Schluss mit der Ruhe bei 1860

Mey vs. Ismaik: Die Ausgangslage, die Verhandlungen, der Ausblick

Verkauft er oder nicht? Die Situation beim Investorenklub scheint noch verworrener zu sein, seit es nun zu einem ersten Treffen zwischen dem jordanischen Geschäftsmann und dem Münchner Kaufinteressenten Gerhard Mey gekommen ist.

München – Spanien-Urlauber aus Deutschland dürften nicht schlecht gestaunt haben. Alicante an der Costa Blanca, irgendwann im Spätsommer: Ein paar Männer, einer von ihnen Urbayer und zwei Meter groß, betreten die örtliche McDonald’s-Filiale, bestellen handelsübliches Fastfood und setzen eine intensive, womöglich gar hitzige Unterhaltung fort, die um exakt ein Thema kreist: Die Zukunft des Münchner Regionalligisten TSV 1860, der möglicherweise vor einem Eigentümerwechsel steht. Hasan Ismaik, Kurgast in Alicante, hält 60 Prozent der Anteile. Gerhard Mey, einer der McDonald’s-Gäste, möchte sie erwerben. „Bisher haben wir gegackert, aber kein Ei gelegt. Und das geht natürlich nicht“, sagte der Gautinger Mey in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ über das lange erwartete erste Treffen der beiden milliardenschweren Unternehmer.

Vorausgegangen war ein Männergespräch „in einem „sehr schönen, luxuriösen Spa“, in das sich Ismaik laut Mey zurückgezogen hatte, um „ein paar Pfunde“ zu verlieren. „Wir sind dem Investor nachgereist“, so schildert es der 61-Jährige in der SZ. Dort in einem Penthouse, bei schmaler Diätkost („Wir haben zum Beispiel einen Apfel bekommen, sehr fein geschnitten. Misosuppe gab’s auch noch. Und einen Rote-Rüben-Saft“), die Mey zum späteren McDonald’s-Besuch inspirierte, sei es auch relativ schnell konkret geworden. „Wir haben ausführlich diskutiert, und wir haben sehr gut und sehr konstruktiv miteinander gesprochen“, so Mey, der „zwei Fakten“ mit nach Hause genommen hat: „Erstens: Er (Ismaik) möchte verkaufen. Ohne Wenn und Aber. Zweitens, das Problem: seine Vorstellungen bezüglich des Kaufpreises. Die sind astronomisch.“

Ein weiteres Problem ist dadurch entstanden, dass sich Mey dazu entschlossen hat, die Inhalte des Treffens öffentlich zu machen. Klar, dass das einer wie Ismaik nicht einfach so stehen lassen kann. Noch in der Nacht zum Freitag loggte sich der Jordanier bei Facebook ein – und widersprach Mey in so ziemlich allen Punkten, gipfelnd in einer altbekannten Aussage. „Zum letzten Mal“, so Ismaik: „1860 ist unverkäuflich.“ Darüber hinaus sei er „sehr enttäuscht“ von Meys Behauptungen. „Falsch ist, dass ich auch nur ansatzweise daran denke, mich beim TSV 1860 zurückzuziehen.“ Für ihn sei sein Engagement in München „eine Ehrensache“.

Und somit ist es mal wieder vorbei mit der Ruhe beim Meister von 1966. Unsere Übersicht zeigt, wie unterschiedlich ein und dasselbe Treffen von den beiden einzigen prominenten Teilnehmern dargestellt werden kann.

Die Ausgangslage

Das sagt Mey:„Die Umstände und die Tatsache, dass Sechzig in der 4. Liga spielt, spielten für ihn keine Rolle. Ich habe großes Verständnis, dass man in Verhandlungen hoch einsteigt, aber er hat sich sehr hartleibig gezeigt in den weiteren Diskussionen und auch am nächsten Tag. Mit Illusionen kann man aber kein Geschäft machen.“

Das sagt Ismaik: „Dass Herr Mey mit 1860 gerne den Himmel besteigen will und die Wiederholung der Meisterschaft von 1966 plant, ist seine Sache. Wir hatten über unser Treffen eigentlich absolutes Stillschweigen vereinbart. Deswegen überrascht es mich umso mehr, dass Herr Mey jetzt solche Märchen erzählt. Er wollte das Gespräch mit mir, nicht ich mit ihm.“

Die Verhandlungen

Das sagt Mey:„Er hat sich klar dazu geäußert, dass er verkaufen möchte – ohne Einschränkungen, das ist mir sehr wichtig. Er hatte sogar erklärt, dass er es sehr begrüßen würde, wenn ich in seine Fußstapfen treten würde.“ Wörtlich habe Ismaik erklärt, „dass ein Münchner Industrieller die Verbundenheit mit Sechzig besser verkörpern könne, und erklärt: Wenn Sie den Verein übernehmen, werde ich Ihr größter Fan.“

Ismaik soll laut Insidern 80 Millionen Euro für seine Anteile fordern, Mey will sie für 15 Mio. übernehmen – und weitere Zahlungen leisten, „die an bestimmte Meilensteine gebunden sind“ (Mey).

Das sagt Ismaik:„Er hat mir bei unserem Gespräch seine Anteile bei Webasto angeboten. Zudem hat Mey mir hinterher in einer Mail versichert, dass er sich dafür einsetzt, dass ich Ehrenpräsident von 1860 werden soll.“

Die verfahrene Lage

Das sagt Mey: „Er ist noch nicht an der Stelle, an der ein Investor mit Nachtschweiß aufwacht und feststellt: Hilfe, ich habe mein ganzes Geld verloren! Eigentlich erreicht man so einen Punkt unweigerlich, wenn ein Investment so schief läuft. An dem Punkt ist er aber noch nicht. Die Rückkehr in die zweite Liga, also nur dorthin, wo er hergekommen ist, kostet nach Schätzung aller Experten 40 bis 50 Millionen Euro. Das kommt ja on top. Und dann muss man die Baukosten für ein Stadion auch noch oben drauf rechnen. Wenn man das alles sieht, ist der aufgerufene Kaufpreis völlig absurd.“

Das sagt Ismaik:„Mit seiner Medienoffensive versucht Mey jetzt Druck auf mich auszuüben. Im Nachhinein war es ein Fehler, mich mit Herrn Mey zu treffen. Ich wollte nur höflich sein.“

Ausblicke

Das sagt Mey: „Man kann nicht mehr machen als ein Angebot. Wenn es abgelehnt wird, kann man niemanden zu seinem Glück zwingen. Wenn jemand nicht will, will er nicht. Ich habe meinen Hut in den Ring geworfen und da liegt er auch noch.“

Das sagt Ismaik: „Unser Verein lebt und wird über den Umweg Regionalliga wieder an Kraft zulegen. Dass es mir um 1860 sehr ernst ist, beweist allein die Tatsache, dass ich seit Monaten mit einer herausragenden Münchner Persönlichkeit in sehr guten Gesprächen bin. Ich hoffe, dass wir hier demnächst Vollzug melden und mit dieser Person einen Neuanfang zum Wohle des TSV starten können.“

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Rubriklistenbild: © dpa

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