TSV 1860: Hart, härter Hiller

Daniel Wein adelt Derby-Held: „Marco Hiller ist einfach kein Mensch“

Turm in der Schlacht: Marco Hiller wuchs schwer gezeichnet über sich hinaus.
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Turm in der Schlacht: Marco Hiller wuchs schwer gezeichnet über sich hinaus.

Zum ersten Mal seit dem Doppel-Abstieg 2017 hat der TSV 1860 das Derby gegen den FC Bayern II gewonnen. Held der Partie war Löwen-Keeper Marco Hiller. 

  • Der TSV 1860 München hat am Samstag das Münchner Derby in der 3. Liga gegen die 2. Mannschaft des FC Bayern mit 2:0 gewonnen. 
  • Held der Partie war Löwen-Keeper Marco Hiller. Der 23-Jährige biss trotz einer Gesichtsverletzung, die in der Halbzeit genäht wurde, auf die Zähne und hielt den Sieg fest. 
  • Neuzugang Merveille Biankadi traf in seinem ersten Spiel für den TSV 1860 zum 2:0-Endstand.

München – Das Gesicht dieses Derby-Dreiers? Daran konnte es am Samstag keinen Zweifel geben. Mit zwei genähten und überpflasterten Cuts stand Marco Hiller am Mikrofon von MagentaSport und erzählte von seinem sehr speziellen Nachmittag mit viel Blut und noch mehr Willen. „Zunächst habe ich einen Schlag im Gesicht bemerkt. Dann wurde es plötzlich ganz warm, das Blut ist mir heruntergelaufen. In dem Moment war ich überall, nur nicht im Grünwalder Stadion. Die Physios haben das Blut weggemacht und nach dem ersten Schock ging es dann wieder. Da musste ich auch für die Mannschaft vorangehen. In der Halbzeitpause wurde ich genäht, damit es wieder schön zusammenwächst. Ich musste auf die Zähne beißen – und es hat funktioniert.

TSV 1860 München: Erster Sieg gegen FC Bayern II nach Doppelabstieg 2017 

Hart, härter, Hiller. Auch ihrem eisernen Keeper hatten es die Löwen zu verdanken, dass es im fünften Anlauf seit dem Doppel-Abstieg 2017 zum ersten Sieg gegen die Reserve des FC Bayern reichte. In der zweiten Halbzeit, als die Bayern trotz Unterzahl nach der Roten Karte gegen den reuigen Hiller-Malträtierer Joshua Zirkzee immer dominanter wurden, warf sich der frisch genähte Hiller dem durchgebrochenen Fiete Arp entgegen, schnappte sich die Kugel; die Rettungstat wenig später gegen Bayerns Eigentorschützen Timo Kern sorgte für Applaus bei den Kollegen. „Geil Männer! München ist BLAU. Und Marco Hiller ist einfach kein Mensch“, schrieb Daniel Wein hinterher humorvoll bei Instagram. Der Kommentar von 1860-Sportchef Günther Gorenzel: „Marco sieht aus, als ob er gegen Klitschko gekämpft hätte.“ Vorzugsweise gegen Vitali, den älteren der beiden Box-Brüder.

Die fußballerische Leistung hingegen war in etwa so ästhetisch wie Gorenzels Beschreibung: „Wir haben kollektiv in der Kompaktheit dagegengehalten.“ Nicht schön, aber zweckdienlich. Gorenzels Erklärung der blauen Probleme: Bei Bayern gebe es nun mal „sehr viele hochtalentierte Spieler, die du selbst in Überzahl nicht immer im Griff haben kannst. Von daher sind wir froh, dass wir noch zum Schluss in der Umschaltbewegung das 2:0 machen konnten.“

TSV 1860 München: Neuzugang Merveille Biankadi trifft im ersten Spiel für die Löwen

Auf Steilpass des abermals starken Quirin Moll schüttelte Winterzugang Merveille Biankadi erst Verteidiger Josip Stanisic ab, ehe er mit Auge und Technik auch Keeper Ron-Thorben Hoffmann überwand. Ein Einstandstor, das die eher durchwachsene Gesamtleistung der Heidenheimer Leihgabe aufwertete. „Bei Merv hat man in der einen oder anderen Situation gesehen – er ist zwei Wochen hier – dass vom Timing her, von der Abstimmung und dem Zusammenspiel noch etwas fehlt“, sagte Gorenzel. „Das kann nach zwei Wochen nicht so sein wie nach zwei Monaten.Aber man hat beim 2:0 gesehen, wo seine Stärken liegen: diese extreme Athletik, dieses extreme Tempo. Ich freue mich für ihn, dass er das Tor gemacht hat. Das hilft ihm sicher vom Selbstvertrauen, bei uns relativ schnell Fuß zu fassen.“

Wäre hilfreich angesichts der am kommenden Montag anstehenden Aufgabe gegen den Aufstiegskonkurrenten FC Ingolstadt. Ohne den gelbgesperrten Fabian Greilinger dürfte Biankadi trotz der avisierten Rückkehr von Stefan Lex wieder zur Startelf zählen. Auch mit Hiller müssen die Schanzer rechnen. Bis dahin wird die Maskenpflicht diverse Verfärbungen im Derbyhelden-Gesicht kaschieren.

(Ludwig Krammer)

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