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FC Wacker München: Ist das nicht zu früh? Keeper wechselt schon mit acht Jahren zum TSV 1860

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Von: Dominik Mittermaier

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Der achtjährige Lenz wechselt vom FC Wacker München zum TSV 1860.
Der achtjährige Lenz wechselt vom FC Wacker München zum TSV 1860. © Facebook/Fc Wacker München Jugend

Der erst achtjährige Lenz vom FC Wacker München wagt den großen Sprung zum Münchner Traditionsklub TSV 1860. Auch der FC Bayern wäre eine Option gewesen.

München - Die Jugendabteilung der Löwen hat in den vergangenen Jahren eine Menge Stars ausgebildet. Das Nachwuchsleistungszentrum brachte in den 2000ern zahlreiche gestandene Bundesligaprofis hervor, unter anderem Kevin Volland*, die Bender-Brüder, Florian Neuhaus* und Julian Weigl, die alle an der Grünwalder Straße ihre ersten Schritte in Richtung Profi-Fußball gemacht haben.

Trotzdem darf die Sinnhaftigkeit infrage gestellt werden, ob es förderlich ist, einen jungen Spieler im Grundschulalter bereits von seinem Heimatverein zu einem Profiklub zu locken. Denn mit dem achtjährigen Lenz wechselt ein junger Keeper vom FC Wacker München nach Giesing. Wir haben deshalb beim abgebenden Verein nachgefragt. Nachwuchscoach Ali Topcu hat grundsätzlich Bedenken und würde Transfers erst ab der U12 empfehlen: „Der Druck bei einem Verein wie 1860 ist riesig, eine gewisse Reife in solch jungen Jahren ist also schon Voraussetzung, um daran nicht zu zerbrechen. Die Kinder müssen lange Auswärtsreisen und manchmal auch Übernachtungen auf sich nehmen. Das packt nicht jeder Bursche in dem Alter.“

FC Bayern verzichtet noch auf die ganz jungen Talente - Wechsel zum TSV 1860

Dennoch war Ali Topcu an der Durchführung des Wechsels beteiligt. Gründe, warum Wackers Jugendtrainer im Fall Lenz die Initiative ergriffen hat, gibt es viele. „Ich lerne aus meinen Fehlern. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich vier herausragende Kicker gleichzeitig in der Winterpause an höherklassige Vereine verloren. Das hat dem Mannschaftsgefüge keines Falls gutgetan.“ Trotzdem möchte Topcu seinen Ausnahmekickern schon frühzeitig die Möglichkeit geben, sich großen Vereinen und deren Nachwuchsleistungszentren anzuschließen, wenn er das Gefühl hat, dass die Kinder wissen, worauf sie sich einlassen. „Die Vor- und Nachteile eines Wechsels hat Lenz natürlich auch ausgiebig mit den Eltern besprochen. Lenz möchte den nächsten Schritt gehen, dafür wünsche ich ihm nur das allerbeste. Ich möchte dem auch nicht im Weg stehen. Man merkt Lenz jetzt schon seinen starken Charakter an. Der Junge hat das nötige Selbstvertrauen und wird dort seinen Weg gehen.“

Die erste Anlaufstelle war zunächst der FC Bayern* , da ein Scout der Roten auf ihn aufmerksam wurde. Der jetzige Löwe stand dort im Förderkader. Er spielte also vorerst noch für Wacker, durfte aber an ausgewählten Tagen bei den Bayern mittrainieren. Eine Strategieumstellung beim FC Bayern führte dazu, dass eine U9 Mannschaft seit der Saison 2020/21 nicht mehr vorgesehen ist. Lenz wäre also zwei weitere Jahre vorerst nur im Förderkader gestanden, bis er dann eventuell zur U11 gestoßen wäre. Das Risiko, in diesen zwei Jahren vielleicht leistungstechnisch den Anschluss zu verlieren, wollten der Achtjährige und dessen Eltern nicht auf sich nehmen. Nun hat sich Lenz also für die Blauen entschieden und wird dort zukünftig von Christian Hufnagel trainiert, der ebenfalls erst kürzlich von der Säbener* an die Grünwalder Straße gewechselt ist.

1860 setzt weiterhin bewusst auf ihre jüngsten Teams

Die Junglöwen weichen weiterhin nicht von ihrer Strategie ab. Die Förderung des Grundlagenbereichs in ihrem Nachwuchsleistungszentrum soll fortbestehen. Talentierten Kindern soll damit nicht die Chance genommen werden, sich in ihrem jungen Alter ausleben zu können. Maximilian Rothdauscher, U19-Keeper der Junglöwen, der seit der U10 im 1860-NLZ ist, betont zum Beispiel, dass er die anfänglichen Jahre im NLZ nicht hätte aufholen können. Sich von Kindesbeinen mit den Besten zu messen, sei extrem wichtig für seine Entwicklung gewesen, da er anfangs nicht der Allerbeste Kicker gewesen sei.

Zudem sprach sich Ludwig Schneider, Koordinator des Grundlagenbereichs im Nachwuchsleistungszentrum „die Bayerische“ Junglöwen wie folgt für die Unterbringung ihrer Jüngsten aus:. „Natürlich ist neben der offenen Kommunikation auch die Sicherheit und Durchlässigkeit ein weiterer wesentlicher Faktor. Wenn ich nämlich weiß, dass ich mich mit höchster Wahrscheinlichkeit viele Jahre in Ruhe ausbilden lassen kann, auf der Grundlage einer hohen Ausbildungsqualität und jahrelanger Erfahrung des Vereins und seiner hochqualifizierten Mitarbeiter, hilft das den Jungs und Familien enorm. Und all das ist bei uns gegeben. Für diese nachhaltige Entwicklung und Förderung jedes Einzelnen unserer Talente ab der U9 bringen wir täglich all unserer Energie, Freude, Qualität und Wissen ein“.

Die Junglöwen gaben bekannt, dass alle Familien, die den Grundlagenbereich bisher durchliefen, diesen Weg genauso wieder bestreiten würden. Grund dafür sei wohl das Bemühen im NLZ, angefangen bei den Jüngsten, eine sportliche, individuelle und persönliche Förderung auf höchstem Niveau zu bieten. Zusätzlich wird betont, dass Ausflüge, Weihnachtsfeiern und gemeinsame Turnierabende das Vereinsleben intensivieren. „Aber auch Ruhetage, freie Wochenenden und Ferien für die einzelnen Familien sind uns enorm wichtig. Wir sind also wie der Heimatverein von nebenan – nur vielleicht ein bisschen professioneller und mit ausschließlich hochtalentierten Jungs, die wir menschlich, sportlich und schulisch auf ihrem eigenen individuellen Weg unterstützen wollen“, beschreibt U11-Trainer Ludwig Dietrich seine Eindrücke und Erfahrungen nach fünf Jahren im Löwen-NLZ.

Talentschmiede FC Wacker München: Kommen hier die Stars von morgen her?

Lenz ist nicht der Erste, der den Schritt vom FC Wacker München zu den Löwen wagt. Im Sommer wechselten bereits zwei ehemalige Wacker-Kollegen nach Giesing. Genauso wie Lenz stammen die beiden aus dem 2013er Jahrgang. Jetzt gilt es für die drei jungen Burschen, sich zu zeigen und die Chance zu nutzen.

Ob sich die drei Youngster beim TSV 1860 dann auch langfristig etablieren werden, bleibt abzuwarten. Ein paar Vorgänger, an denen sie sich orientieren können, haben sie ja bereits. Der TSV 1860 lotste in der Vergangenheit bereits mehrere Talente aus der Wacker Talentschmiede in den Münchner Süden. Je zwei davon spielen aktuell in der U14 sowie in der U13 der Blauen. Der fünfte steht momentan noch im Förderkader. (Dominik Mittermaier) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.DIGITAL

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