Der Löwen Kapitän im Interview zur Corona-Pause

Felix Weber: „Ich war noch nie so oft beim Laufen“

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Mit Kraftübungen hält sich Felix Weber derzeit fit. Wann und ob der Spielbetrieb in der Dritten Liga wieder startet, ist unklar. 

TSV 1860 München- Kapitän, Felix Weber spricht im Interview über das Training zu Hause, den Kontakt zu Trainer Michael Köllner, sowie über seinen Heimatverein den SV Ohlstadt.

Ohlstadt – Der Fußball ruht momentan in ganz Deutschland. Für Felix Weber, 25-jähriger Drittligaprofi und Kapitän beim TSV 1860 München, heißt das vor allem: Einzel- statt Mannschaftstraining. Wie sich der Ohlstädter während der Corona-Pandemie fit hält und welche Pläne er für die Zukunft schmiedet, verrät er im ausführlichen Tagblatt-Interview.

Herr Weber, wird Ihnen langweilig zuhause?

Nein, auf gar keinen Fall (lacht). Wir trainieren zweimal täglich. Außerdem haben wir aktuell eine Baustelle zu Hause, da gibt es genug zu tun.

Wie kann man sich Ihre Trainingseinheiten vorstellen?

Jeden Morgen um neun Uhr haben wir ein Videotraining. Unser Fitnesscoach gibt die Übungen vor, und wir Spieler machen sie vor der Webcam daheim nach. Nachmittags absolvieren wir Läufe, die uns das Trainerteam vorgibt.

Klingt nicht nach dem Training, dass ein Fußballer liebt.

Nein, definitiv nicht. Ich bin in meinem Leben noch nie so viel beim Laufen gewesen. Der Ball am Fuß fehlt.

Gibt es derzeit Kontakt zu Trainer Michael Köllner?

Ja, er ruft regelmäßig die Spieler an. Wir reden dann nicht wirklich über sportliche Dinge, er erkundigt sich danach, ob es uns und unseren Familien gut geht.

Glauben Sie angesichts der aktuellen Lage überhaupt daran, dass der Spielbetrieb diese Saison noch einmal aufgenommen wird?

Ich gehe schon davon aus, dass wir die Saison zu Ende spielen. Ob wir dann alle drei Tage ohne Zuschauer spielen müssen, werden wir sehen.

2017 haben Sie in der Regionalliga gegen Nürnberg II bereits ein Geisterspiel absolviert. Welche Erinnerungen daran haben Sie?

Keine schönen. Das Merkwürdigste daran ist, dass sich nur deine Teamkollegen und die Ersatzbank freut, wenn die Mannschaft ein Tor schießt. Die Fans fehlen enorm.

Seit 1. April hat auch der TSV 1860 für Sie und Ihre Mitspieler Kurzarbeit angemeldet. Wie stehen Sie dazu?

Der Verein ist auf uns zugekommen, und hat gefragt, ob ein Modell, in dem wir auf rund 20 Prozent unseres Gehalts verzichten, für uns in Ordnung geht. Alle haben sofort zugestimmt. In solchen Zeiten finde ich das richtig und selbstverständlich.

Im November ist Trainer Daniel Bierofka zurückgetreten. Er galt als ihr Förderer, machte Sie zum Kapitän und Stammspieler. Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Unmittelbar nach dem Rücktritt haben wir natürlich Kontakt gehabt. Inzwischen etwas weniger, ab und zu schreiben wir miteinander.

Über fußballerische Themen?

Klar, bei Biero geht es immer um Fußball (lacht).

Wo liegen die Unterschiede zwischen Bierofka und Ihrem neuen Trainer Michael Köllner?

Unter ihm haben wir härter trainiert, was nicht negativ gemeint ist. Das Training war im einen oder anderen Punkt anders gestaltet, daher war es für mich nach der langen Zeit unter Biero natürlich anfangs schon eine Umstellung.

Unter Michael Köllner waren Sie zuletzt nicht mehr gesetzt.

Die letzten Wochen waren nicht leicht für mich. Ich fühle mich in der Rolle als Ersatzspieler nicht wohl. Michael Köllner redet viel mit mir. Natürlich sind wir nicht immer derselben Meinung. Mir bleibt nichts anderes übrig, als in jedem Training Gas zu geben.

Ihr Vertrag läuft am 30. Juni aus. Gibt es aktuell Gespräche über eine Verlängerung?

Die Gespräche liegen momentan auf Eis, da der Verein auch nicht weiß, wie es weitergeht. Vor der Zwangspause haben wir geredet, aber noch keine wegweisenden Entscheidungen getroffen.

Vor der Corona-Pause sind Sie mit den Löwen 14 Spiele in Folge ungeschlagen gewesen.

In der Mannschaft war die Aufbruchsstimmung erkennbar. Natürlich ist die Chemie innerhalb des Teams gut, wenn es so hervorragend läuft.

Wie bewerten Sie Ihre persönliche Entwicklung der vergangenen Jahre?

Auch wenn natürlich immer noch mehr geht, bin ich zufrieden. Der Aufstieg in die Dritte Liga 2018 war natürlich das Highlight. Die Videos davon schaue ich mir noch oft auf meinem Handy an. Auch mein erstes Jahr im Profifußball war gut, ebenso wie die Hinrunde diese Saison.

Wie oft kommen Sie noch dazu, ihren Heimatverein, den SV Ohlstadt, vor Ort zu unterstützen?

Immer wenn ich frei habe, und keine wichtigen Dinge in München zu erledigen sind. Ich kenne alle Spieler, obwohl ich mit neun Jahren bereits zu den Löwen gewechselt bin. Mit Klaus Zach und Matthias Kaindl habe ich früher in der Jugend, bei den ganz Kleinen, sogar noch zusammengespielt.

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