Wer will? Wer darf? Wer soll?

Zeitenwende bei 1860: Geheimsache Verwaltungsrat

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Bei der Mitgliederversammlung im Juni können die Löwen-Fans neue Verwaltungsbeiräte wählen.

München - Im Juni wird der Verwaltungsrat der Löwen neu gewählt - erstmals direkt von den Mitgliedern. Doch wer ist überhaupt für einen solchen Posten geeignet? Und wer will überhaupt kandidieren?

Es ist eine Art Zeitenwende bei 1860. Bei der für Juni geplanten Mitgliederversammlung wird erstmals seit Jahrzehnten ein Verwaltungsrat (bis 2013 Aufsichtsrat) direkt von den Mitgliedern gewählt. Welche Personen aus dem bisherigen Gremium (Siegfried Schneider, Christian Waggershauser, Markus Bauer, Robert von Bennigsen, Klaus Hagl, Dr. Klaus Leipold, Richard Ostermeier, Otto Steiner und Beatrix Zurek) sich wieder zur Wahl stellen, ist noch offen. Die Bewerbungsphase hat am Montag begonnen und läuft bis zum 15. April. Christian Poschet, der die Vorschläge unter seiner Maildresse christian.poschet@t-online.de entgegennimmt (alternativ reicht auch ein formloses Schreiben an den TSV München von 1860 e.V., Wahlausschuss, Grünwalder Straße 114, 81547 München), erklärte gegenüber der tz, dass bereits einige Vorschläge eingegangen seien und das „Gruppendenken Gott sei Dank vorbei“ sei.

Fast alle potenziellen Kandidaten baten auf Nachfrage darum, nicht namentlich genannt zu werden. Einer sagte sogar: „Ich befürchte, dass ich vorgeschlagen werde…“

Miller zu möglicher Kandidatur: "Abwegig wäre es nicht"

Thomas Miller beim ­Bodden-Benefizspiel.

Karsten Wettberg, selbst von 2009 bis 2011 Mitglied des Aufsichtsrats, sieht die Abkehr vom „Gruppendenken“ mit gemischten Gefühlen: „Wenn neun voneinander unabhängige Personen gewählt werden, ist immer die Gefahr gegeben, dass diese sich erst zusammenraufen müssen und natürlich kein gemeinsames Konzept existieren kann.“ Auch die Tatsache, dass seit Jahren keine Personen mehr im Verwaltungsrat sitzen, „die aus der Fußballpraxis kommen“, würde für Wettberg damit eher weiterhin bestehen bleiben: „Ich kenne Leute, die sich für das Amt zur Verfügung stellen würden, aber eben nur gemeinsam mit drei, vier Gleichgesinnten. Das wären Leute, die den Mitgliedern bekannt sind und denen ein gewisses Vertrauen entgegengebracht würde.“ Wie zum Beispiel Thomas Miller. Der ehemalige Publikumsliebling wird seit Jahren mit einem Posten im Verwaltungsrat in Verbindung gebracht, hat bisher aber stets abgelehnt, da er befürchtete, mit den übrigen Mitgliedern nicht zusammenarbeiten zu können. Am Dienstag äußerte sich Miller gegenüber der tz als Einziger zu einer möglichen Kandidatur. „Ganz abwegig wäre es nicht“, sagte der 52-Jährige, für den ein Engagement aber nur infrage käme, wenn weitere Personen mitmachen würden, die mit ihm auf einer Wellenlänge funkten. Selbst dann würden ihn noch Bedenken drücken. „Derzeit ist es doch so“, sagte Miller, „dass du keine eigenen Entscheidungen treffen kannst, weil du vom Investor abhängig bist. Wie zuletzt bei der Trainerentscheidung, als Hasan Ismaik die Verpflichtung eines erfahrenen Mannes verhindert hat. Es existiert ein Zwei-Lager-Denken, momentan wird einfach nicht an einem Strang gezogen.“

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Ginge es nach Karsten Wettberg, sollten „sechs, sieben Leute mit neuen Ideen her“. Vom bisherigen Verwaltungsrat, der u.a. für die Kandidatur des derzeitigen Präsidenten Gerhard Mayrhofer verantwortlich zeichnet, hält Wettberg wenig. Trotzdem glaubt er an eine erneute Kandidatur einiger Etablierter: „Da geht es um persönliche Eitelkeiten und die Aussichten auf VIP-Freikarten…“

Voraussetzung für eine Zulassung zur Wahl ist eine mindestens einjährige Mitgliedschaft bei 1860. Zudem sollten Mitglieder des Verwaltungsrats laut Vereinshomepage „angesehene Personen sein, die aufgrund ihrer Kenntnisse und Erfahrungen in der Lage sind, dem Verein beratend in rechtlichen, wirtschaftlichen, sportlichen, sport- und fanpolitischen Belangen sowie aufsichtsführend zur Verfügung zu stehen“. Ob sich Anspruch und Realität dieses Mal vereinbaren lassen?

lk, tz

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