Fröhling treibt seine Löwen an

"Bin der letzte Trainer, der runter vom Gas geht"

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1860-Trainer Torsten Fröhling während des Trainings im Gespräch mit Daniel Adlung.

München - Den Fans des TSV 1860 steht ein Osterfest der etwas anderen Art bevor: Schaffen es die Löwen, sich im Duell mit Aue aus dem Abstiegskampf zu befreien? Oder geht das Leiden bis zum Schluss weiter?

Es ist ohne jeden Zweifel eines der wichtigsten Spiele in der jüngeren Geschichte des TSV 1860. Am Ostersonntag, dem Tag der Auferstehung, empfangen die Löwen (26 Punkte) Erzgebirge Aue (22) in der Arena, und die Ausgangslage dürfte allen Beteiligten klar sein: Mit einem Sieg gegen den Tabellenvorletzten wäre das Team von Torsten Fröhling aus dem Gröbsten raus, die Sachsen würden bei dann sieben Punkten Rückstand kaum noch eine Gefahr darstellen. Angesichts des ausgeprägten Arena-Komplexes der Gastgeber (nur zwei Siege in 13 Spielen) ist aber auch jedem bewusst, dass sich die weißblaue Welt noch einmal tiefschwarz verfärben könnte. Eine weitere Heimpleite am Ostersonntag – und das große Zittern ginge von vorne los. Eine Bestandsaufnahme.

So lief die Pause

Jetzt, da die Saison ins letzte Viertel einbiegt, gehen viele Teams runter vom Gas, setzen verstärkt auf Regeneration. Auch die Löwen? „Ich bin der letzte Trainer, der runter vom Gas geht“, sagt Fröhling. „Das hab ich auch noch nie gemacht. Bei Altona 93 waren wir sechs Spieltage vor Schluss aufgestiegen – trotzdem haben wir voll durchgezogen. Die Spieler haben zwar gejammert, aber am Ende haben sie noch alles gewonnen. Nee, nee, wir lassen nicht nach.“ Der Trainer sieht es so: „Um noch ein paar Millimeter reinzukriegen, musst du immer mehr machen. Am Ende der Woche musst du was getan haben, sonst gehst du lasch auf den Platz.“

Teambuilding

Trotz seines Vollgas-Credos hat Fröhling während der Länderspielpause jede Menge Freizeit spendiert: ein verlängertes Wochenende nach dem Aalen-Spiel (1:1), dazu zwei weitere Tage. Und als am Dienstag Sturmtief „Niklas“ über den Platz fegte, wurde kurzerhand eine Runde Teambuilding eingestreut. Fröhling und Co-Trainer Collin Benjamin luden nach der Vormittagseinheit auf die Kartbahn – als verspätetes Einstandsgeschenk. „Wir haben überlegt: Was kann man bei dem Wetter als Gruppe noch machen? Wassergymnastik oder so? Dann haben wir gesagt: Komm, lass uns Kart fahren gehen – da ist auch Gas geben angesagt.“ Fröhlings Fazit: „Die Jungs hatten Spaß. Für mich war wichtig, dass ich nicht Letzter geworden bin. Gewonnen hat Chris Schindler, ich war in der zweiten Gruppe Siebter.“

Personelle Lage

Von den Spielern, die zuletzt den Stamm bildeten, sind alle soweit fit. Stahl kränkelte unter der Woche, Rodri bekam eine Spritze, auf die er mit einem blauen Fleck reagierte – Fröhling geht aber davon aus, dass beide spielen können. Mit Form und Biss seiner Elf ist er zufrieden: „Die Mannschaft brennt, aber sie brennt auf jedes Spiel. Jeder will sich einbringen – und so hauen sie sich im Training rein.“

Mentale Situation

Kapitän Schindler rätselte nach dem Aalen-Spiel über die mentale Verfassung der Mannschaft, die oft erst nach Rückständen aufwacht. Ein Fall für die Couch? Fröhling lehnt externe Hilfe ab, andere Psychomaßnahmen („übers Feuer laufen oder so“) sind für ihn bestenfalls eine Option für die Zukunft. Sein Rezept, wie man akut Selbstvertrauen tanken kann, ist simpler: „Die erste Aktion muss gelingen, das ist ganz wichtig. Wenn es da Probleme gibt, dann ziehen sie sich runter.“ Ein Beispiel, wie man sich selbst mental befreien kann, ist für ihn Kai Bülow: „Der hat immer mal so’n Kasper dabei, so einen komischen Ball, aber der schüttelt sich kurz und spielt danach richtig solide weiter.“

Aue mit Wood

Erzgebirge Aue reist mit Bobby Wood (r.) an, der die Löwen im Groll verlassen hat. Die Sachsen setzen darauf, dass schon die Anwesenheit des genesenen Stürmers Angst und Schrecken bei 1860 verbreitet. .

Für Aue ist das Spiel die letzte Chance, ohne Relegation die Klasse zu halten, und da kommt diese Meldung gerade recht: Bobby Wood, der im Groll geschiedene Urlöwe, steht im Kader. Am Donnerstag soll der Stürmer erstmals seit seiner Knieverletzung trainieren. Tomislav Stipic schließt einen Einsatz nicht aus – und sei es, um einen Psychoeffekt zu erzielen. „An Motivation wird es ihm nicht fehlen“, sagt der Aue-Coach im tz-Interview. „Gegen 1860 würde er zur Not wohl auch mit einem Bein auflaufen.“

Auch 1860 bleibt von "Niklas" nicht verschont

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Kulisse am Sonntag

Für Sonntagmittag sind sechs Grad angesagt, eventuell auch Schneeschauer. Einige Fans dürften zudem in den Ferien sein, der Verein kalkuliert defensiv mit 17.500 Zuschauern. Fröhling: „Es ist ein immens wichtiges Spiel. Ich hoffe, dass viele einen Osterausflug machen und uns unterstützen – so wie immer.“

Fröhlings Ausblick

Während der Ligapause wurde der beförderte U 21-Coach offiziell aufgewertet. Fröhling berichtet von einem Zusatzvertrag bis Saisonende, vermutlich mit angepasstem Salär: „Damit ich mich Bundesligatrainer schimpfen darf“, sagt er und lächelt. Hat er auch schon Signale empfangen, dass er über den Sommer hinaus bei den Profis bleiben darf? „Darüber haben wir noch gar nicht gesprochen. Entscheidend sind: Ergebnisse, Ergebnisse, Ergebnisse.“ Aber, gibt er zu: „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich will nicht weitermachen.“ Ein Sieg im Sechspunktespiel gegen Aue wäre nicht die schlechteste Empfehlung.

von Uli Kellner

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