. Spieltag, den wir ausgerechnet gegen die Bayern holten. Da haben wir mit Schaum vorm Mund gespielt, weil’s halt das Derby war. Oder beim 3:1 in Dortmund, dem ersten Spiel nach der Weihnachtspause. Leidgetan haben mir vor allem Trainer Heinz Lucas und die unglaublichen Löwen-Fans, die auch jetzt wieder so leiden. Es ist schon ein Armutszeugnis, was die Mannschaft in dieser Saison bisher abgeliefert hat, aber normalerweise müsste sie den Klassenerhalt schaffen.

„Waren nicht elf Freunde“

Rekord-Absteiger: Walter Hainer.

Walter Hainer (53), Abstieg 1981, 1982 und 1992: Ja, mich hat’s besonders hart erwischt. Gleich drei Abstiege, aber einer war ja nicht sportlicher Natur. Und die anderen beiden waren selten dämlich. 1981 hätte uns am letzten Spieltag beim Karlsruher SC, für den es um nichts mehr ging, ein Punkt gereicht, aber was machen wir? Verlieren 2:7. Ich stand völlig überraschend das erste Mal in der Anfangself und habe keinen Fuß auf den Boden gebracht. Ich hatte den Eindruck, dass es den meisten damals wurscht war, ob wir absteigen. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist in den Wochen vorher schon richtig beschissen gewesen. Elf Freunde – das waren wir sicher nicht. Das ging so weit, dass unser Österreicher, der Sepp Stering, dem Jupp Kapellmann in der Kabine eine betoniert hat. Wobei ich sagen muss, dass jeder andere Spieler dem Kapellmann auch gerne eine reingehauen hätte. Und 1992 hat es am Ende in der Mannschaft auch nicht mehr gestimmt. Leute wie Pingel und Kousoliakos, die während der Saison nachverpflichtet wurden, waren zwar nette Kerle und haben viel Geld verdient, aber als es drauf ankam, haben sie nicht gebissen. Mit Kämpfen hatten sie wenig am Hut. Trotzdem dachten wir ja, dass wir vor dem letzten Spieltag schon so gut wie gerettet waren. Aber dann verloren wir in Leipzig, Darmstadt, das vor dem Spieltag hinter uns lag, gewann gegen Mainz und auf Grund des knapp schlechteren Torverhältnisses gegenüber Mainz mussten wir in die Abstiegsrelegation. Es gab noch einen Trainerwechsel, Stöhr löste Wettberg ab, aber die Luft war raus, wir haben den Klassenerhalt nicht mehr geschafft. In dieser Saison glaube ich eigentlich schon noch daran, aber der Verein braucht auch Visionen, und ich weiß nicht, ob er mit dem jetzigen Vorstand eine Perspektive hat.

„Völlig unnötiger Abstieg“

Michael Hofmann (42), Abstieg 2004: Die Saison hatte mit zehn Punkten nach fünf Spieltagen gut begonnen, nach der Vorrunde hatten wir 19 Zähler und gewannen dann im neuen Jahre gleich gegen Lautern und holten einen Punkt auf Schalke. Niemand dachte an Abstieg. Dann aber kamen wir durch einige Heimniederlagen in ein gefährliches Fahrwasser. Und Trainer Falko Götz eckte mit vielen erfahrenen Spielern wie Kurz, Cerny und Agostino an, weil er sie nicht mehr aufstellte. Die Stimmung war schlecht. Natürlich auch wegen der Geschehnisse um Karl-Heinz Wildmoser, der im März wegen des Arena-Skandals seinen Hut nahm. Als wir aber nach dem 3:0 in Frankfurt am 26. Spieltag dreißig Punkte hatten, dachte niemand mehr an Abstieg. Zwei Siege aus den restlichen acht Spielen hätten uns gereicht. Wir Spieler verstanden uns auch recht gut, holten aber keine Ergebnisse mehr. Aber nach wie vor wurde gerechnet: „Wir haben ja noch, wir haben ja noch…“ Bis wir kaum noch was hatten. Dann kam der Trainerwechsel von Götz zu Vanenburg, der allerdings keines der letzten fünf Spiele gewann, Kioyos verschossener Elfmeter gegen Hertha und schließlich der letzte Spieltag in Gladbach, als wir gewinnen mussten und auch noch auf Schützenhilfe anderer angewiesen waren. Wir verloren 1:3 und das war’s dann. Ein völlig unnötiger Abstieg. In dieser Saison glaube ich nicht, dass das passiert, aber man darf sich auf keinen Fall etwas schönreden. Ich sehe aber Qualität und bin deshalb ganz guter Dinge. Trotzdem ist Vorsicht angesagt. Denn in der Tabelle ist alles sehr eng beisammen.

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