Löwen-Präsident verabschiedet sich

Mayrhofer: "Ich bin nicht nur eine Funktion"

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Leidgeprüfter Präsident: Gerhard Mayrhofer, der einst gefordert hatte: „Unser Verein muss wieder Spaß machen.“

München - Gerhard Mayrhofer verabschiedet sich als 1860-Präsident, der viel wollte – und nicht viel erreichte. Eine Bilanz.

Gerhard Mayrhofer hatte für seine Abschiedsworte als 1860-Präsident das von ihm bevorzugte Medium gewählt. Via Facebook teilte er der blauen Anhängerschaft mit: „Vielen Dank an die echten Löwen für Eure Unterstützung, es war mir eine Ehre Euer Präsident zu sein. Einmal Löwe, immer Löwe!“

Das war’s also – in aller Kürze – nach zwei Jahren an der Spitze des so schwer zu bändigenden Klubs, an dessen Tücken letztlich auch er scheiterte. Und das auf schmerzhafte Weise. Die Absage für ein Interview begründete er gestern per SMS unserer Zeitung so: „Ich brauche jetzt ein paar Tage Abstand. Ich bin nicht nur eine Funktion, sondern Mensch und Löwe.“ Das klang nach Verletztheit, nach Erschöpfung. Die letzten Tage, und nicht nur die, scheinen ihre Spuren hinterlassen zu haben. Beim Menschen Mayrhofer, und auch beim Löwen Gerhard.

Dabei hatte der PR-Fachmann, Inhaber der Firma „Marken und Menschen“, am 13. Juli 2013 mit enormem Schwung und Optimismus sein Amt angetreten. Gestützt auf ein imposantes Wahlergebnis (rund 95 Prozent) verkündete er: „Unser Verein muss wieder Spaß machen.“ Er forderte: „Rock ‘n’ Roll statt Löwen-Blues.“ Den Bau eines eigenen Stadions – „den Löwen-Käfig“, wie er sich gerne ausdrückte – erhob Mayrhofer zum Vereinsziel. Er beschwor die Einigkeit der Gleichgesinnten, die er gerne „das Löwen-Rudel“ nannte. Und der neue Oberlöwe, der sich angeblich jeden Morgen das Sechziger-Lied anhört („57, 58, 59 ...“), startete eine Charme-Offensive in Richtung Abu Dhabi. Investor Hasan Ismaik, der vor allem Mayrhofers Vor-Vorgänger Dieter Schneider schwer bekriegt hatte, wurde nun innig in die Arme geschlossen und auf diese Weise – zumindest vorübergehend – zu „unserem Freund Hasan“.

Das war ein durchaus gelungener Start, und beim neuen 1860-Präsidenten trafen sogar Glückwünsche aus Australien und Japan ein. Doch es dauerte nicht lange, da verspürte Mayrhofer die Last des Amtes. „In diesem Knochenjob“, so sagte er, brauche man „Nerven aus zehn Millimeter dickem Draht“. Gerade drei Monate waren zu diesem Zeitpunkt in Mayrhofers Präsidentschaft vergangen. Seine Gereiztheit war unverkennbar, zeitweise schien sogar der Löwe Gerhard in ihm durchzugehen. So scholt er die Münchner Presse mit den Worten: „Was in diesem Verein veranstaltet wird, ist absurd. Und Ihr seid Teil dieser Absurdität.“

1860-Ticker: Wollen die Löwen IHN als neuen Knipser?

Von da an teilte sich der verstimmte Mayrhofer fast nur noch über Facebook mit. Sein Verhältnis zu den Medien wurde immer angespannter. Auch mit der „Bild“ legte er sich an. Diese widmete ihm prompt die Titelzeile „Präsident Peinlich“.

Die Pannen und Misslichkeiten (siehe Trottel-Affäre, Kirmaier-Klage) häuften sich, zugleich lief es sportlich nicht nach Plan. Die erste Mayrhofer-Saison endet mit dem enttäuschenden Rang 7, und der mit Gerhard Poschner als Geschäftsführer Sport ausgetüftelte Neustart 2014/15 ging völlig daneben. Selten klang der Löwen-Blues trostloser als in der letzten Saison (16. Platz). „Der Abstieg wäre eine Katastrophe gewesen“, erklärte der Vereinschef nach der Rettung in letzter Sekunde gegen Holsein Kiel (2:1).

Mayrhofer hatte viel versucht, in zwei Jahren vier Trainer entlassen, dazu kam noch die Trennung von Geschäftsführer Schäfer, Sportchef Hinterberger, Medienchef Seewald. Das Resultat war letztlich die miserabelste Saison in elf Jahren Zweitklassigkeit.

Zudem kühlte das Verhältnis zu Freund Hasan ab. Der Mehrheitsgesellschafter hatte die Löwen zwar mit seinen Zuwendungen einigermaßen über Wasser gehalten, doch die erhofften Investitionen in die Mannschaft blieben weiter aus. Ein halbes Jahr herrschte Funkstille zwischen Mayrhofer und Ismaik, zuletzt aber entbrannte ein Machtkampf, in dem der 1860-Präsident auf volles Risiko ging und alles daran setzte, den Jordanier zum Verkauf seiner Anteile zu bewegen. Die Sache ging schief, Mayrhofer trat zurück – aber zumindest in diesem Scheitern gab er eine sehr respektable Figur ab.

Gestern Nachmittag verbreitete Mayrhofer noch eine Schlussbotschaft via Internet: „Ich glaube, es gibt nichts mehr zu sagen. Wer jetzt noch nicht verstanden hat, was mit unserem Verein passiert, wird es vermutlich auch nicht mehr verstehen. Servus.“ Kurz danach schaltete Mayrhofer seine Präsidenten-Facebookseite ab. Für immer.

Armin Gibis

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