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Fußball-Leiter Beer: Profis bleiben halbe Million schuldig

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Von: Armin Gibis

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München - Roman Beer hat auf der Versammlung der Sechzig-Fußballer Investor Hasan Ismaik und die KGaA in die Pflicht genommen. Der Leiter der Fußball-Abteilung fühlt sich übergangen.

Roman Beer war die Sache hörbar unangenehm. „Wir sind nicht scharf darauf, das heute anzusprechen“, sagte er am Donnerstagabend fast entschuldigend in der Gaststätte „Zunfthaus“. Aber als Leiter der Fußball-Abteilung des TSV 1860 e. V. und damit als Hauptverantwortlicher der Nachwuchsarbeit sah er sich zu einer vereinsinternen Offensive gezwungen. „Uns fehlen in der Finanzierung eine halbe Million Euro“, sagte Beer.

Und dieser Vorwurf richtete sich gegen die von Hasan Ismaik beherrschte KGaA, also den Profibereich. Abteilungs-Kassenwart Thomas Probst hieb in die gleiche Kerbe: „500.000 Euro, die uns zustehen, wurden grundlos nicht gezahlt. Die einzigen, die es trifft, sind unsere Trainer, Betreuer und die Jugendlichen. Wir brauchen das Geld, um vernünftig planen zu können.“

„Jugendarbeit einziger Lichtblick bei Löwen“

Eine mehr als heikle Angelegenheit also, gerade bei den Löwen. „Die Jugendarbeit war in den letzten Jahren der einzige Lichtblick und Stolz des TSV 1860“, betonte Beer. Doch offenbar wird der viel gerühmte und auch vom DFB mehrfach ausgezeichnete Talentschuppen nun von der KGaA der Löwen hängen gelassen.

„Wir wollen die erfolgreiche Jugendarbeit weiter stärken“, so der Abteilungsleiter weiter. Doch aus unerfindlichen Gründen bleiben seit über eineinhalb Jahren die über den Geschäftsbesorgungsvertrag geregelten Zahlungen des eigenständigen Profibereichs aus. Die Folge: Es droht im Haushalt ein Defizit von über 400.000 Euro. „Wir müssen nicht vors Insolvenzgericht“, versicherte Beer. Denn noch könnte die Abteilung von ihren Rücklagen zehren. „Aber es ist problematisch, wenn Gelder nicht kommen.“

Cassalette erwartet Besserung dank Ayre

Vereinspräsident Peter Cassalette versuchte sogleich als Schlichter aufzutreten. Die bisherigen Unstimmigkeiten führte er - „vorsichtig gesagt“ - darauf zurück, dass die früheren Geschäftsführer Raed Gerges und Anthony Power „nicht ganz verstanden haben, um was es geht“. Mit dem neuen Geschäftsführer Ian Ayre bestehen offenbar weitaus größere Chancen, das Problem rasch zu beseitigen. Cassalette kündigte an, dass es schon am Freitag kommender Woche zu entsprechenden Unterredungen kommen werde. Er erwarte, dass entweder zunächst eine erhebliche Abschlagszahlung oder gleich die ganze Summe überwiesen würden.

Beer wies noch auf einen weiteren - offenbar wunden - Punkt im Verhältnis zum Investor hin. Hasan Ismaik habe vor einigen Monaten von „Plünderungen und Korruption im Verein“ gesprochen. Es wäre „wünschenswert“, so Beer, wenn diese Aussage geklärt werden würde: „Was unsere Abteilung betrifft, so widersprechen wir dieser Aussage ganz massiv.“ Die rund 60 anwesenden Mitglieder kommentierten dies mit donnerndem Applaus.

Dass Ismaik womöglich noch mehr Anteile am Verein erwerben möchte, inspirierte Beer zudem zu der Bemerkung: „Dazu sind aus unserer Sicht gewisse Gegenleistungen nötig. Die Gegenleistung kann aber nicht darin bestehen, dass im Sommer drei Brasilianer gekauft werden, die dann auf der Bank sitzen.“ Erneut gab es lautstarken Applaus.

Armin Gibis

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