Münchner im US-Team

Johnson: Von Giesings Höhen nach Brasilien

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Fabian Johnson bejubelt hier seinen ersten Treffer im US-Trikot.

Natal - Der in Giesing geborene Fabian Johnson ist eine feste Größe im US-Team. Dabei gewann der Verteidiger noch 2009 mit Deutschland den Titel bei der U21-EM.

Wenn Fabian Johnson über seine Familie spricht, wird es ein wenig kompliziert. Sein Vater ist Amerikaner, die Mutter Deutsche, deren Vater aber wieder Amerikaner. „Ich habe es also von zwei Seiten“, sagt der US-Nationalspieler, der in München-Giesing geboren wurde und lange für Deutschland kickte. Noch 2009 gehörte Johnson zur goldenen Generation um Mesut Özil und Sami Khedira, die in Schweden U21-Europameister wurde.

"Deutsche Gruppe" im US-Team

Doch das ist Geschichte. Deutschland sei zwar „meine Heimat. Hier habe ich meine gesamte Kindheit und Jugend verbracht“, sagt Johnson. Doch es war nicht zuletzt US-Coach Jürgen Klinsmann, der den 26-Jährigen im Sommer 2011 zu einem Trikottausch überreden konnte. „Er ist ein ehrgeiziger Trainer, der jeden Spieler besser machen will“, sagt der variabel einsetzbare Verteidiger über seinen Mentor.

Inzwischen ist Johnson Teil einer ganzen „deutschen Gruppe“ innerhalb des US-Teams. Auch der Ex-Schalker Jermaine Jones, John Brooks (Hertha BSC) und Timothy Chandler (1. FC Nürnberg) wurden in Deutschland geboren. Julian Green von Bayern München wuchs zudem im oberbayerischen Miesbach auf.

Johnson als Gewinner der Vorbereitung

Nicht alle finden das gut. „Meine Sorge ist: Spielen die Profis wirklich aus Liebe zu ihrem Trikot?“, fragte unlängst der 100-malige Nationalspieler Tony Meola bei CNN: „Wenn die Antwort “Ja' lautet, habe ich kein Problem. Wenn es anders ist, bin ich besorgt.„

Eine Gruppen-Bildung innerhalb der Mannschaft gebe es jedenfalls nicht, sagt Johnson. Vielmehr fühle er sich `voll integriert“, woran wohl auch seine Qualitäten als Fußballer ihren Anteil haben. Johnson ist ein schneller und zielstrebiger Außenbahnspieler, der auf beiden Seiten mit seiner Dynamik auffällt - und mit seinen riesigen Tattoos am linken Arm.

Inzwischen ist Johnson, bislang 1899 Hoffenheim, demnächst Borussia Mönchengladbach, der große Gewinner der Vorbereitung des deutschen Gruppengegners: Gut gegen Armenien (2:0), stark und mit dem ersten Treffer im US-Trikot gegen die Türkei (2:1), stark und mit Torvorlage gegen Nigeria (2:1). Mitspieler wie Angreifer Jozy Altidore loben ihn als „große Hilfe“, der Stammplatz ist ihm wohl sicher.

Seine Beidfüßigkeit verdankt Johnson ebenso wie sein perfektes Englisch seinem Vater. „Er hat mir immer gesagt, dass ich an meinem schwächeren Fuß arbeiten soll“, sagte der Giesinger, dessen aus Michigan stammender Vater Charles einst als US-Soldat in Mannheim stationiert war. Dort traf er auf seine spätere Frau Sylvia, beide hatten vor drei Jahren nichts gegen den Trikottausch ihres Sohnes. „Als Klinsmann angefragt hat, haben sie mir gratuliert“, berichtete Johnson.

Am 26. Juni wird er nun in Recife auf die ehemaligen Mitspieler treffen. Vor allem auf das Duell mit Jerome Boateng „freue ich mich schon“, sagt Johnson. Dem Kumpel wird er allerdings auf dem Spielfeld höchstens begegnen, wenn der aus Versehen als linker Verteidiger aufläuft.

sid

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