Ein Blauer durch und durch:

Fredi Heiß wird 75 - Stationen einer Löwen-Legende

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1860-Legende Fredi Heiß auf dem Trainingsgelände an der Grünwalder Straße.

München - Eine Löwenlegende feiert am Samstag 75. Geburtstag: Fredi Heiß. Mit der tz kehrte der Jubilar jetzt an die wichtigsten Stationen seiner Karriere zurück

Eine Löwenlegende feiert am Samstag 75. Geburtstag: Fredi Heiß. Rechtsaußen der Meistermannschaft, Nationalspieler und einer, der nie ein anderes Trikot getragen hat als das blaue (von 1954 bis 1970). Ein Sechziger durch und durch. Auch heute noch, als regelmäßiger Besucher der Heimspiele in der Allianz Arena. Heiß, der in 169 Bundesligapartien 40 Treffer erzielt hat, stand dem Verein auch nach seiner aktiven Karriere zur Verfügung. In den Neunzigerjahren als Vizepräsident und später als Mitglied des Aufsichtsrats. Mit tz-Reporter Claudius Mayer kehrte der Jubilar jetzt an die wichtigsten Stationen seiner Karriere zurück, wobei natürlich vor allem das Jahr 1966 im Mittelpunkt stand. Das Jahr, in dem Fredi Heiß mit Petar Radenkovic, Peter Grosser, Rudi Brunnenmeier & Co. die Deutsche Meisterschaft feierte.

Pinakothek: Da begann’s

Das Danteln klappt auch mit 75 noch. 27 Kontakte, bevor der Ball zu Boden fällt – Respekt. Hier, auf der riesigen Wiese vor der Alten Pinakothek, hat der kleine Fredi in den Fünfzigerjahren Fußballspielen gelernt. „Mit meinen Spezln habe ich da jeden Tag stundenlang gekickt“, erzählt er. „Eine herrliche Zeit. Mit einigen Jungs von damals bin ich heute noch beisammen. Bei einem Verein habe ich erst mit 13 Jahren gespielt. Das war dann gleich der TSV 1860. Als ich nämlich in der Zeitung gelesen habe, dass man die Spieler dort Löwen nennt, wollte ich unbedingt dorthin. Wir hatten 14 Schülermannschaften, nach ein paar Tagen im Training durfte ich schon in der Ersten spielen. Das war vor allem deshalb toll, weil wir im Sechzger-Stadion die Vorspiele unserer Oberligamannschaft machen durften.“

Im Elternhaus

Fredi Heiß blickt aus dem Fenster in der Barerstraße 74. „Hier im ersten Stock bin ich groß geworden“, sagt er. „Das Haus ist seit 1908 in Familienbesitz, und mein Vater hatte unten eine Metzgerei. Nicht schlecht in den Kriegs- und Nachkriegsjahren, aber mir war ein Marmaladbrot eigentlich immer lieber.“ Heute gehört dem Fredi („Ich war ein Einzelkind“) das Haus in der Maxvorstadt, und an den Türklingeln wimmelt es nur so von Heißens. Sohn und Tochter wohnen hier, eine Enkelin und eine fast 90-jährige Tante. In der einstigen Metzgerei befindet sich jetzt ein Cafe. Heiß: „Eigentlich sollte ich die Metzgerei übernehmen, aber dann bin ich doch lieber ins Speditionsgeschäft meines Onkels eingestiegen. Der war übrigens Bayern-Fan.“

„Für immer mein Stadion“

Das legendäre Sechzger in Giesing. „Mein Stadion“, sagt Heiß, der hier elf Jahre lang (1959 bis 1970) in der ersten Mannschaft der Löwen aufgelaufen ist. Seine Premiere feierte er in der Oberliga Süd am 30. August 1959 mit einem 1:1 gegen Reutlingen, sein erstes Tor im „Greawoida“ erzielte er am 17. Januar 1960 beim 3:0 gegen Schweinfurt. Heiß: „Wenn ich heute mit dem Auto am Stadion vorbeifahre, kommen mir jedes Mal die Erinnerungen an früher sofort in den Sinn. Ich weiß noch, dass ich erst mal alle Rollstuhlfahrer per Handschlag begrüßen musste, wenn ich rausging, um die erste Ecke zu schießen. Es war richtig eng im Sechzger. Trainer Max Merkel hielt mir mal einen Schal hin, da er Angst hatte, dass ich erfriere, weil ich nur rumgestanden sei. Das war peinlich. Eine andere Zeit. Aber die schönste in unserem Leben. Spieler wie Wagner, Reich, Rebele oder Steiner haben mich ja fast die gesamte Karriere begleitet.“

Abends in die „Zwicke“

Die „Zwickmühle“ war für die „alten“ Löwen mindestens genauso wichtig wie der Trainingsplatz. Die Kneipe in der Theresienstraße 70 war bekannt dafür, am Abend als regelmäßiger Anlaufpunkt der Spieler zu dienen. „Aber nicht von allen“, sagt Heiß, „den Wagner Manni, Zeiser oder Steiner hat man hier nicht gesehen. Die waren brav und sind zu Hause geblieben. In der Zwicke waren nur die sogenannten Alkoholiker, von denen Merkel mal erzählt hat. Jene Spieler, die im Training die Nichtalkoholiker hoch besiegt hatten. Und er daraufhin vorgeschlagen hat, dass sie weitersaufen sollen. Wer dabei war? Der Stemmer Fonse, der Brunnenmeier, der Patzke. ich und noch ein paar Konsorten. Für mich persönlich hat die Zwicke noch einen anderen Erinnerungsgrund. Hier habe ich meine Frau zum ersten Mal geküsst. Das ist jetzt 54 Jahre her.“ Heute befindet sich in den Räumen der Zwickmühle ein vietnamesisches Restaurant. Heiß schaute rein: „Die Bar dort ist toll, eigentlich fast so wie es früher auch war.“

Viel gefeiert und geärgert

Auf dem Rathausbalkon wurden die Löwen nach der Rückkehr vom Europacup-Finale 1965 (0:2 gegen West Ham) und dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft gefeiert. „Ein wunderbares Gefühl“, sagt Heiß. Weniger angenehm empfand er die ein oder andere Aufsichtsratssitzung im Rathaus, zu der OB Christian Ude, der Aufsichtsratsvorsitzende, geladen hatte. „Bei uns gab es in diesem Gremium nie eine fußballtaktische Ausrichtung“, sagt Heiß, „es waren verlorene Jahre für mich. Es hat mich genervt, dass man nichts verändern konnte.“ Und deshalb ist er 2007 zurückgetreten. Einen Tag nach einer Aufsichtsratssitzung im Rathaus.

Das Highlight: Meister!

Im Konferenzraum der 1860-Geschäftsstelle zeigt Heiß auf das Bild jener Mannschaft, die am 28. Mai 1966 nach einem 1:1 gegen den Hamburger SV die Deutsche Meisterschaft gewann. „So richtige Jubelbilder gibt es von uns damals nicht“, sagt Heiß, „wir waren irgendwie nur ergriffen davon, dass uns dieser Erfolg gelungen ist.“ Auch Bierduschen waren noch verpönt. Heiß: „Undenkbar vor allem, dass einer von uns dem Trainer ein Bier über den Kopf geschüttet hätte. Und bei einem Max Merkel hätte sich das schon überhaupt keiner getraut. Ich glaube, so einer hätte nie mehr bei ihm gespielt.“ Heiß erzielte als Rechtsaußen in der Meistersaison beachtliche zehn Tore, seine beste Quote in sieben Jahren Bundesliga.

Hier floss der Schweiß

Versonnen blickt Heiß auf den Trainingsplatz, wo er einst selbst gekickt und geschuftet hat. Immer wieder mal schaut er an der Grünwalder Straße vorbei, wo für ihn alles begann und wo er jetzt den Kids Autogramme gibt. „Mein erster Trainer als Schüler war der Stieglbauer. Wir waren ein Haufen von Spielern, und der Stieglbauer hat jeden angespielt, und je nachdem wie der Pass verwertet wurde, darüber entschieden, ob einer in der ersten oder zwölften Mannschaft spielt. Mir hat kein Trainer was beigebracht, ich war ein Straßenfußballer und wusste selbst, worauf es ankommt.“

cm

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