Während der Länderspielpause

Vier freie Tage über Ostern? "Benno weiß genau, was er tut"

München - Benno Möhlmann und Oliver Kreuzer glauben weiter an das Gute in ihren Löwen. Ein wenig überrascht es, dass die 1860-Spieler vier freie Tage während der Länderspielpause haben.

An der holzverkleideten Wand hängt eine Collage, die den verstorbenen Karl-Heinz Wildmoser zeigt, den legendären Patriarchen. Und auch der Eckplatz im Löwenstüberl, an dem Sportchef Oliver Kreuzer jetzt sitzt, ist geschichtsträchtig. Kulttrainer Werner Lorant hat hier einst den großen Zampano gegeben, hat an diesem Tisch gepoltert und getobt, hat Espresso mit viel zu viel Zucker getrunken. Meistens hat er auch jemanden beleidigt, wenn der zurückliegende Spieltag nicht nach seinem Wunsch verlaufen war – ehe er dann knurrend und nach ein, zwei weiteren „Expresso“ von dannen gestapft ist.

Kurzer Energieschub: So feurig und engagiert wie beim 1:0 durch Jan Mauersberger (l., hier mit Sascha Mölders) wollen die 1860-Bosse ihr Team wieder häufiger erleben.

Wie wohl Lorant dieses 1:1 gegen Bielefeld kommentiert hätte? Ein Spiel, in dem die Löwen nur eine halbscharige Chance aus dem Spiel heraus hatten (Lacazette/25.), nachdem sie früh von einem Standardtor profitiert hatten? Ein Spiel mit ungezählten Fehlpässen, gleichbleibend behäbigem Tempo, geprägt von verzagten Zweikämpfen und 1:7 Ecken gegen das eigene Team? Man ahnt, dass das Urteil eher vernichtend ausgefallen wäre. Kreuzer jedoch sagt, auf Lorants Platz sitzend, mit freundlichem badischen Tonfall: „Das sind elf Menschen, die nicht das abgerufen haben, was sie abrufen können.“ Er weist auf die schwache Laufleistung hin, spricht von einem „mutlosen, laschen Auftritt“, den es zu analysieren gelte. Sein Urteil nach einer halben Stunde ist dann wieder von Nachsicht geprägt: „1:1 gegen Bielefeld. Wir haben uns viel vorgenommen. Leider ist wenig rausgekommen. Es gibt aber keinen Grund, Trübsal zu blasen. Wir sind nur enttäuscht, dass wir wieder einen Platz nach unten gerutscht sind.“

Auch Benno Möhlmann, 61, nur sechs Jahre jünger als Lorant, geht trotz der Enttäuschung im Umfeld betont unaufgeregt mit dieser verpassten Chance im Abstiegskampf um. Normales Auslaufen am Montag, gefolgt von einem freien Dienstag. Dann zwei Tage Training und ein Testspiel (Donnerstag gegen Grödig), ehe über Ostern erneut drei Tage frei sind. Ein Blogger am Tisch findet, dass die Herren Profis in dieser Situation mehr machen müssten, Defizite aufarbeiten, Zusatzschichten schieben. Kreuzers Kommentar dazu: „Die Trainingspläne erstelle nicht ich, sondern der Trainer. Ich werde einen Teufel tun und sagen, er muss mehr trainieren. Der Benno ist erfahren genug. Der weiß genau, was er tut.“

Davon ist auszugehen, nachdem Möhlmann bereits drei Klubs vor dem Abstieg bewahrt hat. Konsens bei ihm und Kreuzer ist offenbar, trotz des sportlichen Rückschritts weiter an das Gute in ihrer Mannschaft zu glauben. „Man kann ihnen das Bemühen ja nicht absprechen“, wirbt der Manager um Verständnis. „Wir haben schon versucht, Fußball zu spielen, aber wir haben schlechten Fußball gespielt.“ Der Trainer hatte bei seiner Erstanalyse gesagt: „Klar muss man mehr Körperspannung haben, aber die konnten wir heute in der Gesamtheit nicht aufbauen.“ Weil die Mannschaft doch noch nicht stabil genug ist? „Ich will das nicht als grundsätzlich darstellen. In diesem Spiel ist es so gewesen.“ 14 Punkte haben die Löwen aus den ersten 21 Spielen geholt, 11 in den letzten sechs. Einer wie Möhlmann, Realist durch und durch, weiß natürlich: Dämpfer sind in so einer angespannten Lage normal – ein pannenfreier Spurt zur vorzeitigen Rettung würde dagegen ein Wunder darstellen.

TSV 1860 München gegen Arminia Bielefeld: Vier Mal Note 5

TSV 1860 München gegen Arminia Bielefeld: Vier Mal Note 5

Aus Sicht von Kreuzer ist es vor allem wichtig, vor dem Sieben-Spiele-Endspurt die Nerven zu bewahren: „Natürlich würden wir uns alle wünschen, dass wir schon am drittletzten Spieltag durch sind.“ Ehe die Leidensgenossen aus Paderborn in der Arena aufkreuzen. „Das wäre der Idealfall“, sagt er. „Trotzdem ist unsere Lage besser als noch vor vier Wochen.“

Bei seinem Ex-Klub KSC am 3. April hofft Kreuzer auf eine erneute Trendwende. „Jetzt sind wir wieder in der Bringschuld“, sagt er. Sein Vorschlag bis dahin: „Trainieren, trainieren, trainieren.“ Das wiederum hätte auch aus Lorants Mund nicht viel anders geklungen.

Rubriklistenbild: © MIS

auch interessant

Meistgelesen

Rekord-Löwe Ribamar feiert Debüt - „Er hat’s gut gemacht“
Rekord-Löwe Ribamar feiert Debüt - „Er hat’s gut gemacht“
Lorant ist frisch verliebt - und hat wenig Hoffnung für 1860
Lorant ist frisch verliebt - und hat wenig Hoffnung für 1860
Tor, Abwehr, Angriff: So schlugen sich die Löwen im Testspiel
Tor, Abwehr, Angriff: So schlugen sich die Löwen im Testspiel
Heinrich heute: Neuzugänge mit Hand und Fuß
Heinrich heute: Neuzugänge mit Hand und Fuß
<center>Natürlich Landleben - Der Buch-Kalender 2017</center>

Natürlich Landleben - Der Buch-Kalender 2017

8,99 €
Natürlich Landleben - Der Buch-Kalender 2017
<center>Samt-Trachtenhut mit Hahnenschlappenfeder grün</center>

Samt-Trachtenhut mit Hahnenschlappenfeder grün

35,00 €
Samt-Trachtenhut mit Hahnenschlappenfeder grün
<center>Honigschlehe</center>

Honigschlehe

15,80 €
Honigschlehe
<center>Samt-Trachtenhut mit Hahnenschlappenfeder lila</center>

Samt-Trachtenhut mit Hahnenschlappenfeder lila

35,00 €
Samt-Trachtenhut mit Hahnenschlappenfeder lila

Kommentare