Ministerpräsident Sellering tritt von allen Ämtern zurück

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Desaströse Bilanz

Fans feuern gegen das tragische Dreieck bei 1860

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Trainer Marcus von Ahlen, Sportchef Gerhard Poschner und Präsident Gerhard Mayrhofer (v.l.).

München - Mit 15 Punkten liegen die Löwen stramm auf Drittliga-Kurs, haben im Vergleich zum Vorjahr zwölf Zähler weniger auf dem Konto. Eine desaströse Bilanz, für die Mayrhofer, Poschner und von Ahlen geradestehen müssen.

Zwischen 1995 und 1997 berauschte der VfB Stuttgart seine Fans mit dem „magischen Dreieck“, dem traumhaften Zusammenspiel der Ballkünstler Krassimir Balakov und Giovane Elber mit Knipser Fredi Bobic. Als spaßige Fortführung produzierte eben jener Bobic zusammen mit den VfB-Profis Marco Haber und Gerhard Poschner 1996 unter dem Banner „Das tragische Dreieck“ eine Hip-Hop-Single namens Steh auf. Was als Protestsong gegen Schwalbenkönige textlich durchaus lobenswerte Ansätze hatte, ging musikalisch eher als Peinlichkeit in die Bundesliga-Annalen ein. Wenigstens tat’s keinem weh.

Weitaus schmerzhafter für die Fanseelen ist das tragische Dreieck, das beim TSV 1860 Woche für Woche Niederlagen erklären muss. Poschner durfte sich beim 2:3 gegen den Karlsruher SC erstmals lautstarke Rauswurf-Forderungen aus der Fankurve anhören, gegen Trainer Markus von Ahlen und auch Präsident Gerhard Mayrhofer wird in den einschlägigen Internetforen über und unter der Gürtellinie aufs Heftigste geschossen. Kein Wunder, schließlich ist vom angekündigten sportlichen Um- und Aufbruch nach 17 Spieltagen nichts als Enttäuschung geblieben. Mit 15 Punkten liegen die Löwen stramm auf Drittliga-Kurs, haben im Vergleich zum Vorjahr zwölf Zähler weniger auf dem Konto. Eine desaströse Bilanz, für die Mayrhofer, Poschner und von Ahlen geradestehen müssen. Die tz hat das tragische Löwen-Dreieck unter die Lupe genommen.

„Probleme im Kopf“

Die Rufe waren unüberhörbar. „Poschner raus!“ schallte es aus der Nordkurve der Arena. Begleitet von bewährtem Frust-Vokabular: „Wir! ham! die! Schnauze voll!“ Gerhard Poschner gab am Sonntag den Stoiker, der 44-Jährige fühlt sich als Schutzschild für die Mannschaft: „Für die Spieler ist es angenehmer, wenn sich die Schmährufe auf andere Personen konzentrieren und nicht auf sie.“ Poschner weiß um die angeschlagene Psyche der Profis. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison implodierte das Team beim ersten Gegentor. „Die größte Problematik spielt sich in den Köpfen ab“, glaubt der Sportchef. „Jetzt geht es darum, die Mannschaft bis zum Lautern-Spiel am Mittwoch (17.30 Uhr, Arena) mental so stark zu machen wie möglich.“ Eine Trainerentlassung zieht er nicht in Erwägung. Markus von Ahlen werde auch am Mittwoch auf der Bank sitzen. „Bis er Punkte macht“, wolle man am Coach festhalten. Denn, so Poschner: „Ich habe nicht den Eindruck, dass er die Mannschaft nicht erreicht.“

Eine Entlassung des zweiten Trainers nach Ricardo Moniz würde Poschner wohl entscheidend schwächen. Seine Transferbilanz ist mit bisher drei Treffern (Okotie, Ortega, Rama) aus zehn Zugängen ähnlich bescheiden wie von Ahlens Statistik (drei Siege aus zehn Ligaspielen). Nachbesserungen zur Winterpause schließt Poschner inzwischen nicht mehr aus: „Wenn wir was haben wollen, können wir das tun.“ Auch in Sachen Trainer?

Präsident schweigt im Frust

„DieLage ist sehr kritisch“, sagte Gerhard Mayrhofer nach dem 1:2 in Nürnberg. „Wir brauchen vor der Winterpause dringend Punkte. Egal wie.“ Am Samstag und Sonntag wollte sich der Präsident nicht zur weiter verschärften Situation äußern. Der Frust sitzt tief beim 52-Jährigen. Statt demonstrativer Überzeugung regieren gravierende Zweifel sein Gemüt. Der akuteste: War es richtig, bei der Suche nach einem starken Mann für die Position des Sport-Geschäftsführers auf den Transferberater Poschner zu setzen?

Zumindest von Seiten des Hauptgesellschafters Hasan Ismaik gibt es keinen Entscheidungsdruck, glaubt man den Worten seines Münchner Beraters Noor Basha. Über eine Ablösung Poschners sei bei den Gesprächen mit Ismaik am Wochenende ebenso wenig diskutiert worden wie über einen möglichen Abstieg, versicherte Basha am Sonntag gegenüber der tz. Natürlich sei Ismaik „enttäuscht“ von der zweiten Halbzeit des KSC-Spiels gewesen, sagte Basha. „Aber wir arbeiten weiter und bleiben positiv, Punkt, Ende. Wir müssen an den Kader glauben. Poschi hat sein Budget. Wenn er Spieler dazukaufen will, kann er das machen.“

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"Unruhige Nacht"

Am Sonntag durfte Markus von Ahlen Höhenluft schnuppern. Der 1860- Trainer war in Ingolstadt, um den nächsten Gegner aus Kaiserslautern zu beobachten. Eine Niederlage gegen die Pfälzer würde nach fünf Heimpleiten keinen Fan mehr überraschen. Von Ahlen setzt auf Konfrontationstherapie. Möglicherweise sei das 2:3 auf dem Betzenberg zum Saisonstart ein „Schlüsselerlebnis“ gewesen, das noch immer in den Köpfen stecke. „Da musst du drüber weg. Ich kann nur an eine Trotzreaktion appellieren.“

Auf den Lerneffekt hofft von Ahlen seit Wochen vergeblich. Zum wiederholten Male bekamen die Löwen am Samstag die Tore im Minutentakt. Vom 1:1 bis zum 1:3 dauerte es neun Zeigerrunden. „Der KSC hat nach der Pause auf zwei Stürmer umgestellt mit einem offensiven Mittelfeldspieler dahinter. Danach sind wir nicht mehr zu recht gekommen“, sagte Rubin Okotie. Von Ahlens Kommentar: „Wir waren auf alles vorbereitet. Ich erwarte mir von den erfahrenen Spielern, dass sie solche Drucksituationen meistern.“

Gegen Lautern dürfte der erfahrene Stark eine neue Chance bekommen, Weigl ist nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt. Okoties Appell: „Wir dürfen uns nicht gegenseitig zerstückeln, sondern müssen alle gemeinsam Vollgas geben.“

lk

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