Ex-Trainer kritisiert Löwen-Führung

Wettberg: "Wir bekommen Hohn, Spott und Mitleid"

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Karsten Wettberg.

München - "Der Verein ist noch lange nicht gerettet", sagt Karsten Wettberg. Der ehemalige Löwen-Trainer hat viel Verständnis für den Unmut der Fans - und kritisiert die aktuelle Führung der Sechzger.

Am Wochenende 2:1 mit viel Kampf und noch mehr Glück gewonnen – da kann man mal kurz durchschnaufen bei den Löwen. Aber eben nicht alle im Verein. Präsident Gerhard Mayrhofer war erneut zum Ziel von Beschimpfungen geworden. Schon vor gut einer Woche war das der Fall, als er am Vereinsgelände von rund vierzig enttäuschten und desillusionierten Fans („Wenn ihr absteigt, reißen wir euch den A... auf“) zur Rede gestellt wurde. Mayr­hofer muss derzeit einiges einstecken. Ganz abgesehen davon, in welch schwieriger sportlicher Situation sich der TSV 1860 nach wie vor befindet. „Der Verein ist noch lange nicht gerettet“, sagt daher auch Karsten Wettberg. Er versteht den Unmut der Fans.

Dabei war Mayrhofer vor eineinhalb Jahren mit dermaßen viel Schwung ins Amt gehoben worden – fast schien es, dass die Stimmkarten für ihn auf der Mitgliederversammlung von allein nach oben schnellten. „Ich glaube an den Aufstieg in diesem Jahr“, tönte der neue Präsident im Juli 2013 in der Zenith-Halle. Dass das rein kalendarisch nicht möglich war und auch in dieser Saison nicht klappt? Für Trainerlegende Wettberg kein Wunder. „Im Präsidium und im Aufsichtsrat sitzt nicht ein einziger, der von sportlichen Dingen eine Ahnung hat“, sagt er zur tz. „Das ist einmalig im Profifußball. Und so griffen diese Leute auch nie ein, wenn das sportliche Management Fehler machte. Es soll mir doch niemand erzählen, dass der Verein im Sommer gleich zehn Neuzugänge benötigt hat, von denen dann noch dazu etliche nicht einschlugen. Warum greift man für die Gremien nicht auf Leute wie Thomas Miller, Bernd Winkler oder Michel Hofmann zurück? Ich glaube, dass wir dann vielleicht nicht so gute Spieler wie Aigner, Halfar oder Stoppelkamp, Leonardo und Stark hätten ziehen lassen müssen.“

Im Herbst vergangenen Jahres aber beklagte trotzdem noch einer von Mayrhofers Vizes gegenüber einem Journalisten: „Wenn Ihr nur über all das Positive, das bei uns geschieht, berichten würdet, dann müsstet ihr jeden Tag zwei Seiten vollschreiben.“ Allerdings klemmte es auch damals schon sportlich, genauer gesagt eigentlich vom ersten Saisonspiel an. Was sich dazu noch auf den Nebenkriegsschauplätzen (unter anderem der Kirmaier-Prozess) abspielte, diente auch nicht dazu, die Löwen-Fans zu beruhigen. Auch mit den einstigen vereinsinternen Allianzen zu Investor Hasan Ismaik, Noor Basha und Sportchef Gerhard Poschner soll es nicht mehr allzu weit her sein.

Dass also Teile der Fans gegen den Vereinschef Stimmung machen, wundert Wettberg nicht. „Was bekommen wir denn als Anhänger des TSV 1860?“, fragt er. „Hohn, Spott und Mitleid. Wir rocken die Liga, hat er bei seinem Antritt angekündigt – und wo stehen wir jetzt?“ Der Abstieg wäre für Mayrhofer der Supergau. Frag nach bei Erich Riedl, der 1982 als Präsident Lizenzentzug und den Sturz in die Bayernliga zu verantworten hatte.

Joker Wolf der Beste: Bilder und Noten vom Löwen-Sieg

tz

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