Ex-Löwen-Trainer Karsten Wettberg analysiert

Abstiegskampf: Im Gleichschritt übers Drahtseil

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Torsten Fröhling steckt mit seinen Löwen noch mitten im Abstiegskampf.

München - Der Abstiegskampf wird für 1860 München und die Konkurrenten zur Nervenschlacht. Die tz macht den Check.

Am späten Sonntagnachmittag dürften alle beim TSV 1860 noch mal tief durchgeschnauft haben. Denn nachdem auch Erzgebirge Aue einen Dreier gegen den FSV Frankfurt gelandet hatte, gewann der Last-Minute-Sieg der Löwen über den VfL Bochum noch mehr an Bedeutung. Keiner aus dem unteren Quartett – auch St. Pauli und Aalen gewannen – hat sich am 29. Spieltag im Abstiegskampf eine Blöße gegeben. Im Gleichschritt über’s Drahtseil sozusagen. Und das unter allergrößter Nervenanspannung.

Allerdings nimmt seit dem Wochenende noch ein fünfter Klub an der Verlosung teil: Fürth. Denn die haben als einzige nicht gewonnen und liegen nur noch drei Punkte vor dem Relegationsplatz. „Fürth halte ich mittlerweile für extrem gefährdet“, sagt der ehemalige Löwen-Trainer Karsten Wettberg. Dem TSV 1860 soll’s recht sein. Und Wettberg hat ja recht. Die Fürther haben nur einen Sieg aus den vergangenen siebzehn Spielen geholt, der neue Trainer Mike Büskens wartet nach sieben Partien immer noch auf den ersten Dreier.

Im Gleichschritt geht’s auch weiter. Alle fünf gefährdeten Vereine durften am Wochenende zu Hause ran, am kommenden Spieltag steht für jeden ein Auswärtsspiel an. Und in diesem Rhythmus geht es bis zum Saisonende weiter. Auch interessant: Es gibt kein einziges direktes Duell mehr zwischen denen da unten.

Und so kommentieren die Konkurrenten ihre Situation.

VfR Aalen (18.), seit sechs Spielen ungeschlagen – Torjäger Quaner: „Ich weiß, dass wir es schaffen können.“

Erzgebirge Aue (17.) – Trainer Tommy Stipic: „Wie meine Mannschaft nach den Siegen der Konkurrenz am Sonntag gegen Frankfurt dem Druck standgehalten hat, das war ganz große Klasse.“

FC St. Pauli (16) – Trainer Ewald Lienen: „Entscheidend ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht die Tabelle, sondern die Anzahl der Punkte.“

SpVgg Greuther Fürth (14.) – Trainer Mike Büskens, in Anspielung auf das schwere Restprogramm: „Wenn wir unsere Fehler nicht in den Griff kriegen, ist es egal, gegen welchen Gegner wir noch spielen.“

Eines sei jetzt ganz besonders wichtig, sagt Wettberg für den Fall, dass sich die Löwen von der Konkurrenz etwas absetzen sollten: „Ja nicht auch nur ein Prozent in Sicherheit wiegen.“ Er selbst hat’s am eigenen Leib erlebt, dass immer etwas schiefgehen kann. In der Saison 1991/92 lagen die Löwen vor dem letzten Spieltag in der sogenannten Abstiegsrunde nach einem 3:0 gegen Darmstadt auf Platz zwei und die Fans im Sechzger-Stadion feierten schon ausgelassen den Klassenerhalt. Wettberg erinnert sich: „Dagegen konntest du nichts machen, aber ich wusste, wie gefährlich es war. Ein Punkt in Leipzig hätte uns genügt, eine Niederlage hätte nichts ausgemacht, wenn Darmstadt nicht gegen Mainz gewinnt. Aber genauso kam es. Wir verloren, Darmstadt gewann.“ Das Ende vom Lied: In der anschließenden Relegation stieg 1860 ab.

Ein Verein übrigens, der sieben Punkte vor dem Relegationsplatz liegt, bringt sich in Sachen Abstiegskampf selbst noch ins Gespräch. Der sportliche Leiter Wolfgang Wolf vom 1. FC Nürnberg unkte nach zuletzt nur zwei Punkten aus sieben Spielen: „Die Situation ist alarmierend.“ Den Löwen wäre sicherlich jeder weitere „Konkurrent“ willkommen.

tz

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