Erstes Liga-Match gegen Unterhaching

„Geheimfavorit? Nicht meine Baustelle“ - Ex-Löwe Aigner gibt in Uerdingen Gas

Stefan Aigner bei einem Testspiel des KFC Uerdingen.
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Stefan Aigner bei einem Testspiel des KFC Uerdingen.

Stefan Aigner spricht über seinen Start bei den ambitionierten Uerdingern mit Großkreutz und Beister und das Highlight-Match im Grünwalder gegen seine Löwen.

Krefeld - Noch wohnt Stefan Aigner im Hotel in Krefeld, doch die Wohnungs-/Haussuche läuft intensivst. Frau, Sohn und Hund verlangen nach einem kleinen Garten – „ich hoffe, dass sich bald was Gscheites findet“, sagt der 30-jährige Ex-Löwe, der mit seinem neuen Klub KFC Uerdingen am Sonntag gegen die SpVgg Unterhaching in die Dritte Liga startet. Das Interview.

Stefan Aigner, das Thema Integration steht derzeit wieder ganz oben auf der Agenda. Wie haben Sie sich als Urbayer im fernen Rheinland eingelebt?
Aigner: Kein Grund zur Klage. Es gibt schlimmere Flecken als die Gegend hier (lacht). Düsseldorf ist nicht weit, du bist schnell im Grünen, die Leute geben mir das Gefühl, willkommen zu sein, und in unserer Mannschaft macht’s Spaß, Fußball zu spielen. Genau so hab ich mir das erhofft.
Sie haben zwei schwierige Jahre hinter sich. Erst der Abstieg mit 1860, dann das sportlich missglückte Abenteuer in der MLS bei Colorado Rapids. Was konnten Sie in dieser Zeit lernen?
Aigner: Schwierige Frage. Also bei Sechzig hab ich kurz gesagt erfahren, wie nah Himmel und Hölle im Fußball zusammenliegen können. Und in Denver haben wir uns wirklich wohlgefühlt, aber nach dem Trainerwechsel war halt einfach die Perspektive nicht mehr da, regelmäßig zu spielen. Innerhalb der USA wollten wir nicht umziehen – und da ist auch schon die Anfrage von Uerdingen dahergekommen. Noch vor der Vertragsauflösung in Denver hat mich Niko Weinhart (KFC-Geschäftsführer, d. Red.) angerufen und gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte, Dritte Liga in Krefeld. Und er hat nicht ­lockergelassen.

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Auch eine Rückkehr zum TSV 1860 stand im Raum.
Aigner: Ja, aber nicht konkret. Ich habe mich mit dem Biero getroffen und über die ganze Situation geredet. Es war dann aber schnell klar, dass die Kaderplanung bei Sechzig im Grunde durch war – bis auf einen Innenverteidiger. Und dafür bin ich nicht wirklich die Idealbesetzung.
In Uerdingen sind Sie nicht der einzige bekannte Name, der noch mal die Kurve kriegen will. Maximilian Beister kam bereits im vergangenen Winter, Kevin Großkreutz jetzt im Sommer. Direkt gefragt: Welche Rolle spielte das Geld des russischen Investors und Präsidenten Mikhail Ponomarev?
Aigner: Für mich eine untergeordnete, das können Sie mir glauben. Und wenn Sie sehen würden, wie sich der Maxi und der Kevin hier in jedem Training reinhauen, was für einen Spaß wir hier alle am Fußball haben, dann würden sich einige Ansichten schnell relativieren. Das Ziel ist hier ganz klar die Zweite Liga – nicht sofort, das wäre nach zwei Aufstiegen in Folge vermessen, aber innerhalb der nächsten paar Jahre halte ich das schon für möglich. Ich habe bis 2021 unterschrieben.
Am Sonntag geht’s zum Auftakt gegen Unterhaching – für Sie als Löwe ein Extra-Reiz?
Aigner: Naa, das wär jetzt übertrieben. Das Auftaktspiel ist immer was Besonderes, ganz wurscht, welchen Gegner du hast. Bei Haching freu ich mich speziell, den Claus Schromm wiederzusehen. Er war mein Trainer in der A-Jugend bei 1860 damals, und wir haben uns super verstanden.
Gegen die Löwen geht’s am vierten Spieltag. Da dürften Ihre Gefühle eher gemischt sein.
Aigner: Ja, im Grünwalder, das wird nicht leicht. Klar bin ich Profi, mein Klub ist jetzt Uerdingen. Aber er ist mit der ganzen Vorgeschichte ist es schon ein deppertes Gefühl.
Wie oft denken Sie noch an den Abstieg zurück?

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Aigner: Ich habe zum Glück ein gutes Stück Abstand gewinnen können in Amerika, trotzdem wird der Stachel immer drin bleiben. Das war das schlimmste Jahr meiner Karriere, es ist alles danebengegangen, was danebengehen konnte. Trauriger geht’s nicht. Aber es lässt sich nicht rückgängig machen, so bitter es ist.
Bittere Stunde: Stefan Aigner beim 1860-Abstieg
Wie stark schätzen Sie Sechzig als Konkurrenten ein?
Aigner: Ich würde sagen, dass sie mit den ganzen Verstärkungen auf Augenhöhe mit uns sind. Der Biero setzt genauso wie unser Trainer Stefan Krämer auf schnelles Umschalten. Effektivität und Konstanz werden am Ende der Saison entscheiden – mehr Phrasen spar ich mir jetzt. Über Favoriten und Geheimfavoriten sollen andere reden, das ist nicht meine Baustelle. Ich geb auf dem Platz Gas – und zwar richtig.

Interview: Ludwig Krammer

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