Nach letztem Ligaspiel 2017

Spieler, Finanzen, Perspektiven: Das Löwen-Fazit zur Winterpause

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So jubelt der Tabellenführer: Die Sechzig-Spieler feiern mit den Fans den Erfolg über Schalding-Heining.

Als souveräner Tabellenführer der Regionalliga geht der TSV 1860 in die Winterpause. Dennoch gibt es genug Baustellen im Klub. Unser Fazit zum Jahresausklang.

München - Ehe er den Abend bei einem Bier in der Almhütte auf dem Vereinsgelände ausklingen ließ, zog Daniel Bierofka einen Schlussstrich. Unter den ersten Abschnitt der Punkterunde, die mit einem 3:0-Sieg gegen Schalding-Heining endete. Aber auch schon ein bisschen unter das Gesamtfußballjahr 2017. „Für uns war wichtig, mit einem positiven Ergebnis abzuschließen“, sagte der 1860-Coach: „Jetzt machen wir erst mal Pause. Ich denke, die Wahrscheinlichkeit ist nicht so hoch, dass das Toto-Pokal-Spiel in Bayreuth stattfindet. Wir müssen uns im Winter regenerieren, auch von der mentalen Seite, und hoffen dann, dass wir wieder gut aus den Startlöchern kommen.“ Übermorgen will der BFV entscheiden, ob das Match in Bayreuth am Samstag stattfinden kann. Die Mannschaft wird so oder so noch bis Freitag trainieren. Hier schon mal das Fazit dieser erweiterten Hinrunde:

Zahlen

Mit 48 Punkten aus 22 Spielen geht 1860 als Tabellenführer der Regionalliga Bayern und Meisterschaftsfavorit in die Weihnachtspause. Bilanz: 15 Siege, drei Unentschieden, vier Niederlagen. Dank der Spielausfälle der Verfolger beträgt der Vorsprung sieben Punkte. Am 11. Januar will Bierofka die Vorbereitung starten, das erste Punktspiel steigt am Samstag, 24. Februar, in Nürnberg (14 Uhr).

Saukalt, aber wunderschön: Löwen-Fans treffen sich zum Adventssingen

Mannschaft

Bierofkas Plan, die U 21 der Vorsaison mit der erfahrenen Achse aus Jan Mauersberger, Timo Gebhart und Sascha Mölders zu stabilisieren, ist aufgegangen. Auch wenn nach Gebharts langwieriger Oberschenkelverletzung die spielerische Überlegenheit verdampfte, hielten die Löwen die Konkurrenz mit Kampfkraft und Standard-Stärke auf Distanz. Schwachstellen: Im zentralen Mittelfeld fehlt es seit Gebharts Ausfall an Kreativität. Auch auf der Position des rechten Verteidigers würde Bierofka gerne nachlegen, wie das Interesse an Regensburgs Benedikt Saller beweist. Priorität hat allerdings eine Gebhart-Alternative. Der Wunschtransfer von Ingolstadts Stefan Lex dürfte sich im Winter kaum realisieren lassen.

Wird schmerzlich vermisst: Timo Gebhart fehlt den Löwen seit Monaten.

Finanzen

Der vom Stuttgarter KGaA-Chef Markus Fauser angeführte „Puffer“ ist auf Schwäbisch gesagt eher ein „Pufferle“. Maximal einen Spieler könne man sich im Winter leisten, verriet Bierofka unlängst. Wie eng der Finanzrahmen gesteckt ist, zeigt die Diskussion um Gebharts Reha-Training in Dubai, das erst durch eine angekündigte Kostenübernahme von Hasan Ismaik ermöglicht werden soll.

Politik

Das vielzitierte „Zamhoitn“ war schon in der Zweitliga-Endphase eine Farce. Zwischen den Gesellschaftern sind die Fronten nach wie vor verhärtet. Die e.V.-Vertreter propagieren eine Zukunft ohne neue Darlehen von Investor Ismaik, der Jordanier wartet auf den Fall der 50+1-Regel, um den Klub komplett übernehmen zu können.

Fans

Auch in das stimmungsvolle Adventssingen am Samstagabend mischten sich investorkritische Töne („Hasan I., wir schei... auf dein Geld“, zur Melodie von Jingle Bells). Der Jahresausklang im tiefgekühlten 60er-Stadion wärmte vor allem denen das Herz, die schleichend auch die Macht im Verein übernommen haben: Fußball-Abteilungsleiter Roman Beer (Moderator), Verwaltungsrats-Chef Markus Drees (mit Schellenring) und Ulla Hoppen (Vorsängerin), bekannt geworden durch den Vorstoß, die Kooperation mit Ismaik zu beenden. Auch etliche Ultras, die den Vorabend zu einer fanblocküberspannenden 50+1-Choreo („Unverhandelbar“) genutzt hatten, trällerten mit. Nicht mehr so präsent ist das Lager der Ismaik-Befürworter. Und auch Teile der Allesfahrer und ARGE-Fanclubs leiden still vor sich hin, weil sie der Allianz Arena hinterhertrauern und die Perspektive Profifußball vermissen.

Zweimal die Zwei: Bilder und Noten zum Sechzig-Sieg

Stadion

Das zwischenzeitliche Stimmungshoch ist auch der Rückkehr auf Giesings Höhen zu verdanken. Der Star war nicht bloß einmal das Stadion. Fast immer voll, stets stimmungsvoll. Ab Sommer 2018 lässt die Stadt 20 Prozent mehr Fans rein (15.000 statt 12.500), doch wo spielen die Löwen, wenn eines Tages die Rückkehr in die 2. Liga gelingen sollte?

Perspektiven

Laut Fauser könnten die Löwen im Aufstiegsfall einen konkurrenzfähigen Drittliga-Etat stemmen. Größere Fortschritte sind allerdings nur bei einer Einigung der Gesellschafter möglich - unrealistisch in der gegenwärtigen Konstellation. Der Unternehmer Gerhard Mey (Webasto) und sein Konsortium würden Ismaik dessen 60 Prozent-Anteil an der 1860-KGaA abkaufen. Problem: der Preis. „Der Verein hat jetzt nach kaufmännischen Regeln einen negativen Kaufpreis, oder höchstens: Null“, sagte Mey der SZ. „Da ist der aufgerufene Kaufpreis absurd, das ist ein Abwehrangebot, und an diesem Punkt stehen wir.“ Ismaik will angeblich 70 Millionen Euro, auch um sein Gesicht nicht zu verlieren. Meys (vorerst) letztes Wort: „Wenn sich Hasan Ismaik auf uns zubewegt, können wir weiterhin reden. Die Tür ist nicht zu.“

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