Löwen "mit Herz" gefragt

Fröhling mag es bodenständig: Stahl rein, Sanchez raus

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Der neue Sechzger-Trainer Torsten Fröhling.

München - Der neue 1860-Trainer Torsten Fröhling kündigt eine bodenständige Elf an – Typen „mit Herz“ stehen bei ihm hoch im Kurs.

Der Frühling ist zurück in Giesing – zu spüren ist das auch im Biergarten vor dem Löwenstüberl, wo einen Tag vor dem Heimspiel gegen St. Pauli reger Andrang herrschte. Die meisten, die dort sitzen und ihr Weißbier trinken, sind Stammgäste. Am Freitag jedoch mischten sich auch zwei Männer unter das Volk, die nur aufgrund der jüngsten Entwicklung beim TSV 1860 angelockt wurden. „Zwei meiner besten Freunde haben sich gleich ins Auto gesetzt und sind von Hamburg runtergefahren“, berichtete Torsten Fröhling, 48, der neue Cheftrainer. „Ich habe ihnen zwar gesagt: Jungs, das Spiel ist erst am Samstag, nicht schon am Freitag.“ Aber das hat den kleinen Fröhling-Fanclub nicht davon abgehalten, auch gleich das Abschlusstraining unter die Lupe zu nehmen.

Zusammen mit einer in München lebenden Cousine und zwei anderen Freunden rechnet Fröhling am Samstag mit fünf privaten Unterstützern. Seine Frau und die beiden Kinder werden dagegen in Hamburg bleiben, denn von der Coolness, die der neue 1860-Coach an den Tag legt, ist seine Familie offenbar weit entfernt. „Ich glaube, die werden noch nicht mal den Fernseher anmachen, so nervös sind die“, berichtete der beförderte U 21-Coach.

Er selber freut sich schon „riesig“ auf seine Profitrainer-Premiere, die ja unter besonderen Vorzeichen steht: Gegner ist St. Pauli, Fröhlings Ex-Klub. Die Tabellensituation ist mehr als brisant: Der Letzte zu Gast beim Drittletzten – wer verliert, darf bereits für die 3. Liga planen. Dazu kommt der plötzliche Run auf die Tickets, für den nicht nur Fröhlings Freude verantwortlich sind. „Wir rechnen mit mehr als 22 000, vielleicht 23 000 Zuschauern“, meldet der neue Medienchef Thomas Blazek und nimmt gleich eine selbstironische Wertung vor: „Bei uns in Österreich wäre das eine Wööldsensation.“

All das lässt jedenfalls einen heißen Nachmittag erwarten. Kann man denn überhaupt ruhig bleiben, wenn das Amateurderby im Grünwalder Stadion bisher das aufregendste Match war, das man als Trainer geleitet hat? „Bis jetzt konnte ich sogar gut schlafen“, behauptete Fröhling. „Ich hatte gar keine Zeit, um nervös zu werden. Aber das Kribbeln kommt schon. Das muss auch so sein, denn zu locker sollte man auch nicht an die Sache rangehen.“

Gedanken hat er sich offenbar genug gemacht in den drei Tagen, seit er den Job von Markus von Ahlen übernommen hat. Mit welcher Aufstellung er plane? „Mit einer guten“, sagte er lächelnd. Bloß keine Hinweise geben, die dem Gegner nutzen. Es reicht ja schon, dass er angekündigt hat, keine Geheimtrainings mehr abzuhalten. Die Kapitänsbinde wird er wohl am Arm von Chris Schindler belassen – oder bei Stellvertreter Daniel Adlung: „Das bleibt so wie es ist.“ Doch selbst im Tor sei ein Wechsel möglich: „Es gibt überall Überlegungen – es kann sich alles ändern.“

Fröhling kündigte an, „die Sache ein bisschen offensiver anzugehen“ als zuletzt. Zu rechnen ist mit einer Elf, die bodenständig wie ihr Trainer auftreten wird. Ohne den Spanier Ilie Sanchez, der im 18er-Kader fehlt (wie Claasen und Hain). Dafür mit Recken wie Kai Bülow. Mit Dominik Stahl, der erstmals nach seiner Verletzung zurück im Aufgebot ist: „Stahli ist im Herz ein echter Löwe.“ Auch Moritz Volz hat gute Karten, nicht nur weil er wie Fröhling Ex-Paulianer ist. „Es sind Typen gefragt“, sagte der Coach: „Dazu gehört Volzi auch.“

Im Teamhotel am Freitagabend wollte Fröhling sein Aufstellungsgeheimnis lüften. „Es wird eine ganz, ganz knappe Ansprache“, kündigte er an. „Aus der Schule weiß ich, dass man vielleicht 20 Minuten aufmerksam zuhören kann. Und bei Fußballern ist das auch nicht anders.“

Selbst ihm war ja am Tag der Beförderung ein kleiner Konzentrationsfehler unterlaufen. „Meine Frau hat geschimpft“, berichtete Fröhling: „Ich hab ja erzählt, dass ich im Schach nicht mal gegen meinen 12-jährigen Sohn verlieren kann – er ist aber im Januar 13 geworden.“ Kann ja mal passieren in einer Woche, die auch für den coolen Fröhling irgendwie aufregend war.

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